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Auch bei Corona: So versichern sie Kinder gegen Invalidität

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300 Euro zahlt der Staat Familien für jedes kindergeldpflichtige Kind. Doch der Bonus muss versteuert werden. Eltern erzählen, was sie davon halten und wie sie das Geld einsetzen.

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Sie wollen ihr Kind gegen Langzeitschäden absichern? Eine Unfallversicherung greift nur ganz selten. Diese Police ist die bessere Wahl.

Berlin. Wegen der Corona-Gefahr schicken Eltern ihre Kinder nur mit großer Sorge in die Schule oder Kita. Was viele nicht wissen: Es gibt eine Versicherung, die den Nachwuchs gegen Risiken von Erkrankungen mit schlimmen Spätschäden finanziell absichert: die Kinder-Invaliditätsversicherung (KIV).

„Eine solche Versicherung ist sinnvoll, um das Kind für den Fall einer Erkrankung, die zur Invalidität führt, abzusichern“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Covid-19 ist nicht der einzige Grund das Kind zu versichern

Ihr Rat: „Mögliche Gefahren für das Kind durch Covid-19 sollten nicht der einzige Grund sein, diese Versicherung abzuschließen, weil es ja noch viele andere Krankheiten gibt, aber die aktuelle Corona-Gefahr ist sicherlich ein guter Grund mehr.“

Die Verbraucherschützerin gibt zu bedenken: „Wie schwer Kinder durch Covid-19 erkranken und ob es zu Spätschäden kommt, ist derzeit noch nicht bekannt. Sollten aber Dauerschäden verbleiben, die eindeutig auf Covid-19 zurückzuführen sind, wären sie durch eine KIV abgedeckt.“

Beim Abschluss eines Tarifs sollten Eltern darauf achten, dass Spätfolgen einer Infektion in den Versicherungsbedingungen nicht ausgeklammert seien.

Kinder-Invaliditätsversicherung: Wann greift sie?

Für die ärztliche Behandlung bei Covid-19 kommt die normale Krankenversicherung auf. Die KIV bietet einen Zusatzschutz. Sie zahlt bei Invalidität oder Schwerbehinderung nicht nur infolge eines Unfalls, sondern auch, „wenn eine Erkrankung zu dauernden Beeinträchtigungen der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit oder seelischen Gesundheit des Kindes führt“, erläutert die Verbraucherzentrale.

Krankheits- oder Unfallschutz?

Statistisch sind Unfälle nur in rund 0,5 Prozent aller Fälle Ursache einer schweren Behinderung. Meist liegen Erkrankungen zugrunde. Laut Stiftung Warentest haben aber etwa 40 Prozent der Eltern nur eine private Unfallversicherung für ihr Kind – viel weniger besitzen eine KIV.

„Es ist auf jeden Fall ratsam, lieber eine KIV als eine Unfallversicherung für das Kind abzuschließen, auch wenn sie teurer ist. Eine KIV schützt viel umfassender gegen Risiken“, sagt Versicherungsexpertin Weidenbach.

Erkrankt ein Kind so schwer, dass es schwerbehindert bleibt, stehen ihm öffentliche Hilfen zu – auch wenn die Eltern keine Kinder-Invaliditätsversicherung (KIV) haben. Eine private Kinder-Unfallversicherung, die preisgünstiger ist als eine KIV, leistet nur, wenn das Kind durch einen Unfall einen bleibenden körperlichen Schaden erlitten hat.

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Invalidität beim Kind: Was zahlt der Versicherer?

Das betroffene Kind erhält in der Regel eine lebenslange Rente. Der Bund der Versicherten (BdV) empfiehlt, eine Rentenhöhe zu vereinbaren, „die spürbar oberhalb der Sozialleistungen liegt, also mindestens 1000 Euro monatlich“.

Angeboten werden die Policen als eigenständiger Schutz oder als Zusatzmodul zu einer Kinder-Unfallversicherung. Neben der Rente bieten einige Tarife auch eine einmalige Kapitalzahlung. Am preisgünstigsten sind Versicherer, die nur einmalig leisten oder nur bei bestimmten Krankheiten.

Was kostet die Kinder-Invaliditätsversicherung?

Laut einer Studie der Stiftung Warentest, die vor Ausbruch der Pandemie abgeschlossen wurde, liegen die Jahresbeiträge für die sechs „sehr gut“ oder „gut“ bewerteten Tarife zwischen 107 und 421 Euro bei einer Monatsrente von 1000 Euro oder einer Einmalzahlung von 100.000 Euro.

Fünf weitere Tarife, mit Preisen zwischen rund 100 und 330 Euro im Jahr, erhielten die Note Befriedigend (Heft Finanztest, 4/2020). Die Stiftung Warentest empfiehlt, sich unverändert nach dem Qualitätsurteil der Untersuchung zu richten. „Ob Pandemien in den Vertrag eingeschlossen sind oder nicht, halte ich für weniger relevant“, sagt Teamleiterin Susanne Meunier.

Ist Covid-19 mitversichert?

Ob Kinder Dauerschäden infolge einer Infektion erleiden können, ist noch nicht bekannt. „Nur wenige Kinder haben derzeit schwere Erkrankungsbilder“, sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Sein Rat: „Ich kenne in den Verträgen keine Klausel, nach der ein Versicherer die Leistung bei eventuellen Spätfolgen durch Covid-19 verweigern könnte. Dennoch würde ich vor einem Abschluss nachfragen und mir die Mitversicherung von Covid-19 schriftlich bestätigen lassen.“

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Wann sollte ich das Kind gegen Invalidität versichern?

Die Stiftung Warentest rät zu einem möglichst frühzeitigen Abschluss – „solange sich keine Entwicklungsstörungen beim Kind zeigen und es keinen Verdacht auf eine Krankheit gibt“. Je nach Anbieter könne der Vertrag bereits ab der sechsten Lebenswoche oder erst nach dem ersten Lebensjahr vereinbart werden.

„Für Familien mit Kindern ist die Absicherung durch eine KIV so existenziell wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Erwachsene“, sagt Verbraucherschützer Grieble. Kann das Kind wegen einer Invalidität später keinen Beruf ausüben, sichere die Versicherung sein Einkommen der nächsten Jahrzehnte „zumindest teilweise“.

Die Verbraucherzentrale NRW hält es für möglich, dass Versicherer künftig auch nach Covid-19-Vorerkrankungen fragen werden. „Im Bereich Lebensversicherungen beobachten wir das bereits. Daher empfehle ich, eine KIV lieber schnell, aber nicht übereilt abzuschließen. Sonst könnte es sein, dass ein Versicherer bei einer Covid-19-Vorerkrankung des Kindes den Vertrag verweigert oder Spätfolgen der Erkrankung ausschließt“, sagt Expertin Elke Weidenbach.

Wie hoch sollte die Grundsumme sein?

„Wichtig ist, dass die Grundsumme der Invaliditätsleistung bei mindestens 200.000 Euro liegt“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Sinnvoll sei zudem die Vereinbarung einer Progression von 225 bis 350 Prozent, „um die Leistung bei erhöhter Invalidität zu steigern“. Eine Invaliditätsrente sollte mindestens 1000 Euro umfassen.

Wie reagiere ich bei Gesundheitsfragen?

Fragt der Anbieter nach Vorerkrankungen des Kindes, sollte vollständig und wahrheitsgemäß geantwortet werden. „Ansonsten kann der Versicherer die Leistung später verweigern“, so Stiftung Warentest.

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