Testbericht

Datenschutz-Test: So sicher sind WhatsApp, Telegram und Co.

Was Sie über den Messenger WhatsApp wissen sollten

Weit über eine Milliarde Menschen nutzen den Dienst WhatsApp. Was der Messenger alles kann, wo er mehr kann und wer sein härtester Konkurrent ist, verrät dieses Video.

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Sicherheitsexperten haben die fünf beliebtesten Messenger untersucht. WhatsApp ist nicht der beste. Der Testsieger ist wenig bekannt.

Berlin. In den vergangenen Monaten der sozialen Distanz waren Videotelefonie, soziale Netzwerke und vor allem Chat-Apps die Werkzeuge für den Zusammenhalt. Oma und Enkel blieben in Kontakt, Eltern und Kinder, Paare in einer Fernbeziehung.

Laut einer Umfrage der Marktforschungsfirma Kantar erlebten besonders die beiden Platzhirsche WhatsApp und Facebook Messenger in letzter Zeit einen gewaltigen Ansturm und wurden von Nutzern rund 40 Prozent häufiger benutzt. Der Facebook Messenger kommt auf einen Marktanteil von 47 Prozent. WhatsApp, das auch zu Facebook gehört, sogar auf 97 Prozent. Allerdings sind die am häufigsten genutzten Messenger nicht immer die besten, sichersten oder diskretesten, wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht.

Datensammler und Datenjäger

Im Auftrag von IMTEST nahmen unabhängige IT-Sicherheitsexperten von AV-Test die fünf beliebtesten Messenger genau unter die Lupe und analysierten vor allem, wie datenhungrig und sicher die Kandidaten sind. Im Labor von AV-Test zeigten sich Facebook Messenger und WhatsApp besonders interessiert an persönlichen Daten auf dem Smartphone: Neben nachvollziehbaren Funktionen wie dem Zugriff auf Kontakte, sammeln sie weit mehr als zum Betrieb wirklich notwendig.

Facebook Messenger etwa hat das Auswertungsprogramm „Google Analytics“ integriert, mit dem der Social-Media-Gigant Nutzer- und Verhaltensdaten sammelt und auswertet. Diese Informationen werden auch an Werbetreibende weitergeleitet. Die drei anderen Messenger – Signal, Telegram und Threema – sind weniger sammelfreudig und erstellen keine detaillierten Verhaltensprofile.

Schutz vor fremden Blicken

Messenger-Apps, die nebenbei das Verhalten des Nutzers am Smartphone analysieren, sind nicht gerade sympathisch, aber nicht automatisch gefährlich. Wirklich brenzlig wird es, wenn die Nachrichten nicht vor fremden Blicken geschützt sind. Hier gibt es Entwarnung. Für alle Kandidaten gilt: Nur wer das Smartphone in der Hand hat und entsperren kann, bekommt auch Zugriff auf die Kontaktdaten und Nachrichten. Zudem werden Nachrichten bei Signal, Threema und WhatsApp standardmäßig vor dem Versand in Zahlencodes verwandelt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt. Bei Facebook Messenger und Telegram ist diese Verschlüsselung standardmäßig deaktiviert. Erst die Funktion „geheime Chats“ aktiviert sie.

Kinderleichte Bedienung

Gute Nachricht für Neueinsteiger und Wechsler: In Sachen Bedienung sind sich Chatprogramme sehr ähnlich. Die größte Hürde bei einem Umstieg ist also nicht die Umgewöhnung bei der Bedienung, sondern die Überzeugungsarbeit, die bei Freunden geleistet werden muss, damit die ebenfalls wechseln. Davon abgesehen hat jeder der Testkandidaten Stärken und Schwächen, Vor- und Nachteile:

Facebook Messenger

Wer bei Facebook schon registriert ist und ein Profil hat, kann direkt mit dem hauseigenen Messenger loslegen. Die Bedienung ist einfach, nur in Sachen Privatsphäreschutz hapert es mächtig: Nachrichten werden standardmäßig unverschlüsselt verschickt, Nutzungsdaten zu Werbezwecken sehr großzügig erhoben, ausgewertet und weitergegeben.

WhatsApp

Die Nummer eins unter den Chat-Apps kommt auch von Facebook: Die Bedienung von WhatsApp ist einfach, intuitiv und gilt als Vorreiter für alle anderen. Zudem ist WhatsApp dank der aktiven Ende-zu-Ende-Verschlüsselung etwas sicherer. Der Pluspunkt wird durch die von Facebook vererbte Datensammlung wieder zunichtegemacht: WhatsApp sammelt ebenso wie der Messenger sehr fleißig Nutzerdaten und wertet diese aus.

Signal

Kurz gesagt: Signal ist WhatsApp ohne die Datensammelwut von Facebook. Der Messenger wird von einer gemeinnützigen Organisation entwickelt. Daten werden hier nicht zu Werbezwecken gespeichert und bleiben vollkommen anonym – was auch in den Labortests bestätigt wurde.

Telegram

Ebenso sicher ist Telegram Messenger. Vom Rest hebt sich Telegram durch die Gruppengröße ab: Bis zu 200.000 Nutzer können in einer Gruppe sein. Zudem können Dateien mit einer Größe von bis zu 2 GB verschickt werden.

Threema

Der einzige kostenpflichtige Messenger im Test (3,99 Euro) schneidet in Sachen Datenschutz hervorragend ab, die Datensammlung beschränkt sich auf das Nötigste und die Registrierung funktioniert ohne Handynummer oder E-Mail-Adresse.

Datenschutz bei WhatsApp, Facebook Messenger und Co. – das Fazit

In Sachen Bedienung zeigen die Messenger kaum Unterschiede. Die finden sich in den Bereichen Sicherheit und Privatsphäre. Facebook Messenger und WhatsApp bieten den geringsten Privatsphäreschutz. Threema und Telegram sind weniger sammelwütig. Die beste Kombination aus Sicherheit, Einfachheit und Preis bietet Signal.

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