Das Einmaleins der Schneeketten

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Stefan Weißenborn

Wer mit dem Auto in den Skiurlaub fährt, sollte sie dabeihaben. Experten geben Tipps zu Kauf und Montage

Nicht jeder Hamburger verbringt die Abende zwischen Weihnachten und der Jahreswende zuhause, schließlich ist Ferienzeit. Die nutzen viele, um Skiurlaub in Italien, Österreich oder der Schweiz zu machen. Der Weg dorthin mit dem Auto ist nicht immer einfach: Straßen sind zugeschneit, es geht bergauf und bergab. Da können selbst nagelneue Winterreifen die Motorkraft nicht mehr in Vortrieb verwandeln. Sie drehen durch. Schwindet der Grip, ist die Zeit für Schneeketten gekommen. Automobilklubs und Kfz-Prüforganisationen geben Tipps zu Kauf und Montage.

Kunden haben die Wahl zwischen der klassischen Variante aus Stahl und der neueren aus festem Textil. Die etwas teureren Metallketten sind laut Testurteilen stabiler. Wer also oft auf Bergstraßen unterwegs ist, trifft damit eine gute Wahl. Die Stoffketten sind dagegen in der Regel etwas leichter zu montieren, als sogenannte Snow Socks müssen sie nur übergestülpt werden. Vereinzelt gibt es auch Stahlketten mit Stoffelementen.

Reifenhändler bieten Schneeketten seit dem Saisonstart im Oktober an. Auch im Autozubehörhandel sind sie erhältlich. Wie ein Reifen auf die Felge, muss auch die Kette auf das Gummi passen. Schneeketten müssen also in der richtigen Größe gekauft werden, die an der Reifenflanke abgelesen wird. Fahrzeugbesitzer, deren Auto mit einem Reifendruckkontrollsystem ausgestattet ist, sollten die Schneeketten nicht nur an der Antriebsachse, sondern an allen vier Rädern anbringen. Ansonsten kann das System wegen des unterschiedlichen Abrollumfangs einen Druckverlust an zwei Reifen melden, erläutert die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ).

Kettenkäufer schauen bei der Modellwahl am besten auch nach einem Qualitätssiegel. Dies kann das TÜV- oder GS-Zeichen sein. Auch ein Prüfzeichen nach den österreichischen Normen V 5117 und V 5119 weist auf geprüfte Produktsicherheit hin. Eine deutsche Norm für Schneeketten gibt es nicht. Die Preise variieren stark: Es gibt Modelle um die 30 Euro, andere kosten das Zehnfache. Doch hohe Preise sind nach Erkenntnissen des Auto Club Europa (ACE) nicht unbedingt ein Garant für gute Ware.

Sogenannte Anfahrhilfen, die nur über die Reifen gestülpt werden, bringen laut dem ACE im Vergleich zu Schneeketten wenig. Auch bei Reifensprays, die dem Winterpneus zu mehr Grip verhelfen sollen, sind Zweifel angebracht. Solche Mittel können sich vom Gummi schnell wieder abfahren und ihre anfängliche Wirkung verlieren, so der ADAC.

Für die Schneeketten-Montage empfehlen TÜV und ADAC eine Generalprobe, damit im Ernstfall alles klappt. "Man sollte nicht erst dann üben, wenn die Situation zum Beispiel an einer Bergstraße prekär wird", sagt ADAC-Pressesprecher Christian Buric. Fürs Anbringen der Ketten im Dunkeln rät der TÜV Rheinland, eine Taschenlampe in den Wagen zu legen.

Anlegen dürfen Autofahrer die Fahrhilfen erst, wenn die Straße "nahezu vollständig" mit Schnee oder Eis bedeckt ist, erklärt ADAC-Juristin Katharina Bauer. In schneereichen Regionen Deutschlands weisen manchmal auch Verkehrsschilder auf eine Schneekettenpflicht hin. "Wer sie dann nicht anbringt, dem drohen 20 Euro Bußgeld", sagt Bauer. Behindern Autofahrer auch noch den Verkehr, verdoppelt sich die Geldbuße, und es gibt einen Punkt in Flensburg. Wichtig in diesem Zusammenhang: Textilvarianten gelten rechtlich nicht als Schneeketten. "Sie sind zwar gar nicht so schlecht, wenn es darum geht, den Grip zu erhöhen. Aber wenn ein Schild Schneeketten vorschreibt, sind die klassischen Stahlketten gemeint", sagt Bauer.

Im Ausland gibt es teils besondere Vorschriften zu Schneeketten. In Österreich und Italien dürfen sie laut ADAC - anders als in Deutschland - alternativ zu Winterreifen aufgezogen werden. Wer in Deutschland mit Schneeketten unterwegs ist, darf der Straßenverkehrsordnung (StVO) zufolge höchstens 50 km/h fahren.