Sicherheit

Unfallstatistiken zeigen: Mit 17 reif für den Führerschein

Verkehrsexperten haben ermittelt, dass das Unfallrisiko für junge Leute durch das begleitete Fahren um 23 Prozent sinkt.

Hamburg. Manch neue Idee ist so gut und doch so einfach, dass man sich fragen kann, warum nicht eher jemand darauf kam. Das begleitete Fahren etwa: Weil Führerscheinneulinge überdurchschnittlich oft mit viel Tempo und wenig Erfahrung im Auto verunglücken, entstand die Idee, die Fahrausbildung und -vorbereitung zu überdenken. Das Ergebnis: Seit einigen Jahren dürfen bereits 17-Jährige ans Steuer, wenn ein erfahrener Erwachsener sie begleitet. Allerdings wurde das Vorhaben zunächst von vielen Seiten kritisiert.

Doch mittlerweile ist klar, dass es in Sachen Fahranfänger eine der besten Ideen überhaupt ist. Allein in Hamburg haben im vergangenen Jahr 3592 junge Leute einen entsprechenden Antrag bei den Behörden gestellt. Tendenz: steigend. Begonnen hat das Thema "Begleitetes Fahren mit 17" - kurz BF 17 genannt - im Jahr 2005 mit einem Gesetzentwurf im Bundestag. Ein Jahr später startete Niedersachsen als erstes Bundesland einen Modellversuch. Bis zum Jahr 2008 zogen alle anderen Bundesländer nach.

Nun liegen erste Ergebnisse einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach vor. Dort haben die Experten anhand von Unfallstatistiken inzwischen ermittelt, dass das frühzeitige Fahren der begleiteten 17-Jährigen später das Unfallrisiko der jungen Leute um rund 23 Prozent im Vergleich zu "normalen" Fahranfängern senkt. Ähnlich deutlich sinkt außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass schwere Verkehrsverstöße begangen werden.

Das Prinzip hinter BF 17: Kurz vor Vollendung des 17. Lebensjahres können die theoretische und auch die praktische Prüfung abgeschlossen werden. "Die Fahrausbildung und Fahrprüfung unterscheidet sich nicht von dem herkömmlichen Verfahren", sagt Peter Glowalla vom Fahrlehrerverband. Allerdings gibt es nach dem Bestehen keinen "echten" Führerschein, sondern erst einmal nur eine Bescheinigung. Mit dieser dürfen 17-Jährige auf dem Fahrersitz Platz nehmen und ein Auto fahren - aber nicht einfach so: Begleitendes Fahren heißt, dass auf dem Beifahrersitz eine zweite Person sitzen muss, die ein paar Grundvoraussetzungen zu erfüllen hat: Sie muss eine gültige Pkw-Fahrerlaubnis haben, mindestens 30 Jahre alt sein und darf nicht mehr als drei Punkte auf dem Flensburger Konto haben.

"Ich bin ein Freund des begleiteten Fahrens mit 17, die Anfänger werden damit peu à peu an die Verantwortung herangeführt", sagt Hermann Schenck, Verkehrsexperte der Sachverständigenorganisation GTÜ. Und sie lernen die verschiedensten Verkehrssituationen kennen. Wer etwa eine herkömmliche Fahrausbildung im Frühjahr oder Sommer absolviert, hat im nächsten Winter trotzdem keine Erfahrung darin, das Auto bei Eis und Schnee zu steuern. Die begleiteten Anfänger dagegen können das in ihrem ersten Jahr lernen - mit Unterstützung vom Beifahrersitz.

Erfahrungen zeigen aber auch, dass die Möglichkeit bisher noch nicht quer durch die Gesellschaft genutzt wird. Meist handelt es sich um Jugendliche aus "heilem" Zuhause, das sie ohnehin in verschiedener Form unterstützt. "Bei den Begleitern handelt es sich zu 90 Prozent um Väter und Mütter", bestätigt Glowalla. Selten übernehmen Freunde der Familie die Aufgabe. Vorteile haben die gemeinsamen Touren oft auch für ältere Führerscheinbesitzer: Sie bekommen von den jungen Fahrern schon mal Nachhilfe im spritsparenden Fahren.

Auch die Versicherungen beschäftigen sich inzwischen mit den Absolventen des begleiteten Fahrens. Da sie ein geringeres Risiko darstellen als normale Anfänger, wird über spezielle Einstiegstarife nachgedacht. Bei der Allianz etwa ist der Absolvent in der Kfz-Versicherung der Eltern kostenlos mitversichert, wenn er oder sie das Elternmobil nutzt. Beim Kauf eines eigenen Autos lässt sich die dabei erfahrene schadensfreie Zeit übertragen.

Zwar ist die augenblickliche Regelung bis Ende des Jahres befristet. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat aber bereits angekündigt, das Ländermodell "Führerschein mit 17" zum Regelfall zu machen. Der CSU-Politiker: "Das begleitete Fahren mit 17 ist ein großer Erfolg. Es bringt mehr Verkehrssicherheit für junge Fahrer. Und davon profitieren alle Autofahrer."