Drogenfalle Mohnbrötchen

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Studie: Wer Gebäck mit den Samen der Opiumpflanze isst, riskiert positive Befunde beim Betäubungsmittel-Test. Es macht aber weder süchtig noch "high".

Hamburg. Ganz so harmlos wie die runden Mohnbrötchen aussehen, sind sie nicht. Wer jeden Tag eines zum Frühstück isst und dann in eine Drogenkontrolle gerät, kann sein blaues Wunder erleben. Er wird zwar nicht high und verhält sich auch nicht auffällig, aber der Morphingehalt im Urin - und sogar im Blut - kann erhöht sein. Das wurde im Rechtsmedizinischen Institut der Universität Hamburg herausgefunden. Dort ging man der Frage nach: Kann der regelmäßige Verzehr von Mohnbrötchen - das heißt eines am Tag - zu positiven Opiat-Befunden in Urin, Blut und Haaren führen? Frühere Studien brachten negative Ergebnisse. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Es war der private Auftrag einer jungen Hamburgerin und eines jungen Beamten, der die Rechtsmediziner veranlasste, erneut nachzuforschen, ob es nicht doch zu Einlagerungen von Morphin nach dem regelmäßigen Verzehr von Mohnbrötchen kommt und, falls ja, ob sich die Substanzen von Mohnsamen und von Heroin voneinander unterscheiden.

Das Ergebnis ist nicht nur für Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer, sondern auch für Jobsuchende brisant. "Anders als bei früheren Studien berichten die neueren Arbeiten von zum Teil sehr hohen Morphin-Konzentrationen in den Mohnsamen", schreiben die Rechtsmediziner Dr. Hilke Andresen und Prof. Dr. Achim Schmoldt in der Fachzeitschrift "Blutalkohol". Und weiter: "Die Ergebnisse zeigen, dass es zu positiven Opiat-Nachweisen im Urin auch nach dem Verzehr geringer Mengen Mohnsamen kommen kann." Die Resultate führen sie einerseits auf die heutzutage verfeinerten Testmethoden zurück, andererseits auf Erntezeit und geographische Herkunft des Mohnsamens, vor allem jedoch auf veränderte Erntemethoden in den Anbau-Ländern. Geerntet wird der Samen, indem er entweder aus den reifen Kapseln herausgeschüttelt wird oder - wenn die Mohnkapseln nicht mehr benötigt werden - durch "Quetschen" der Kapseln in einer Maschine. Dabei kommt der Milchsaft der Kapseln mit dem Samen in Berührung und erhöht deren Morphingehalt erheblich. Dies kann vermieden werden, indem der Mohnsamen gründlich gewaschen wird - doch darauf wird beim Mohn zum Backen häufig verzichtet.

Bei den Testpersonen, die selbst gebackenen Mohnkuchen aßen, wurden die Wissenschaftler ebenfalls schnell fündig. Spätestens zwei Stunden nach dem Verzehr und längstens zwei Tage danach konnten bei allen Testpersonen im Urin zum Teil sehr erhöhte Morphinkonzentrationen festgestellt werden. Nach fünf Tagen waren aber alle Personen wieder "sauber". In geringeren Mengen wurde Morphin sogar im Blut gefunden. Die Autoren rechnen damit, dass "in Deutschland vermehrt mit dem Auftreten solcher Befunde gerechnet werden muss." Bei den Haaren war das Ergebnis dagegen stets negativ. Die Wissenschaftler beruhigen: Da das Morphin der Mohnsamen nur sehr langsam ins Blut gelangt, wird ein "Rauscheffekt nach Mohngebäck ebenso wenig zu erwarten sein" wie der Bäckermohn, der momentan auf dem Markt ist, "ganz sicher nicht als Ersatzdroge verwendet werden wird". Man gewöhnt sich auch nicht an den Mohn oder wird gar abhängig, selbst wenn man die schwarzen Körnchen auf Brötchen oder Kuchen regelmäßig vertilgt. Den einzigen Nebeneffekt, den die Rechtsmediziner feststellten - und auch nur bei den weiblichen Probanten -, "war ein Völlegefühl bis hin zur Übelkeit". Woher das kam, konnten sie nicht klären.

Sehr viel problematischer dürfte sein, dass bei den Einlagerungen im Körper keine Unterscheidungsmerkmale zwischen dem Konsum von Mohnsamen einerseits und Heroin andererseits gefunden wurde. Deshalb der dringende Rat von Dr. Andresen und Prof. Schmoldt: Autofahrer oder abstinente Drogenkonsumenten, die vor einer Fahreignungsprüfung oder einer Drogen-Überprüfung stehen, sollten unbedingt vor dem Genuss von Mohnbrötchen und Mohnkuchen gewarnt werden. Und: Im Zweifelsfall unbedingt eine Haaranalyse durchführen lassen.