Stop and Go

Der alljährliche (Warte)wahnsinn

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Eine Glosse von René Soukup

Die Zeichen stehen dieser Tage mal wieder auf Wechsel. Draußen wird es kälter, die Uhr zurückgestellt - und auch die Pneus am Auto sollten spätestens jetzt ausgetauscht werden. Also zackig die Sommerreifen runter und ruck, zuck die Winterpuschen drauf, bevor der Nachtfrost zur Regel wird. Doch mit "mal eben schnell" ist das so eine Sache. Wohl dem, der die Reifen selbst wechseln kann. Denn wer noch diesen Sonnabend oder auch am Montag den Gang in die Werkstadt zwecks Reifenwechsel antreten will, hat schlechte Karten.

Die "O-bis-O-Regel" besagt, die Winterreifen von Oktober bis Ostern zu fahren. Und da der Oktober Mitte kommender Woche fertig hat, wird den Werkstätten die Bude eingelaufen. Also gilt es bei der Terminvergabe, einen langen Atem zu beweisen. Das musste auch ich einsehen.

"Diese Woche noch?", antwortete der Werkstattmeister meines Vertrauens am Telefon fast vorwurfsvoll, als ich ihn am vergangenen Dienstag um einen Termin bis Ende der Woche bat. Was so viel bedeutet wie: Das kannst du dir abschminken! Dabei wollte ich doch meiner Frau etwas Gutes tun, schließlich ist die Familienkutsche ihr Wagen. Also noch mal zum Kfz-Profi: "Sie wissen doch, so mit Kind und das Thema Sicherheit." Aber keine Chance. Ich hätte es ja wissen müssen, schließlich war es im vergangenen Jahr auch nicht anders.

Der Herr, nach dem Ende meiner Überredungsversuche wieder freundlicher im Ton gestimmt, machte mir zwei Angebote: entweder Termin am 5. November ohne Wartezeit, wobei das Auto morgens abzugeben und erst abends abzuholen ist - oder mit Wartezeit erst am 14., was natürlich ebenso wenig ging. Anrufe bei einer zweiten, dritten und sogar vierten Werkstatt folgten. Die Antworten auf meine Frage waren identisch: Sie müssen WARTEN!

Wie gut, dass ich tatsächlich einen langen Atem und nicht gleich einen Termin abgemacht habe. Gestern, ganz zufällig, erblicke ich meinen Nachbarn, wie er in seiner Garage die schwarzen Gummis wechselt. Eine Stunde später waren auch die Winterreifen meiner Frau drauf. Mein Einsatz: zwei Flaschen Bier und Kartoffelchips. Meine Ersparnis: circa 40 Euro. Mein ganz persönlicher Gewinn: eine Stunde netter Klönschnack. Übrigens: Mein eigenes Auto fährt zum Glück mit Ganzjahresreifen.