Porsche

Der Dauerbrenner 911 mit Allradantrieb

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Thomas Geiger

Porsche bringt zum Jahreswechsel den 911 Carrera 4 in den Handel und zeigt damit dem Winter die kalte Schulter.

Wer sagt denn, dass man seinen Sportwagen zum Winter einmotten muss? Zumindest niemand bei Porsche. Denn pünktlich zum Beginn der Schmuddelsaison rücken die Schwaben jetzt die Allradversionen des neuen Elfers ins Rampenlicht: Eine variable Kraftverteilung zwischen beiden Achsen macht den Dauerbrenner aus Zuffenhausen zum Ganzjahresauto, das dem Winter buchstäblich die kalte Schulter zeigt. Allerdings hat das Vergnügen auch seinen Preis: Runde 10 000 Euro schlagen die Schwaben auf, wenn zum Jahreswechsel der Carrera 4 in den Handel kommt.

Wie eh und je gibt es den Wagen als Standard-Elfer mit 350 PS, als Carrera 4S mit 400 PS sowie als Coupé und Cabrio. Und als wäre das noch nicht genug, kann man auch noch zwischen Handschalter und Doppelkupplung wählen. Streng genommen gibt es deshalb nicht eines, sondern gleich acht Allrad-Modelle.

Sie alle eint ein System, das die Schwaben Porsche Traction Management nennen: Vom Getriebe aus führt das eine zweite Welle nach vorn, die über eine Lamellenkupplung auf die Vorderachse wirkt. Blitzschnell und sehr feinfühlig gesteuert im Einklang mit der Stabilitätselektronik, gelangt damit immer genau so viel Kraft nach vorn, wie für die optimale Traktion nötig ist, ohne dass der Fahrspaß auf der Strecke bleibt: viel beim Beschleunigen auf rutschigem Untergrund, wenig beim Lenken in engen Kurven. Das klingt in der Theorie ziemlich kompliziert und lässt den Fahrer dankbar auf das neue Diagramm im Bordcomputer schauen, auf dem er die Kraftverteilung verfolgen kann.

In der Praxis ist das Ergebnis ganz einfach: Wann und wo man auch aufs Gas tritt - immer schnellt der Elfer nach vorn. Ohne gefährliche Schlenker im Heck beißen sich die vier Räder in den Asphalt und lassen sich von Nässe oder Schnee nicht irritieren.

So macht schon das Basismodell mit seinem 350 PS starken 3,4-Liter-Motor mächtig Laune. Von Hand geschaltet und ohne Rücksicht auf Wind und Wetter ordentlich getreten, rast der Elfer in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 und sichert sich mit 285 km/h seinen Stammplatz auf der linken Spur. Wem das nicht reicht, der bestellt den Carrera 4S, der den Sprint im besten Fall in 4,1 Sekunden schafft und bis zu 299 km/h schnell wird.

Angenehmer Nebeneffekt der aktuellen Allradgeneration: Weil der neue Elfer an sich schon leichter ist als der Vorgänger und Porsche noch einmal an der Kraftverteilung gefeilt hat, sinkt das Gewicht um bestenfalls 65 Kilo, und der Verbrauch geht um bis zu 16 Prozent zurück: Zwischen 8,6 und 10,0 Liter stehen jetzt im Datenblatt. Doch darf man sich keiner Illusion hingeben: Wer das, was Porsche den "sportlichsten Allradantrieb der Welt" nennt, tatsächlich auskosten will, hat den Normwert ruckzuck verdoppelt.

Porsche belässt es aber nicht nur bei der Technik, traditionell dürfen beim Carrera 4 auch die Designer ran. Sie haben die hinteren Kotflügel um jeweils 22 Millimeter nach außen gezogen und dem Elfer so zu einem breiten Stand verholfen. Der lässt sich durch nichts und niemanden aus der Reihe bringen, lautet die Botschaft, der offenbar viele Kunden folgen. Nicht umsonst kamen die Allradmodelle in der vergangenen Generation auf einen Verkaufsanteil von knapp 40 Prozent. Zwar gibt es den Allradantrieb im Elfer erst seit 1989, doch rühmt sich Porsche einer viel längeren Tradition: Denn schon als Firmengründer Ferdinand Porsche 1900 den Lohner-Rennwagen auf die Räder stellte, fuhr er auf allen vieren.