Mehr Coupé als Limousine

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Thomas Geiger

Mit dem neuen CLA setzt Mercedes optische Akzente. Er kommt im April zu Preisen ab 28.977 Euro auf den Markt

Der erste Baby-Benz war noch ein Brikett mit rundgelutschten Kanten. Doch wenn Mercedes die Modellpalette jetzt mal wieder mit einem kleinen Stufenheck nach unten abrundet, dann wollen die Schwaben den Schönheitskönig in der Kompaktklasse stellen. "Stilrebell", nennt Designchef Gorden Wagener deshalb den neuen CLA, der jetzt am Rande der Motorshow in Detroit gezeigt wurde, seinen Einstand vor großem Publikum auf dem Genfer Salon im März gibt und im April in den Handel kommt. "Der CLA ist ein Auto, das Mittelklasse nicht mit Mittelmaß verwechselt", sagt Vorstandschef Dieter Zetsche und erinnert noch einmal an die gewaltige Resonanz auf das "Concept Style Coupé" von Peking 2012, das dem CLA den Boden bereitet hat: "Der mit Abstand häufigste Kommentar lautete: 'Bitte baut dieses Auto in Serie.' Und genau das tun wir jetzt."

Wie die Studie orientiert sich das Serienmodell deshalb auch nicht an der C-Klasse, sondern am CLS. Denn genau wie der elegante Bruder der E-Klasse ist der mit 4,64 Metern etwa 30 Zentimeter kürzere Erbe des Baby-Benz in Bausch und Bogen gezeichnet und trotz der vier Türen und des separaten Kofferraums mehr Coupé als Limousine.

Das zeigt sich offenbar auch im Windkanal: Mit der schnittigen Form und einem speziell verkleideten Unterboden hat Mercedes den Luftwiderstand so weit gedrückt, dass der CLA auf einen cw-Wert von 0,22 kommt und damit sämtliche Serienfahrzeuge in den Schatten stellt. Den Aufstieg und den vornehmen Anspruch des CLA erkennt man allerdings auch am Preis: Denn mit 28.977 Euro kostet der CLA 180 ziemlich genau 5000 Euro mehr als die vergleichbare A- und 2500 Euro mehr als eine entsprechende B-Klasse. Von der C-Klasse trennen ihn 4000 Euro.

Technisch allerdings ist der Wagen nichts anderes als eine gestreckte A-Klasse mit Kofferraum. Denn von dem Fünftürer hat das Coupé nicht nur das Gesicht mit der Diamant-Optik im Kühlergrill und das jugendlich frische Interieur sowie bald ein halbes Duzend "Lines" zur bestmöglichen Anpassung an den individuellen Geschmack. Es gibt natürlich auch das Online-Infotainmentsystem, die zahlreichen Assistenzsysteme und die für diese Klasse überraschend hochwertige Materialauswahl. Und auch die Plattform ist identisch. Deshalb gibt es ausschließlich Vierzylinder-Motoren, die in der Regel nur die Vorderachse antrieben.

Um dem CLA den Start auf wichtigen Exportmärkten wie China und den USA leichter zu machen, müssen die verwöhnten Kunden dort nicht mit einem Fronttriebler vorliebnehmen. Mit dem CLA bringt Mercedes auch in der Kompaktklasse einen Allradantrieb, den es künftig dann natürlich auch für A- und B-Klasse geben wird. Vorerst plant Mercedes mit drei Benzinmotoren von CLA 180 mit 122 PS bis zum CLA 250 mit 211 PS. Daneben gibt es zwei Diesel als 136 PS starken CLA 200 CDI und als CLA 220 CDI mit 170 PS.

Dabei soll es aber nicht bleiben. Zum ersten Mal wagt sich auch AMG in die Kompaktlasse und zeigt parallel zum neuen A 45 auch einen CLA 45 AMG. Und auch bei den Karosserievarianten hat Designchef Wagener noch ein paar Ideen offen. Zwar kommt als Nächstes ein kleiner Geländewagen, der gegen Audi Q3 und BMW X1 antreten soll. Doch danach hat sich Wagener einen Shooting Brake ausgebeten. Schließlich will er wie beim viertürigen Coupé aller Welt beweisen, wie ernst es ihm mit dieser Karosserieform ist.