Oben ohne in 20 Sekunden

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Thomas Geiger

Beim Cabriolet Cascada setzt Opel auf Größe und Eleganz. Das Verdeck arbeitet bis Tempo 50 auch während der Fahrt

Drei Jahre nach dem Ende des Astra Cabrio meldet sich Opel mit dem Cascada jetzt wieder unter freiem Himmel zurück. Zwar nutzt das neue Open-Air-Modell die Bodengruppe des Astra, steigt aber mit Auftritt und Ausstattung in die nächste Liga auf. "Golf-Klasse zahlen und Mittelklasse fahren" lautet deshalb das Motto, wenn der offene Pkw am 20. April zu Preisen ab 25.945 Euro in den Handel kommt.

Dafür gibt es einen auf knapp 4,70 Meter gestreckten Viersitzer, der nichts mehr gemein hat mit dem ebenso plumpen wie pummeligen Astra TwinTop und statt des offenen VW Golf eher auf die Cabrios von Audi A5 und BMW Dreier zielt. Liebevoll gezeichnet, macht der Cascada offen wie geschlossen eine gute Figur. Er ist schlank und gestreckt, die feine Chromlinie auf der hohen Brüstung unterstreicht den eleganten Auftritt, und das Heck erinnert aus mancher Perspektive sogar an den Sechser BMW.

Dazu gibt es - zum Teil natürlich gegen Aufpreis - eine Ausstattung, die man in der Kompaktklasse so bislang nicht kannte: Zum Beispiel surren die Sitze elektrisch nach vorne. Der Gurt wird von einer Mechanik angereicht. Und das mit einer zusätzlichen Lage Vlies gegen Krach und Kälte gedämmte Verdeck bewegt sich nicht nur binnen knapp 20 Sekunden voll elektrisch. Es arbeitet bis Tempo 50 auch während der Fahrt und lässt sich mit der Fernbedienung starten.

Das Wachstum dient allerdings nicht nur dem schönen Schein. Das größere Cabrio ist auch das praktischere Auto. Im Fond können Erwachsene jetzt länger sitzen als bis in den Biergarten, zudem hat der Kofferraum eine gewisse Alltagstauglichkeit: 280 Liter bei offenem und 350 Liter bei geschlossenem Dach reichen für den Großeinkauf. Wer noch mehr Platz braucht, kann sogar die Rückbank umlegen. Auch das ist ein Detail, das mit einem Hardtop nicht machbar wäre, argumentieren die Ingenieure für die Stoffhaube.

So sehr sich Opel um einen Aufstieg bemüht, so fest ist die Technik des Cascada in der Kompaktklasse verhaftet. Die Motoren kennt man alle vom Astra. Los geht es mit einem 1,4-Liter-Benziner, der wahlweise mit 120 oder 140 PS ausgeliefert wird. Daneben gibt es einen 2,0-Liter-Diesel mit 165 PS und als ganzen Stolz zum ersten Mal einen Benzindirekteinspritzer aus der neuen SIDI-Familie, der bei 1,6 Liter Hubraum auf 170 PS kommt. Trotz seines vergleichsweise kleinen Hubraums klingt der neue Direkteinspritzer wie ein Großer und geht entsprechend kräftig zur Sache: Er beschleunigt den Wagen flott von der Ampel weg, hat beim Überholen genügend Durchzug und schafft auf der Autobahn bis zu 222 km/h.

Mit einem derart starken Motor ist man im Cascada übrigens gut beraten. Denn das Auto ist schwer geworden. Zwar lassen ihn der lange Radstand von 2,70 Metern und die paar Millimeter mehr Spurweite als im Insignia satt auf der Straße stehen und gelassen über die Mängel im Straßenbau hinweggleiten. Doch HiPer-Strut-Vorderachse hin und Flex-Ride-Fahrwerk her: Die gut 1,7 Tonnen wollen erst einmal in Fahrt und um die Ecke gebracht werden. Ein bisschen Leistung kann da nicht schaden.

Das Ende der Fahnenstange ist mit dieser Motorpalette jedoch noch nicht erreicht, locken die Hessen. Sechs- oder gar Achtzylinder wie bei der vornehmen Konkurrenz in dieser Klasse wird es wohl nicht geben. "Aber stärkere Benziner und Diesel sind bereits in Vorbereitung", lässt Opel wissen.