Stop & Go

Fortschritt hat seinen Preis

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Eine Glosse von René Soukup

Diese Zahlen ärgern Autobesitzer mindestens genauso wie die derzeitigen Spritpreise: Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass hierzulande die Ausgaben für Kfz-Reparaturen in den vergangenen fünf Jahren um glatte 13 Prozent gestiegen sind. Pro Haushalt gingen 2011 demnach im Schnitt 652 Euro für den Werkstattbesuch drauf. Dafür bekommt man immerhin eine Woche Urlaub auf Mallorca im Viersternehotel im Juni. Allein der Gedanke an "Malle" erfreut, der ans Auto betäubt.

Was waren das für den Geldbeutel noch glorreiche Zeiten vor 17 Jahren, als ich einen Citroën AX besaß. Auch wenn der die eine oder andere Macke mehr hatte - das Problem war zumeist schnell behoben. Und günstig war es obendrein. Ein guter Freund, gelernter Kfz-Mechaniker, war stets zur Stelle. Auf privater Basis natürlich, schließlich hatte ich ihm als Gegenleistung bei seinem Umzug geholfen. Da waren zum Beispiel die kaum noch wirksamen Bremsbeläge. Sie kennen dieses Quiiiiiiiietsch-Geräusch? Das "Ja" auf meine Anfrage, die mehr Hilferuf als Bitte war, kam wie aus der Pistole geschossen. Gesagt, getan. Teile besorgt, ab in die Selbsthilfewerkstatt - und fertig war die Kiste.

Und heute? Na gut, der Freund ist noch Freund. Das eint uns. Genauso wie die grauen Haare an der Schläfe. Aber das Auto? Das ist bei mir ein anderes. "Nee, da kann ich dann nicht mehr helfen", formulierte er die Absage. Nicht wegen familiärer Verpflichtungen. Nein, bei modernen Autos ist er mit seinem Kfz-Latein schnell am Ende. Wie viele andere, die in der Vergangenheit erfolgreich an diversen Modellen herumgedoktert haben. Das schulden wir dem Fortschritt. Immer mehr Elektronik im Fahrzeug, immer weniger Betätigungsmöglichkeiten für Hobbybastler.

Den Reparatur-Laien trifft es noch viel schlimmer. Das Prüfen des Ölstands ist schon das höchste aller Gefühle. Nicht nur bei größeren Schäden ist die Fahrt in die Werkstatt mittlerweile unvermeidbar. Oder doch nicht? Mein Freund, der mit der Ausbildung bei BMW, hat sich mittlerweile eine elf Jahre alte Mittelklasselimousine zugelegt. Top gepflegt ist die auch noch. Bei dem Wagen könne er noch selbst Hand anlegen, sagt er. Wissen Sie, wo der Mann Urlaub macht? Auf Mallorca, eine Woche im Viersternehotel im Juni.