VW Touareg

Vorstadt-Offroader zügelt seinen Durst

Foto: VW

Der Neue ist 200 Kilogramm leichter und im Verbrauch besser als sein Vorgänger. Das liegt nicht nur an Hybridantrieb und Start-Stopp-Automatik - auch die Normalversionen gehen mit ihrem Kraftstoff weniger verschwenderisch um.

Wolfsburg. Na also, es geht doch: Nachdem die Kritiker jahrelang auf den großen Geländewagen herumgehackt und sie als Spritschlucker oder Klimakiller gegeißelt haben, setzt VW jetzt zu einem radikalen Kurswechsel an. Wenn im April die zweite Generation des Touareg an den Start geht, macht sich das Dickschiff deshalb buchstäblich dünne: Es speckt nicht nur gute 200 Kilogramm ab, sondern wird mit neuen Motoren, dem ersten Hybridantrieb im Konzern und einer serienmäßigen Achtgang-Automatik auch um bis zu 20 Prozent sparsamer. Und besser aussehen tut der Geländegänger natürlich obendrein.

Dabei geht die Schrumpfkur nicht zulasten von Form und Format. Im Gegenteil: Bei einer unveränderten Breite von 1,93 Metern hat VW den Touareg in Länge und Radstand sogar noch einmal um vier Zentimeter gestreckt. Mit 4,80 Metern Gesamtlänge und 2,90 Metern zwischen den Achsen ist er jetzt fast so groß wie ein Phaeton und bietet deshalb vor allem im Fond mehr Platz. Zudem kann man künftig die Rückbank um 16 Zentimeter verschieben und so einen individuellen Kompromiss zwischen Kniefreiheit und Kofferraum (bis zu 1642 Liter) finden.

Gespart haben die Entwickler nur bei der Höhe. Sie sinkt um zwei Zentimeter und macht den Touareg mit jetzt 1,71 Metern zum niedrigsten Geländewagen im Segment; nur sein ebenfalls für Frühjahr avisierter Zwilling Porsche Cayenne wird sich noch weiter auf den Asphalt ducken. Mit diesem Kunstgriff erreichen die Niedersachsen nicht nur sichtbar sportlichere Proportionen, die auch von weiter ausgestellten Radhäusern und der stark konturierten Motorhaube gestützt werden. Zusammen mit der deutlich geglätteten Front im neuen Familiendesign drücken sie so auch den cw-Wert und legen damit den Grundstein für die Verbrauchsreduzierung.

Einen weiteren Beitrag dazu leisten vor allem die vier eingesparten Zentner Fahrzeuggewicht, die erstmals in einem Geländewagen serienmäßig eingesetzte Achtgang-Automatik und natürlich die neuen oder zumindest gründlich überarbeiteten Motoren. Aushängeschild ist hier der erste Hybridantrieb aus Wolfsburg. Dafür kombinieren die Ingenieure den 333 PS starken Kompressor-V6 von Audi mit einem 47 PS starken E-Motor, der den Wagen bis Tempo 50 sogar über mehrere Kilometer alleine bewegen kann. Weil es zudem eine Start-Stopp-Automatik gibt, Bremsenergie zurück gewonnen wird und der Hybrid-Touareg selbst auf der Autobahn oft ganz ohne Motor segelt, sinken der Verbrauch auf 8,2 Liter und der CO2-Ausstoß auf 193 g/km. Dass der Spaß dabei nicht auf der Strecke bleibt, garantieren zusammen bis zu 380 PS und ein kombiniertes Drehmoment von 580 Nm, mit dem der Touareg binnen 6,5 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und immerhin 240 km/h erreicht.

Daneben bleibt es beim bekannten V6-Direkteinspritzer mit 3,6 Litern Hubraum, der unverändert auf 280 PS und 360 Nm kommt. Allerdings sinkt sein Verbrauch um eindrucksvolle 2,5 auf 9,9 Liter. Auch ein alter Bekannter ist der drei Liter große V6-Diesel mit 240 PS und 550 Nm, dessen Trinksitten ebenfalls spürbar gemäßigt wurden: Statt 9,3 verbraucht er jetzt nur noch 7,4 Liter. Weil VW den V10-Diesel ebenso wie den W12-Benziner auf dem Altar der Vernunft opfert, übernimmt ein neuer V8-Diesel die Rolle des Leistungsträgers unter den Verbrennern. Entlehnt aus dem Audi A8, kommt der 4,2-Liter im Touareg auf 340 PS und bärige 800 Nm, bleibt aber mit einem Verbrauch von 9,1 Litern ebenfalls unterhalb der zweistelligen Schmerzgrenze.

Während die Luftfederung serienmäßig an Bord bleibt, haben die Niedersachsen bei der Geländeausstattung gespart: Mit Blick auf den Verbrauch wurde der serienmäßige Allradantrieb (4Motion) ein wenig abgespeckt und weitgehend auf elektronische Regelsysteme umgestellt. Wer aber wirklich nach dem Abenteuer strebt, bekommt für einige Motorvarianten auf Wunsch auch weiterhin ein mechanisches Verteilergetriebe mit Untersetzungsstufe. Es heißt 4XMotion.

Keine Abstriche gibt es dagegen beim Ambiente und Ausstattung. Im Gegenteil: Mit dem Generationswechsel steigt der Geländegänger vollends zum Luxusliner auf und entführt seine Insassen in eine noble Lounge aus Lack und Leder, die dank des größten Glasdachs im Segment auch an trüben Tagen ein lichtes Raumgefühl verspricht. Dazu gibt es ein ergonomisch perfektioniertes Cockpit mit serienmäßigem Touchscreen und neuen Instrumenten, ein Heer elektrischer Helfer bis hin zur automatischen Parkbremse und der selbstständig aufschwingenden Kofferraumklappe sowie eine lange Liste von Assistenzsystemen. Dazu zählen neben den Sensoren für Spurführung und Spurwechsel auch adaptive Scheinwerfer, eine Kameraüberwachung mit einem Blickfeld von 360 Grad und ein Abstandstempomat, der im Notfall eine Vollbremsung einleitet. Schließlich wäre eine zerknautschte Schnauze nicht nur schlecht für die Optik, sondern auch für den cw-Wert - und mit ihm für den Verbrauch.