Pemöllers PS

Nach Sylt nur mit Teelicht

Foto: Michael Rauhe

Eine Glosse von Daniela Pemöller

Hamburg. Schulfrei in Hamburg. Und schon appellierte eine schlaue Mutter mit Humor: "Das Klimachaos beschert unseren Kindern nicht nur Hitze-, sondern auch Schneefrei. Macht etwas für die Umwelt, damit unsere Kinder in Zukunft noch zur Schule dürfen."

Bei Schulfrei denke ich an die Katastrophe im Winter 1978/79. Was waren das für dramatische Bilder im Fernsehen. Von im Schnee gefangenen Autofahrern auf der A 7, zu denen nur schwer Hilfe drang. Tausende waren damals eingeschneit. Mussten teilweise 26 Stunden bei minus 20 Grad im Auto ausharren, bis sie befreit wurden. Die meisten hatten nicht mal richtige Winterkleidung dabei. Dieser Winter, so sagen Zeitzeugen, beginne ähnlich wie der damalige: früher Wintereinbruch und Kältewellen, die immer wieder von Tauwetter unterbrochen werden. Auch im Jahrhundertwinter herrschte vor dem großen Schneechaos Schmuddelwetter.

Diese Vergleiche machen mich nervös. Denn ich will über Weihnachten mit der Amazone (meinem Volvo) nach Sylt. Dicke Klamotten, das Autoladekabel fürs Handy und eine Daunendecke sind Pflicht. Doch welches Heißgetränk nehme ich mit? In Nepal schwört man auf schwarzen Tee mit Zucker und Butter! Das Fett diene dem Körper als Feuerholz. Apropos Feuerholz: Ein Teelicht, so legt mir ein Kumpel ans Herz, dürfe auf keinen Fall fehlen. Das schütze vorm Erfrieren. Ich frage mich, welcher Tod ist schmerzvoller: der des Erstickens oder Erfrierens. Ersterer verbreitet wenigstens eine romantische Atmosphäre.

In diesen Dingen halte ich es wie die Musiker von der "Titanic": Wenn schon sterben, dann mit Stil. So weit müsse es ja nicht kommen, bremst mich mein Freund. Und schenkt mir ein Teelicht-Raclette. Mit vier Kerzen plus Schweizer Käse. Wie stilvoll. Zum sterben ist das viel zu schade.

+++ Das Postskriptum rund ums Auto +++