Lampenwechsel - oft ein Fall für die Werkstatt

Ärgernis: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Bei vielen Autos kann man die kleinen Birnen nicht mehr selbst austauschen. Aber neue Gesetze versprechen jetzt Hilfe.

Hamburg. Es ist dunkel, regnerisch und nebelig: Ein typischer Märztag. Klaus Hansen befindet sich auf dem Heimweg, als er bemerkt, daß sein rechtes Abblendlicht defekt ist. Gemäß Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung (StVO) müssen vorgeschriebene Beleuchtungseinrichtungen an Fahrzeugen betriebsbereit sein. Ist das nicht der Fall, wird ein Bußgeld von zehn Euro fällig. Der 42jährige weiß das. Darum entschließt er sich, die ausgefallene Glühlampe sofort zu wechseln. Doch der Scheinwerfer ist für ihn unerreichbar. Ein zu enger Schacht versperrt ihm den Zugriff. Dem Hamburger bleibt nichts anderes übrig, als einen Fachmann um Hilfe zu bitten.

So wie Klaus Hansen geht es vielen Autofahrern. "Bei neueren Fahrzeugen ist der Lampenwechsel für Laien kaum noch möglich", sagt Christian Schäfer, Technikexperte beim ADAC Hansa. "Was früher innerhalb von zehn Minuten erledigt war, kann heute je nach Fahrzeugmodell bis zu einer Stunde dauern." Dieser Aufwand ist nötig, weil erst umliegende Bauteile entfernt werden müssen. Um an die Beleuchtung zu gelangen, ist beispielsweise beim Fiat Stilo vorab Verkleidung und Batterie, beim Ford Fiesta Kühlergrill und Scheinwerfer und beim Smart City Coupe und Cabrio gar die komplette Frontverkleidung zu demontieren.

Für ADAC-Sprecher Jochen Oesterle ist das ein alarmierender Zustand. "Der Wechsel sollte simpel und für jeden möglich sein", sagt er. "Bei Dunkelheit oder schlechtem Wetter können Fahrzeuge mit defekter Beleuchtung vom Gegenverkehr oder von Fußgängern übersehen werden und dadurch gefährliche Unfälle verursachen." Eine "blinde" Leuchte überlaste außerdem den noch intakten Scheinwerfer, der so nach kurzer Zeit ebenfalls ausfallen könne. Für den ADAC ist daher unumgänglich: Die Hersteller müssen zur Verantwortung gezogen werden.

Auch in Brüssel hat man das Problem erkannt. Für die Möglichkeit, Kleinstreparaturen mit Bordmitteln und anhand der Bedienungsanleitung durchführen zu können, setzt sich auch die Europäische Union ein. "Die Ergänzung 07 der Richtlinie ECE 48 verpflichtet Hersteller, die Scheinwerfertechnik ihrer Neuentwicklungen so zu konstruieren, daß die Lampen ohne Spezialwerkzeug korrekt auswechselbar sind", erklärt Wolfgang Schneider, Referent bei der EU-Kommission. Die Regelung gilt ab August 2006.

Aber auch ohne zwingende Vorschrift haben manche Hersteller bereits auf den Unmut der Kunden reagiert. Mit gutem Beispiel voran geht VW. Ihre Lichttechnik haben die Wolfsburger unabhängig von der Richtlinie optimiert - zumindest für einzelne Modelle. "Bei der Neuentwicklung des VW Golf haben wir den Glühlampenwechsel modifiziert," erklärt Konzernsprecher Christian Haake. Während das Golf IV-Licht nur in der Werkstatt repariert werden konnte, schaffen das beim Golf V auch Ungelernte in nur 60 Sekunden. Einfach Kunststoffdeckel abziehen, Lampe rausdrehen, neue einsetzen und fertig.

Eine positive Entwicklung, der bisher noch zu wenige folgen. Autobesitzern, deren Beleuchtung erst nach zeitaufwendigen Ausbaumaßnahmen oder gar nicht demontiert werden kann, bleibt nur der Werkstattbesuch. Das ist ärgerlich, denn es kostet Zeit und Geld. "Um die 50 Euro werden für eine solche Dienstleistung fällig", schätzt ADAC-Sprecher Jochen Oesterle. Aber auch hier zeigen sich manche Händler einsichtig. Denn: Mit etwas Glück kann man diese Dienstleistung auch geschenkt bekommen. "Kein Problem, das kostet nichts," sagt zum Beispiel ein Kundendienstberater der Raffay GmbH & Co. KG auf die Bitte, eine Glühlampe im Golf IV zu tauschen.

Um einen Werkstatt-Besuch kommen manchmal sogar jene nicht herum, deren Beleuchtung mit Bordwerkzeug repariert werden kann. "Nach dem Ein- und Ausbau der Lampen müssen die Scheinwerfer geprüft, korrigiert und notfalls neu eingestellt werden," so ADAC-Techniker Christian Schäfer. "Sind diese verstellt, können sie den Gegenverkehr blenden." Zudem empfiehlt der ADAC-Experte: "Autobesitzer sollten den Tausch für den Ernstfall vorher schon mal trocken üben." Das erspare viel Zeit und Nerven. "Auch eine Box mit Ersatzlampen und passendem Werkzeug darf nicht fehlen."

Für geplagte Autofahrer gibt es aber noch einen weiteren Grund zur Hoffnung: In einigen Jahren werden langlebige Dioden die Glühbirne komplett abgelöst haben. Schon jetzt verfügen Oberklassefahrzeuge über LED-Scheinwerfer. "Bald wird diese Technik auch in den übrigen Fahrzeugklassen verwendet", prognostiziert Christian Schäfer. "LED-Scheinwerfer halten ein Autoleben lang. Selbst bei einem Defekt wird dann kein Einzelteil mehr getauscht, sondern der komplette Scheinwerfer." Dafür allerdings müssen die meisten dann wohl doch wieder in die Werkstatt fahren.