Der Clio kann auch Kombi

Renault bietet im April eine Kombiversion des Modells an. Der Grandtour dürfte vor allem junge Familien ansprechen

Klein, aber ohne Klasse und praktisch statt pfiffig - so haben bislang die Kombis unter den Kleinwagen ihr Dasein gefristet. Denn weder Skoda Fabia noch Peugeot 207 SW gehen als Pulsbeschleuniger durch. Während Peugeot daraus gerade Konsequenzen zieht und anstelle des Kombis einen kleinen Geländewagen auf den Weg bringt, setzt Renault beim Clio zur Flucht nach vorne an: Mit dem leidenschaftlichen Design des Fünftürers, einem stattlichen Kofferraum und einem attraktiven Preis machen die Franzosen beim neuen Grandtour ab 5. April wieder richtig Lust aufs Beladen.

Obwohl das Auto um 20 Zentimeter in die Länge geht und hinten jetzt natürlich einen aufrechten Abschluss bekommt, hat der neue Clio als Praktiker seinen Charme nicht verloren. Es bleibt nicht nur beim verführerischen Gesicht, sondern die stark konturierte Flanke sieht mit der gestreckten Silhouette noch muskulöser aus.

Doch damit allein kommt man bei nüchternen Familienvätern nicht weiter. Deshalb werben die Franzosen mit einem üppigen Laderaum. Wo beim Fünftürer mit 300 Litern Schluss ist, schluckt der Grandtour schon bei aufrechter Rückbank fast 50 Prozent mehr und kommt so auf 443 Liter. Wer die Lehne umlegt, kann bis zu 1380 Liter verstauen. An den sichtlich schlichter gezeichneten Fabia kommt der Clio damit zwar nicht ganz heran. Aber immerhin bietet er so jetzt gut 100 Liter mehr Platz als der Vorgänger - und sieht dabei noch viel besser aus.

Außerdem haben die Ingenieure noch ein bisschen weiter gedacht: Für lange Ladung lässt sich der Beifahrersitz flachmachen, und auf den lästigen Kleinkram wartet ein großes Fach im Souterrain. Dazu gibt es eine angenehm niedrige Ladekante, die in den gehobenen Ausstattungsvarianten jedoch leider mit schwarzem Glanzlack überzogen ist und deshalb ziemlich empfindlich wirkt. Vom neuen Zuschnitt profitieren beim Clio auch die Hinterbänkler. Denn unter der neuen Dachlinie bleibt mehr Platz für den Kopf.

Neben dem Platz setzt Renault beim Grandtour zudem auf den Preis - und macht das Auto trotz besserer Ausstattung 400 Euro billiger: Jetzt stehen für das Basismodell nur noch 13.800 Euro in der Liste, womit der Kombi-Aufschlag bei 1000 Euro liegt.

Unter der Haube bleibt alles beim Alten: Wie den Fünftürer gibt es auch den Kombi mit zwei Benzinern und zwei Dieseln, die jeweils 75 oder 90 PS leisten. Das ist nicht viel, aber für so ein kleines Auto allemal genug. Erst recht, wenn man den stärkeren Diesel wählt. Der macht ordentlich Dampf und bringt zumindest den nicht bis unters Dach voll geladenen Wagen so flott in Fahrt, dass man das ordentliche Fahrwerk genießen kann. Auch bleibt die Vernunft nicht auf der Strecke, selbst wenn der vom Hersteller kommunizierte Normverbrauch von 3,6 Litern natürlich nicht zu halten ist, wenn man das Spitzentempo von knapp 180 km/h gelegentlich ausreizt.

Fast so praktisch wie die anderen, vernünftig eingepreist und der Schönheitskönig vor dem Kindergarten - so dürften die Franzosen mit dem Clio Grandtour nicht nur den Kombis von Skoda Fabia oder Seat Ibiza das Leben ein Stück schwerer machen. Die vielleicht größten Probleme handeln sie sich in der eigenen Familie ein. Denn der Mégane Grandtour aus der Klasse darüber sieht plötzlich so brav und bieder aus, dass Renault den gleich wieder einpacken kann.