Kia

Konkurrenz aus Korea für den GTI

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Thomas Geiger

Dem Autobauer Kia fehlten bisher schnelle Varianten von kompakten Modellen. Mit dem Pro Ceed GT hat der Hersteller nachgebessert. Das Auto kommt Ende Juni in den Handel.

Von der grauen Maus zum schillernden Star – kaum eine Marke hat in den vergangenen Jahren einen derart steilen Aufstieg hingelegt wie Kia. Das fußt nicht nur auf der schnell adaptierten Technik und der gelungenen Kombination aus Preis, Qualität und Garantieversprechen, sondern vor allem auf den sportlichen Formen aus der Feder von Designchef Peter Schreyer. Das ist der Mann, der einst den Audi TT entwarf. Als Beispiele dienen der Ceed und der von ihm abgeleitete Zweitürer Pro Ceed – Konkurrenten für Golf und Scirocco im Kosmos der Koreaner.

Beide sind ausgesprochen schnittig gezeichnet, allerdings hatten die Modelle ein Problem: Es fehlten schnelle Sportvarianten, bisher war bei 135 PS schon Schluss. Aber damit ist es jetzt vorbei, denn der Hersteller dreht mächtig auf, bringt den Drei- und Fünftürer auch als GT und fährt mit der kleinen Krawallschachtel sogar dem VW Golf GTI in Parade.

Deutschlandchef wünscht sich einen echten Sportwagen

Das Auto kommt Ende Juni in den Handel und hinkt dem Breitensportler aus Niedersachsen damit ein paar Wochen hinterher. Wo die Wolfsburger mit bis zu 230 PS punkten, hat der Kia nur 204 PS zu bieten. Und ganz so schnell und kurvengierig ist der Pro Ceed auch nicht. Doch dafür sieht der Flitzer aus Asien mit seinen LED-Brennern für das Tagfahrlicht und den dicken Muskeln an der athletischen Karosse deutlich eindrucksvoller aus und hat das größere Überholprestige: Wenn die Scheinwerfer im Rückspiegel aufflammen, räumt jeder freiwillig und ohne zu zögern die linke Spur.

Mit einem Grundpreis von 22.990 Euro ist der Koreaner gute 5000 Euro billiger als der Volkswagen. Und er macht innerhalb der Modellpalette mit Abstand den größeren Sprung: 50 Prozent mehr Leistung und 60 Prozent mehr Drehmoment – der Aufstieg fühlt sich fast so an, als würde man von einem Polo in einen Porsche umsteigen.

Entsprechend beherzt geht der Ceed zur Sache: Nur ganz kurz spürt man das Turbo-Loch, dann bläst der Lader, was das Zeug hält. Die Drehzahl rauscht nach oben, der Klang wird merklich kräftiger, dann verzahnt sich das Profil mit der Straße und es geht voran: 7,9 Sekunden von null auf 100 sind nicht schlecht, von 230 km/h konnten Kia-Kunden in der Kompaktklasse bis dato nur träumen, und jede Kurve wird plötzlich zu einer Versuchung, die den Pulsschlag in die Höhe treibt – so viel Spaß hat ein Auto aus Korea lange nicht mehr gemacht.

Dass sich der Pro Ceed dabei so kräftig und knackig anfühlt, liegt aber nicht nur am potenten Motor, dem strammeren Fahrwerk und dem noch einmal nachjustierten Sportprogramm der elektrischen Servolenkung, sondern auch an einem elektronischen Psycho-Trick: Ein Soundchip und ein paar Boxen lassen den vergleichsweise kleinen Vierzylinder im Innenraum fast so kernig dröhnen wie einen fetten V8.

Mit der GT-Version für Ceed und Pro Ceed haben die Koreaner zwar endlich bewiesen, dass auch die Zahlenfüchse im Fernen Osten nicht ganz vor Lust und Leidenschaft gefeit sind. Doch wenn es nach Designchef Schreyer und dem Deutschlandchef Martin van Vugt geht, war das nur der Anfang. Die beiden hätten, so hört man aus Unternehmenskreisen, lieber heute als morgen auch einen echten Sportwagen.