Erste Tests mit der neuen Luxuslimousine A8

Audi: Auf dem schweren Weg an die Spitze

Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora / Abdruck fuer Pressezwecke honora/AUDI AG

Die Neuauflage des Topmodells ist sparsamer und dennoch sportlicher denn je. 5,14 Meter Länge sind ebenfalls Rekord im automobilen Oberhaus.

Malaga. Sie haben zwar ambitionierte Pläne und wähnen sich auf dem Weg zum erfolgreichsten Premium-Hersteller der Welt. Doch ausgerechnet in der Oberklasse fährt Audi bislang noch hinterher. Denn auch wenn sich die Luxuslimousinen aus Ingolstadt von Generation zu Generation näher an Mercedes S-Klasse und den Siebener von BMW herangeschoben haben, konnte der A8 zumindest bei den Stückzahlen nicht zur Konkurrenz aufschließen. Im dritten Anlauf wollen die Bayern das jetzt endlich ändern und planen deshalb den Sturm aufs Oberhaus.

"Dieses Auto verkörpert alles, was Audi kann und was Audi ausmacht", sagt Vorstandschef Rupert Stadler mit Blick auf Technologie, Eleganz und Effizienz des Luxusliners. Kein anderes Auto in dieser Klasse sei so sportlich, keines so effizient und keines so modern: Besser könne man den Markenslogan "Vorsprung durch Technik" nicht demonstrieren.

Zwar nehmen die Bayern den Mund ziemlich voll. Doch ist ihnen mit dem neuen A8 auch ein großer Wurf gelungen. Die Limousine ist sparsamer und trotzdem sportlicher denn je, sie bietet mehr Luxus und Komfort, steckt voller neuer Technik. Und sie ist spürbar gewachsen: Ein Radstand von 2,99 Metern und eine Länge von 5,14 Metern machen den A8 schon ohne die geplante Langversion zum längsten Mobil im Oberhaus. Einzig das Design gilt vielen Kritikern als austauschbar - zumindest bei Tag. Nachts dagegen ist der A8 dank der erstmals in der Großserie eingesetzten Voll-LED-Scheinwerfer und seiner markanten Rückleuchten auf Anhieb von jedem anderen Modell zu unterscheiden.

Dass sich der Wagen trotz seines feudalen Formats so sportlich um die Kurven zirkeln lässt, verdankt er dem Audi "Drive Select": Auf Knopfdruck kann man damit die Härte der serienmäßigen Luftfederung variieren, die Schaltpunkte der neuen Achtstufen-Automatik verschieben, das Drehzahlniveau anheben und die optionale Dynamiklenkung modifizieren. Eben noch gediegener Gleiter für die Langstreckenfahrt auf der linken Spur, wird der A8 damit beinahe zum Sportwagen, der zumindest ein paar seiner Zentner abschüttelt und plötzlich beinahe leichtfüßig über die Landstraße eilt.

In Fahrt bringen ihn dabei zunächst zwei V8-Motoren, die man beide vom Vorgänger kennt. Allerdings wurden sowohl der 4,2 FSI als auch der 4,2 TDI zum Generationswechsel überarbeitet und bieten nun mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Der Benziner startet bei 83 900 Euro und lockt mit 372 PS. Damit hat er keinerlei Mühe mit dem selbst gewählten Limit von 250 km/h und ist doch vorbildlich sauber. Schließlich geht der Normverbrauch trotz 22 PS Mehrleistung um 1,4 auf 9,5 Liter zurück. Noch imposanter allerdings fährt der Diesel, der mit 90 800 Euro in der Liste steht. Er kommt nun auf 350 PS und bietet eindrucksvolle 800 Newtonmeter Drehmoment. Sein Verbrauch geht sogar um 1,8 auf 7,6 Liter zurück und macht ihn mit 199 g/km zum einzigen V8-Diesel dieser Liga, der unter der 200-Gramm-Marke bleibt.

Der ganze Stolz der Sparer jedoch ist der neue V6-TDI, der kurz nach der Markteinführung kommt und den Preis auf zunächst 72 200 Euro drückt. Es bleibt bei drei Litern Hubraum, doch klettert seine Leistung auf 250 PS. Weil Audi den Motor mit einer Start-Stopp-Automatik kombiniert und auch sonst alle Sparschrauben gedreht hat, sinkt der Verbrauch um 1,9 auf 6,6 Liter - und stempelt so die Konkurrenz zu Säufern. Aber es geht noch sparsamer: Später im Jahr gibt es als ersten Fronttriebler der Familie noch eine auf 204 PS reduzierte Version des TDI-Motors, mit der nicht nur der Preis unter 70 000 Euro sinken dürfte, sondern vor allem der Verbrauch in den Keller geht: 6,0 Liter und 159 g/km schafft sonst keiner.

Obwohl der sportliche Fahreindruck ganz oben im Forderungskatalog stand, ist der A8 behaglich und feudal wie die Suite eines Fünf-Sterne-Hotels. Man schwelgt in einem noblen Ambiente aus Wurzelholz, poliertem Aluminium und Klavierlack, genießt die fürstlichen Platzverhältnisse der gestreckten Karosserie, thront auf bequemen Ledersesseln und nutzt eine futuristische Infotainment-Welt, die den A8 zum rollenden Hotspot mit integriertem WLAN-Zugang und live in die Navigation eingespielten Google-Fotos macht.

Daneben setzt Audi vor allem auf die geballte Intelligenz neuer Assistenzsysteme. So bekommt der A8 nicht nur Kameras und Sensoren, die Verkehrsschilder und nächtens auch Fußgänger erkennen oder vor einem Auffahrunfall eine Notbremsung einleiten können. Mit Hilfe des Navigationssystems werden die adaptiven Scheinwerfer schon auf die entsprechende Verkehrssituation eingestellt, noch bevor man eine Kurve oder Kreuzung erreicht.

Auch der neue A8 ist wieder aus Aluminium gefertigt. Damit kaschieren die Bayern im Konkurrenzvergleich nicht nur den serienmäßigen Allradantrieb, sondern auch das Längenwachstum ihres Luxusliners. Obwohl das größte Auto im Segment, wiegt der A8 rund 100 Kilo weniger als Siebener und S-Klasse - wenngleich man bei mindestens 1,8 Tonnen kaum von Leichtbau reden kann.