Pemöllers PS

Laterne auf dem Radweg

Foto: Michael Rauhe

Eine Glosse von Daniela Pemöller

Hamburg. Meine Amazone (für Nicht-Experten: mein in die Jahre gekommener Volvo) ist in der Werkstatt. Ein Lümmel namens Winter hatte eine heiße Liaison mit meinem Blech. Nun ploppen überall kleine Rostbabys hoch, die keiner haben will. Doch Doktor Klaus, der Autoarzt meines Vertrauens, kümmert sich liebevoll um das lästige Problem. Und ich sattle für die Zeit um auf mein Fahrrad. Eine gänzlich neue Perspektive, wie ich finde. Plötzlich hat man wieder Zeit. Man radelt gemütlich vor sich hin und sieht ab und an Dinge, die einen doch ins Grübeln bringen.

Ein solches Ding ist der frisch planierte Radweg in der Schäferkampsallee. Auf dem herrlich rot leuchtenden Asphalt prunkt da eine Straßenlaterne. Ja, Sie haben richtig gelesen. Der nagelneue Radweg führt nicht rechts, auch nicht links dran vorbei. Nein, er führt direkt auf die Laterne zu.

Ich denke, diesen Abschnitt haben die Jungs von der Stadtentwicklung wohl nach einem durchzechten Wochenende planiert. Mit ein paar Promille Restalkohol im Blut und den Lidern auf halb acht. Da fällt es auch schwer, einen solchen Bauplan richtig herum zu halten. Grundsätzlich gilt: Ein Radweg muss gerade verlaufen. Steht da eine Laterne, wird der Radweg rechts oder links dran vorbei geschwenkt. In diesem Fall wurde der Radweg halt auf die Laterne zugeschwenkt. Wahrscheinlich, weil der Typ mit dem Plan etwas zum Festhalten brauchte.

Jedenfalls hat diese behördliche Bauperle auch andere beeindruckt. Einen vorbeiradelnden Architekten gar so sehr, dass er von seinem Drahtesel stieg, ein Foto schoss und dies samt Bitte um Aufklärung an die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt schickte.

Recht hat er. Schließlich birgt so eine Straßenführung ja einige Kollisionsgefahren. Auch wenn die vermeintliche Unfallzone dank der Laterne recht gut beleuchtet ist. Die Stadt reagierte prompt und errichtete eine Art "Zaun" bestehend aus Pappkartons und Warnschild um den leuchtenden Behördenirrsinn.

Ja, wenn es um die Verschwendung von Steuergeldern geht, kommt mir die Erleuchtung, braucht es nicht gleich ein Projekt im Umfang der Elbphilharmonie. Das klappt auch wunderbar im kleinen Rahmen.