Finanzen

In Geldnot wegen Corona? Hier könnte es Hilfe geben

Zweite Corona-Welle: Diese Einschränkungen kommen jetzt

Die zweite Corona-Infektionswelle ist da - und bringt strengere Einschränkungen des Alltagslebens mit sich. Bund und Länder haben sich auf Kontaktbeschränkungen für Corona-Schwerpunktgebiete verständigt, die überregional vergleichbar sein sollen.

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Corona-Krise und kein Ende: Die Miete drückt, Kurzarbeit reißt Löcher in die Kasse – sechs Tipps in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Berlin. Die zweite Welle ist da. Überall in Europa schießt die Zahl der Corona-Infizierten in die Höhe – auch in Deutschland. Im Berchtesgadener Land, im tiefen Süden also, wurde bereits ein Lockdown verhängt: Raus dürfen die Bürgerinnen und Bürger dort nur noch mit triftigem Grund. Schulen, viele Geschäfte, Kitas – alles geschlossen.

Ähnliche Ausgangssperren sind in den kommenden Wochen überall im Land möglich. Immer mehr Verantwortliche halten einen zweiten Lockdown für denkbar. Denn alle bisherigen Bemühungen zur Senkung der Infektionszahlen haben nicht gefruchtet.

Ein zweiter Lockdown dürfte die Wirtschaft einmal mehr hart treffen. Und damit auch Geschäftsleute, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wer in Handel, Gastronomie oder Tourismus arbeitet, würde es – spätestens jetzt – besonders schwer haben. Dabei waren Künstler, Messebauer und viele andere Freiberufler noch gar nicht richtig heraus aus den Geld-Problemen.

Sechs Tipps für Verbraucherinnen und Verbraucher, die jetzt finanziell in Not geraten oder schon geraten sind.

1. Kurzarbeit? So gibt’s mehr Geld

Viele beziehen immer noch Kurzarbeitergeld. Im Juli waren es laut der aktuellsten Zahl der Bundesagentur für Arbeit mehr als 4,2 Millionen. Die Zahlen sind zuletzt gesunken, bei einem neuen Lockdown aber dürften sie wieder ansteigen. Der Staat zahlt beim Kurzarbeitergeld mindestens 60 Prozent der Differenz zwischen dem letzten Nettolohn und dem aktuellen reduzierten Lohn. Der Satz steigt mit der Zeit an: Ab dem vierten Monat gibt es 70 Prozent, ab dem siebten 80 Prozent.

Kurzarbeiter sollten prüfen, ob sie nach jeweils drei Monaten den höheren Satz bekommen. Aber: Die Zahlungen sind gedeckelt, mehr als 6900 Euro Monatseinkommen werden nicht berücksichtigt. Ein Tipp für Verheiratete: Der Partner, der in Kurzarbeit ist, sollte die günstigere Steuerklasse wählen. Dann gibt es mehr Geld ausgezahlt. Das funktioniert auch noch, wenn man schon in Kurzarbeit ist – allerdings nicht rückwirkend. Eltern haben Anspruch auf jeweils sieben Prozentpunkte mehr Kurzarbeitergeld. Das gibt es aber nur, wenn die Kinder auch auf der Steuerkarte des Betroffenen eingetragen sind.

2. Wohngeld: Die Miete stemmen

Es gibt nicht mehr die Möglichkeit, die Miete stunden zu lassen wie noch zu Beginn der Coronakrise. Wen die Miete drückt, der sollte unbedingt prüfen, ob er einen Anspruch auf Wohngeld hat. Zuständig für das Wohngeld sind die Wohngeldbehörden der Gemeinde-, Stadt- oder Kreisverwaltung.

Wohngeld ist keine Sozialhilfe; an die Zahlungen sind daher keine Auflagen geknüpft. Und auch wer in seinen eigenen vier Wänden lebt, kann unter Umständen Wohngeld kriegen – das heißt „Lastenzuschuss“. Vermögen wird dabei nicht sofort angerechnet: Singles können 60.000 Euro Vermögen haben und volles Wohngeld beziehen. Pro Familienmitglied erhöht sich der Freibetrag um weitere 30.000 Euro.

3. Selbstständig: Hier gibt es Hilfe

Egal ob in der Gastronomie oder in der Kulturbranche: Viele Selbstständige stecken derzeit in großen Pro­blemen. Um durch die Pandemie zu kommen, können einige von ihnen Überbrückungshilfen beantragen. Die Bedingungen sind allerdings streng – und der Antrag kann nur noch mit einem Steuerberater, mit einem Wirtschaftsprüfer oder Anwalt gestellt werden. Die Kosten dafür kriegen Selbstständige zum Teil mit den Hilfen zurückerstattet. Das Bundeswirtschaftsministerium hat eine Überbrückungshilfe-Hotline geschaltet: 030/52685087. Die Bundessteuerberaterkammer informiert im Internet ausführlich, welche Hilfen geleistet werden können.

4. Sozialhilfe: Antrag ohne Druck

Reicht es hinten und vorne nicht mehr, können Betroffene bis Ende des Jahres die Corona-Grundsicherung beantragen, das ist praktisch wie Hartz IV (oder offiziell: Arbeitslosengeld II). Aber die Bedingungen wurden wegen Corona für sechs Monate Bezug erleichtert: Insbesondere gibt es jetzt einen größeren Freibetrag fürs verwertbare Vermögen, der sich an den Regeln für Wohngeld orientiert (siehe Punkt 2). Und die Größe der Wohnung wird auch nicht infrage gestellt.

5. Studierende erhalten Kredit

Die Corona-Nothilfe für Studierende ist ausgelaufen. Die zinslosen Studienkredite der KfW aber laufen noch bis zum 31. März 2021. Dabei bekommen Studenten über mehrere Semester monatlich eine feste Rate zwischen 100 und 650 Euro überwiesen, auf die nach März dann wieder Zinsen anfallen. Die Bank verrechnet die Zinskosten mit dem Auszahlungsbetrag.

Die KfW vergibt ihren Studienkredit für fast alle Arten des Studiums: Erststudium, Zweitstudium, Zusatz- oder Aufbaustudium, Masterstudium. Auch eine Promotion lässt sich auf diese Weise finanzieren. Ausgenommen sind lediglich Studiengänge an Berufsakademien und Studiengänge, die vollständig im Ausland absolviert werden.

Die Förderung ist unabhängig vom eigenen Einkommen oder dem der Eltern. Der Antragsteller muss mindestens 18 Jahre alt sein, das Höchstalter ist 44 Jahre. Weitere Voraussetzungen sind zum Beispiel, dass der Student an einer deutschen Hochschule eingeschrieben ist und EU-Bürger ist. Mit einem Vorab-Check auf der Website der KfW kann man prüfen, ob man alle Voraussetzungen erfüllt.

6. Auto-Pendler: Wenig gefahren? Geld zurück

Wer wegen Corona mehr im Homeoffice arbeitet, muss weniger ins Büro pendeln. Autofahrer sollten deshalb einmal ihren Tachostand überprüfen. Wer deutlich weniger gefahren ist als üblich, hat nun die Chance, einen Teil der Beiträge zur Autoversicherung erstattet zu bekommen. Denn deren Kosten sind nach Fahrleistung gestaffelt. Ein Beispiel: 10.000 Kilometer kosten im Schnitt 13 Prozent mehr als 5.000 Kilometer pro Jahr. Finanztip hat bei den Versicherern nachgefragt, einige gewähren nun rückwirkend Rabatte, andere von dem Moment an, wo man sich meldet. Den Nachlass gibt es meist aber nur auf Anfrage. Also schnell handeln!

• Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Der Geld-Ratgeber für Verbraucher ist Teil der Finanztip-Stiftung.