Range Rover Sport

Schwer, schnell - und vor allem dynamisch

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Thomas Geiger

Der neue Range Rover Sport hat zwar 420 Kilogramm abgespeckt, wiegt trotzdem immer noch zwei Tonnen. In der zweiten Reihe können auch Erwachsene bequem sitzen.

Zwei Finger reichen Mike Cross, um über zwei Tonnen zu gebieten. Gelassen sitzt der oberste Testfahrer von Jaguar und Land Rover am Steuer des neuen Range Rover Sport und treibt den Prototypen mit ganz sparsamen Bewegungen über die britischen Landstraßen. Während seine Kollegen in New York gerade die Weltpremiere auf der Motorshow feiern und einen ersten Blick auf das sportlichere Design sowie das hochwertigere Interieur gewähren, gibt Cross dem Fahrwerk des potenten Luxusliners den letzten Schliff. Schließlich hat er noch ein paar Monate Zeit, bis im September zu Preisen ab etwa 60.000 Euro die ersten Autos zu den Kunden kommen.

Und die will genutzt werden, denn die Briten haben sich für das Projekt L494 ambitionierte Ziele gesetzt: "Ohne Kompromisse bei den Offroadfähigkeiten und Einbußen bei dem für einen Range Rover typischen Luxus wollen wir diesmal auch bei der Fahrdynamik mit den besten Wettbewerbern aus Deutschland konkurrieren", sagt Cross und nennt vor allem BMW X5 und Porsche Cayenne als Prüfsteine.

Der Hersteller hat mehr geändert als nur das Fahrwerk und die Karosserie, die 15 Zentimeter kürzer und sechs Zentimeter flacher ist als beim konventionellen Range Rover: "Alles, was den Charakter des Fahrzeugs ausmacht, ist neu", sagt Projektleiter Craig Carter und spricht von gerade mal 25 Prozent Gleichteilen.

Deshalb wurden eben nicht nur Dämpfer, Federn und Stabilisatoren modifiziert, sondern man reist auf völlig neuen Sesseln, greift in ein kleineres Lenkrad und blickt auf Konsolen, die sportlicher dekoriert sind. Und damit es wirklich eine enge Bindung zwischen Mensch und Maschine gibt, ragt anstelle des Drehreglers für die Achtgang-Automatik jetzt wieder ein Schaltknauf aus dem Mitteltunnel.

Das Auto ist komplett aus Aluminium gefertigt und deshalb rund 420 Kilo leichter als sein Vorgänger. Vorerst gibt es die gleichen Motoren, wie man sie vom Range Rover kennt. Neben dem 510 PS starken V8-Motor aus Cross' Testwagen kommt noch der drei Liter große Diesel zum Einsatz, der wahlweise mit 258 oder 292 PS angeboten wird. Die Motoren beschleunigen besser, fahren flotter, knacken beim V8-Modell sogar erstmals die 250 km/h-Marke und sind sparsamer: "Im besten Fall geht der Verbrauch um 24 Prozent zurück", prahlt Carter und nennt für den schwächeren Diesel 7,3 Liter. Das reicht ihm aber noch nicht: Für die IAA im September in Frankfurt kündigt er deshalb einen Diesel-Hybrid an, der um die sechs Liter brauchen wird. Und wer es gerne etwas kräftiger mag, bekommt im Herbst auch noch den V8-Diesel mit 4,4 Litern Hubraum und 339 PS.

Aber der Neue soll nicht nur den Dynamiker geben, sondern auch zum Praktiker in der Modellfamilie werden. Obwohl nur sechs Zentimeter länger als früher, haben die Briten den Radstand um fast 18 Zentimeter gestreckt, das Auto fast sechs Zentimeter in die Breite gezogen und so deutlich mehr Platz im Fond geschaffen.

Jetzt können Erwachsene auch in der zweiten Reihe bequem sitzen, der Kofferraum ist größer, und zum ersten Mal gibt es für den Range Rover Sport auf Wunsch auch eine dritte Sitzreihe. "Die ist zumindest für Jugendliche noch bequem zu benutzen", sagt Projektleiter Carter. Zumindest wenn nicht gerade Mike Cross am Steuer sitzt. Denn der hat sich langsam richtig warm gefahren und treibt den Prototyp so flott durch den Nebel, dass selbst der viel kleinere und handlichere Evoque kaum hinterherkäme.

(Die Reise zur Präsentation des Range Rover Sport wurde unterstützt von Land Rover.)