Pandemie

Studie: Wie wurde der Club X in Berlin Corona-Drehscheibe?

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Kai Wiedermann
Das Clubleben steht seit Monaten still, um die Coronapandemie einzudämmen. Wohl zu recht, wie die Ergebnisse einer Studie aus Berlin zeigen.

Das Clubleben steht seit Monaten still, um die Coronapandemie einzudämmen. Wohl zu recht, wie die Ergebnisse einer Studie aus Berlin zeigen.

Foto: Jens Büttner / dpa

Drei Abende, 74 Infektionen: Eine Studie analysiert Clubabende in Berlin. Eine Gruppe von Menschen war beim Feiern besonders gefährdet.

Berlin.  Während Deutschland über die erneute Verlängerung des Teil-Lockdowns bis zum 10. Januar diskutiert, hat die Wissenschaft einen weiteren Beweis dafür vorgelegt, dass von Nachtclubs eine große Infektionsgefahr in der Corona-Pandemie ausgeht. Untersucht wurden drei Veranstaltungen im Club X in Berlin von Anfang März. Sie entwickelten sich zu einem Superspreading-Ereignis mit 74 Infizierten.

„Dieser Ausbruch zeigt das Potenzial für Superspreader-Events und bestätigt die aktuellen Clubschließungen“, heißt es in der noch nicht begutachteten Studie, die im Fachjournal „Emerging Infectious Diseases“ veröffentlicht ist. Daran beteiligt waren das Robert-Koch-Institut, die Berliner Charité und die örtlichen Gesundheitsbehörden in Berlin.

Superspreading-Event in Berliner Club – Infizierte im Schnitt 30 Jahre alt

Nach Angaben der Wissenschaftler aus dem Team von Virologe Christian Drosten nahmen etwa 650 Menschen in der Zeit vom 29. Februar bis 5. März an den Veranstaltungen teil. 16 Mitarbeiter des Clubs waren im Einsatz. In Kooperation mit den Gesundheitsbehörden wurden 74 gemeldete Fälle mit dem Ausbruch in Verbindung gebracht. Das Durchschnittsalter der Infizierten betrug 30 Jahre.

Die Fälle waren gleichmäßig nach Geschlecht verteilt. Die Inkubationszeit betrug den Angaben zufolge im Mittel vier Tage. Gäste, die an Veranstaltung eins teilgenommen hatten, waren besonders betroffen, das Personal hatte das höchste Infektionsrisiko.

Sequenzierte Viren waren genetisch verwandt

Einer der Infizierten hatte den Forschern in einem Interview erzählt, dass er schon einen Tag vor der ersten Veranstaltung Symptome einer Covid-19-Erkrankung hatte. „Hier könnte eine potenzielle Ursache für den Ausbruch sein“, heißt es in der Studie. Und: „Die große Anzahl von Fällen aus Veranstaltung eins, die relativ niedrige mittlere Inkubationszeit und die enge genetische Verwandtschaft der sequenzierten Viren bestätigen die Theorie der Übertragung von einer einzelnen Person und das Potenzial für Superspreading in einem Nachtclub, wenn keine Schutzmaßnahmen angewendet werden.“ Lesen Sie auch: Corona-Studien: An diesen Tagen sind Infizierte ansteckend

Für die Forscher verdeutlicht der Ausbruch in dem Berliner Club die potenzielle Rolle der Mitarbeiter bei der Übertragung. „Da ein Mitarbeiter bei Veranstaltung eins infiziert gewesen zu sein scheint und dann bei Veranstaltung drei mit Symptomen gearbeitet hat, könnte die fortgesetzte Übertragung von Viren durch Mitarbeiter verursacht worden sein“, schreiben die Wissenschaftler.

Eine Empfehlung für die Zukunft

Für die Zukunft leiten die Studienautoren aus ihren Erkenntnissen eine Empfehlung ab: Sollten die coronabedingten Einschränkungen des Nachtlebens irgendwann zurückgefahren werden, „sollte der Infektionsschutz insbesondere auf Mitarbeiter in Nachtclubs und Bars ausgerichtet sein“.

Die Analyse aus Berlin fügt sich nahtlos ein in eine Reihe ähnlicher Studien aus anderen Ländern wie Südkorea oder China (Hongkong). Auch dort hatte sich Sars-CoV-2 bei Clubabenden nachweislich stark verbreitet.