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Corona: PIMS-Syndrom kann gefährlich für Kinder werden

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Lauterbach: Kinder mit Mutante genauso ansteckend wie Erwachsene

Lauterbach: Kinder mit Mutante genauso ansteckend wie Erwachsene

Kinder sind laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach so ansteckend wie Erwachsene, wenn sie mit der britischen Coronavirus-Mutante infiziert sind.

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Zur Liste mit Corona-Spätfolgen zählt auch das PIMS-Syndrom. Die Übersicht zeigt, wie gefährlich die Krankheit ist und wen sie befällt.

Berlin. 
  • Die Corona-Zahlen steigen wieder deutlich - vor allem die britische Variante B.1.1.7. verbreitet sich schnell
  • In Deutschland sind bisher 245 Kinder und Jugendliche am neuartigen PIMS-Syndrom erkrankt
  • Was PIMS ist und wie gefährlich die Krankheit für Kinder werden kann, lesen Sie hier

Nach einem Jahr Pandemie hat sich die Annahme bestätigt, dass Kinder seltener schwer an Covid-19 erkranken als ältere Menschen. Die Infektion mit dem Coronavirus kann aber ebenso für Kinder schwere Folgen haben. Je höher die Fallzahlen sind, desto mehr junge Covid-Patientinnen und -Patienten erkranken an PIMS, dem sogenannten Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome.

Die Symptome: hohes Fieber, Hautausschläge, starke Magen-Darm-Probleme und andere Entzündungssymptome. Mit diesen Beschwerden wurden vor allem in Großbritannien viele Kinder in die Kliniken eingeliefert.

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Laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DPGI) gibt es seit Ende April 2020 aus vielen von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern Berichte von Kindern mit schweren inflammatorischen Krankheitsbildern. Zwar sei bisher kein Nachweis erbracht, dass diese direkt mit einer Corona-Infektion zusammenhängen. Allerdings sei der zeitliche Zusammenhang, die lokale Verteilung und oft auch ein positiver Virusnachweis von SARS-CoV-2 bei den Kinder auffällig.

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Corona-Langzeitfolgen bei Kindern auch ohne symptomatische Erkankung

Anfangs war PIMS den Medizinerinnen und Medizinern noch ein Rätsel. Die neuartige Entzündungskrankheit ist dem sogenannten Kawasaki-Syndrom sehr ähnlich - es gibt allerdings Unterschiede: So ist die Mehrzahl der PIMS-Patienten laut der Informationsseite der DPGI zwischen sieben und zehn Jahre alt. Das Kawasaki-Syndrom trifft im Gegensatz dazu vor allem Säuglinge und Vorschulkinder.

Mittlerweile ist PIMS als ein separates, neuartiges postvirales Syndrom anerkannt. Um den Überblick darüber zu behalten, wie viele Kinder an PIMS erkranken, führt die DGPI ein Melderegister - demnach sind in Deutschland bisher 245 PIMS-Fälle bei Kindern und Jugendliche bekannt.

PIMS nach Corona: Kinder müssen intensivmedizinisch behandelt werden

Durch die Krankheit kann das Herz angegriffen und die Blutgerinnung gestört werden. Die Beschwerden treten typischerweise zwei bis vier Wochen nach eine Corona-Infektion auf, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. Kinder, die PIMS entwickeln, müssen oft intensivmedizinisch behandelt werden.

Laut DPGI kommen 58 Prozent aller PIMS-Patienten auf die Intensivstation. Zwar sei in Deutschland noch kein Kind gestorben, allerdings gebe es hierzulande auch lebensbedrohliche Verläufe. Der Essener Intensivmediziner Christian Dohna-Schwake berichtet dem "Spiegel" etwa von einem sechsjährigen Jungen, dessen Erkrankung so schwer gewesen sei, dass er für fünf Tage ins künstliche Koma versetzt werden musste.

Beunruhigende Nachrichten kommen auch aus den Vereinigten Staaten: Dort zählt die US-Seuchenbehörde CDC bereits 33 Todesfälle an oder mit PIMS.

Minderheiten sind besonders stark betroffen

Besonders häufig sind in Großbritannien dem "Guardian" zufolge schwarze, asiatische oder einer anderen ethnischen Minderheit zugehörige Kinder betroffen, sie machen drei Viertel der Diagnosen mit dem Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome aus.

Fast 80 Prozent der an PIMS leidenden Kinder waren vor dem Entzündungssyndrom gesund, wie eine unveröffentlichte Bestandsaufnahme der Fälle laut "Guardian" zeigt. Zwei Drittel der Fälle betrafen Jungen. Jeder Vierte entwickelte ein Herzleiden.

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Hohe Corona-Infektionszahlen führen zu häufigeren PIMS-Diagnosen

Doch wieso häufen sich die PIMS-Fälle in Großbritannien und mittlerweile auch in Deutschland? Die Antwort ist einfach: Die Infektionszahlen sind dort weiterhin sehr hoch. Eine weite Verbreitung des Coronavirus führt schlussendlich auch dazu, dass mehr Patienten mit Post-Covid-Erkrankungen wie PIMS oder "Long Covid" zu kämpfen haben.

Nach der eigentlichen Erkrankung verschwindet PIMS bei vielen Patienten allerdings nicht vollständig. Knapp die Hälfte von ihnen muss mit Restsymptomen oder Folgeschäden rechnen, die meistens das Herz-Kreislauf-System betreffen, wie aus dem Register der DGPI hervorgeht. In der Breite bleibt PIMS aber selten – und damit nur ein weiterer Grund, weshalb eine Infektion mit dem Coronavirus vermieden werden sollte. (bml/te)

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