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Tagesgeld: Was die Leitzins-Erhöhung für Sparer bedeutet

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Nicolas Heronymus
Leitzins, Sollzins, Habenzins: Das sind Zinsen

Leitzins, Sollzins, Habenzins- Das sind Zinsen

Zinsen einfach erklärt.

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Bringt Tagesgeld bald wieder Zinsen? Die EZB erhöht nach elf Jahren wieder die Leitzinsen. Wie Verbraucher am besten davon profitieren.

Berlin. Sparer haben in den vergangenen Jahren einiges aushalten müssen, doch seit kurzem steigen die Zinsen wieder. Ein Grund: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Anfang Juni angekündigt, die Leitzinsen zu erhöhen.

Am Donnerstag hat sie die Maßnahme nun beschlossen. Mit 0,5 Prozentpunkten steigen die Zinsen sogar stärker als zuvor geplant. Banken müssen also – wie früher – wieder Zinsen dafür zahlen, sich von der EZB Geld zu leihen. Für Verbraucher werden deshalb Kredite teurer, Sparen aber auch etwas attraktiver.

Aktuell ist die Inflation mit rund 8 Prozent so hoch, dass auch Zinsen von 1,7 Prozent auf dreijähriges Festgeld wenig helfen: Das Geld verliert trotzdem an Kaufkraft. Allerdings wird die Inflation aller Voraussicht nach mittelfristig wieder sinken: Hohe Energiepreise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine sowie Warenknappheit durch pandemiebedingte Lieferengpässe haben die Preissteigerungen maßgeblich beeinflusst – und beides dürfte kein Dauerzustand sein.

Der Geldratgeber Finanztip rät Verbrauchern daher, ihre Anlage in sichere Formen wie Tages- und Festgeld bewusst zu planen.

Tagesgeld oder Festgeld: Das Sparziel ist entscheidend

Zur Grundausstattung bei den eigenen Finanzen gehört in jedem Fall ein Tagesgeldkonto mit möglichst guten Bedingungen. Finanztip rät, immer einen Notgroschen für ungeplante Ausgaben auf der Seite zu haben, etwa wenn mal die Waschmaschine kaputtgeht oder das Auto. Ideal sind zwei bis drei Nettogehälter als Rücklage. Das Geld lässt sich jederzeit abheben.

Festgeld eignet sich fürs längerfristige Sparen. Der wesentliche Unterschied zwischen Fest- und Tagesgeld ist, dass es auf Festgeld höhere Zinsen gibt. Die Banken zahlen etwas mehr, weil sie das Geld länger verlässlich einplanen können, um es zum Beispiel für Kredite zu nutzen.

Das hat für Sparer den Nachteil, dass sie während der Laufzeit nicht ans Geld herankommen – egal was passiert. Bevor Sparer also ihr Geld jahrelang fest anlegen, sollten sie sich klarmachen, wann sie das Geld brauchen. Ist vielleicht in drei Jahren ein neues Auto fällig? Oder eine Fernreise mit der Familie geplant?

Übrigens: Für die langfristige Geldanlage über zehn Jahre oder mehr eignen sich auch weltweite Aktien-Indexfonds (ETFs), etwa auf den MSCI World. Es lohnt sich, einen Teil des Geldes darin anzulegen, um höhere Renditechancen zu haben. So lassen sich auch die Verluste durch Inflation eher ausgleichen.

Zusatz zum Tagesgeld: Mehr rausholen mit Festgeld

Wenn die Zinsen weiter steigen, können Sparer für einen Teil ihres Geldes mehr rausholen, indem sie es mit unterschiedlichen Laufzeiten anlegen. Mit Festgeld geht das wunderbar, da die Laufzeiten von sechs Monaten bis drei Jahren frei wählbar sind.

Es gibt sogar Festgelder über fünf oder zehn Jahre, die empfiehlt Finanztip allerdings nicht, weil die Zinsen zu niedrig sind – dafür, dass das Geld so lange nicht verfügbar ist. Besser ist, kürzere Festgelder abzuschließen und diese dann gegebenenfalls zu verlängern.

Flexibel bleiben – mit Zinstreppe

Besonders flexibel bleibt, wer dabei eine Zinstreppe anlegt. Das funktioniert so: Angenommen, ein Sparer will 9000 Euro sicher anlegen. Dann teilt er die Summe in drei gleiche Teile à 3000 Euro. Das erste Drittel wird für ein Jahr angelegt, das zweite für zwei Jahre und das dritte für drei Jahre. Je länger die Laufzeit ist, desto höher sind tendenziell die Zinsen.

Mit diesem kleinen Trick wird nun jedes Jahr ein Drittel der Summe frei – und man kann sie wieder für drei Jahre anlegen. Mit so einer Festgeldtreppe bekommen Sparer also die höheren Zinsen für eine Drei-Jahres-Zinsbindung – und trotzdem ist jedes Jahr ein Drittel der Summe verfügbar. Natürlich können Sparer auch einen Teil des Geldes anders anlegen, etwa in Aktien umschichten. Oder ausgeben.

Das Modell hat außerdem den Reiz, dass Sparer jedes Jahr für ein Drittel des Geldes den jeweils aktuellen Zins vereinbaren können. Angesichts der hohen Inflation und der Niedrigzinsphase, aus der wir kommen, ist es wahrscheinlich, dass die Zinsen in den kommenden Jahren weiter steigen werden.

Videografik: So sorgt die EZB für Preisstabilität
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Wo es gute Festgeldangebote gibt

Finanztip hat auf seiner Webseite immer die aktuell besten Festgeld-Angebote aufgelistet, die die strengen Sicherheitskriterien des Geldratgebers erfüllen. Finanztip empfiehlt nur Angebote von Banken aus wirtschaftsstarken Staaten des europäischen Wirtschaftsraums, die seit mindestens zwei Jahren am Markt aktiv sind. Denn sollte eine Bank pleitegehen, sind bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt – von der gesetzlichen Einlagensicherung, für die notfalls der jeweilige Staat einspringt.

Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Der Geld-Ratgeber für Verbraucher ist Teil der Finanztip-Stiftung.

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