911er-Rivale aus eigenem Stall

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Thomas Geiger

Der neue Cayman von Porsche wird von Carrera-Fahrern gewiss nicht mehr belächelt - zu gut sind die Verbesserungen

Stärker und schneller, leichter und sparsamer, etwas geräumiger und trotzdem noch schnittiger gezeichnet - so schickt Porsche die dritte Generation des Cayman ins Rennen. Das Mittel-motor-Coupé, das mehr ein kleiner Elfer als ein Boxster mit Dach sein will, kommt am 2. März in den Handel und ist mit einem Grundpreis von 51.385 Euro die vielleicht billigste Art, echte Porsche-Gefühle im geschlossenen Sportwagen zu erleben. Denn die Zeiten, in denen der Cayman nur als Elfer für Arme galt und von Carrera-Fahrern milde belächelt wurde, sind mit der Neuauflage endgültig vorbei: Kein anderer Porsche giert so sehr nach Drehzahlen und gibt sich auf einer gewundenen Landstraße so agil und leichtfüßig wie der kleine Kurvenkünstler. Und die Musik dazu spielt der Boxermotor hinter den Sitzen.

Dank sechs Zentimetern mehr Radstand und einer breiteren Spur wirkt der Flitzer nun ruhiger und gelassener. Das Auto steht satter auf der Straße, bleibt bei hohen Geschwindigkeiten stabiler und in Kurven näher an der Ideallinie - ein Verdienst der elektrischen Servolenkung und des neu entwickelten Torque Vectoring Systems. Der Zweisitzer ist ein Fahrzeug, das es seinem Fahrer leicht macht und bis in die Vollgasphasen hinein mühelos beherrschbar bleibt.

Den Platzgewinn im Innenraum spendiert Porsche nicht nur den Passagieren, sondern nutzt ihn auch für die wuchtige Mittelkonsole im Stil des Panamera, die damit in der letzten Baureihe Einzug gehalten hat. Designchef Michael Mauer hat die Proportionen gründlich zurechtgerückt: Die Überhänge hat er gekürzt, die Frontscheibe nach vorn gerückt, das Dach nach unten geholt, alle Linien sparsam und präzise gesetzt - so sieht der Cayman schon im Stand schärfer aus als je zuvor. Natürlich hat der Wagen beim Modellwechsel abgespeckt und ist bis zu 30 Kilo leichter als früher. Weil zudem neue Motoren und optimierte Getriebe zum Einsatz kommen, Start-Stopp zur Serie gehört und der Sportler im Leerlauf zum Segler wird, geht der Verbrauch um bis zu 15 Prozent zurück.

Aber mal ehrlich: Wen außer den Statistikern interessiert so etwas? Worauf es selbst beim kleinsten Sportwagen im Porsche-Programm tatsächlich ankommt, das sind die Fahrleistungen. Und die sind auch wieder besser geworden, selbst wenn der Basis-Boxer sogar um 0,2 Liter schrumpft.

Jetzt nur noch 2,7 Liter groß, kommt der Sechszylinder auf 275 statt 265 PS. Wahlweise mit Sechsgangschaltung oder Doppelkupplung bestückt und auf Wunsch mit dem Sport-Chrono-Paket lieferbar, schafft er den Sprint auf Tempo 100 in 5,4 Sekunden und stürmt weiter bis auf 266 km/h. Trotzdem ist der Motor in der günstigsten Kombination auf dem Prüfstand mit nur 7,7 Litern zufrieden.

Wie immer bringt Porsche zum Start für 10.000 Euro Aufpreis ein S-Modell. Dort hat der Sechszylinder-Boxer wie bisher 3,4 Liter Hubraum und legt um fünf auf jetzt 325 PS zu. Das reicht für Sprintwerte von 4,7 Sekunden und ein Spitzentempo von 283 km/h. Verbrauch laut Werk: 8,0 Liter.

Konkurrenz musste Porsche für den Cayman bislang kaum fürchten. Allerdings machen sich die Schwaben mit der dritten Auflage jetzt selbst das Leben schwer. Denn so gut, wie der Neue geraten ist, wirkt plötzlich selbst der 911er gefährlich überflüssig. Vor allem, wenn man dessen Einstiegspreis berücksichtigt: satte 90.417 Euro.