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Coronavirus: So wird man Testperson für den Impfstoff

Videografik: So wirken Impfungen

Das Tübinger Biotechunternehmen CureVac hat in Deutschland die Genehmigung für eine klinische Studie mit einem potenziellen Corona-Impfstoff erhalten. Die Videografik zeigt, wie Impfstoffe funktionieren.

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Erste Studien für den Corona-Impfstoff laufen in Deutschland an. Kann jeder Testperson für den Impfstoff werden? Alle Infos zum Thema.

Berlin. Die Suche nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 läuft weiter. Weltweit arbeiten Forschende an seiner Entwicklung. Manche Studien sind bereits in den fortgeschrittenen Phasen und werden an den Probandinnen und Probanden getestet. Kann man sich auch in Deutschland als Testperson für den Covid-19-Impfstoff zur Verfügung stellen?

Tatsächlich sind auch hierzulande Projekte und klinische Studien für die Impfstoffsuche angelaufen: Die erste Phase einer Studie der Firmen BioNTech/Pfizer hat hierzulande bereits am 23. April begonnen. Auch die Firma CureVac testet seit kurzem einen möglichen Impfstoff an freiwilligen Studienteilnehmern und -teilnehmerinnen.

Doch wie wird man Testperson für einen solchen Corona-Impfstoff? Wir haben alle wichtigen Fragen und Antworten zusammengefasst.

Wer arbeitet aktuell an einem Impfstoff?

In einer ständig aktualisierten Auflistung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befinden sich derzeit 141 Projekte (Stand 24. Juni), die an einem Impfstoff arbeiten. Davon sind 16 bereits in der klinischen Testphase und werden an Freiwilligen erprobt. Mit CureVac und BioNTech sind auch zwei Entwickler aus Deutschland bereits in der Testphase für einen möglichen Impfstoff angelangt. Und es sollen bald mehr werden.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) zählt acht Forschungsprojekte in Deutschland, die an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 arbeiten. Zudem gibt es laut VFA weitere deutsche Unternehmen oder Forschungsinstitute, die an der Impfstoffentwicklung unterstützend mitwirken oder dies angeboten haben.

Wie kann man Impfstoff-Tester werden?

Wer an der klinischen Prüfung eines möglichen Covid-19-Impfstoffs teilnehmen möchte, muss sich dafür direkt bei den Entwickelnden melden. Das rät das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das die Anträge auf die klinische Prüfung in Deutschland mitprüft und -genehmigt.

Eines der Impfstoff-Projekte, das kurz vor seinen ersten klinischen Tests steht, ist eine Zusammenarbeit des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), der Universität Marburg und der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Die ersten klinischen Tests sollen ab September am UKE unter Leitung von Marylyn Addo durchgeführt werden – mit rund 200 freiwilligen Probanden und Probandinnen.

So läuft die Suche nach dem Corona-Impfstoff
CureVac und Co.- So läuft die Suche nach dem Corona-Impfstoff

Auf der Webseite des UKE werden dafür Personen ab 18 Jahren gesucht, die an der Studie teilnehmen möchten. Freiwillige sollen sich unter der dort angegebenen E-Mail-Adresse melden und auf eine Rückmeldung vom Studienteam warten.

Auch für das Impfstoff-Projekt von CureVac und dem Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie am Universitätsklinikum Tübingen (UKT) gibt es weiterhin einen Online-Aufruf für freiwillige Studienteilnehmende. So suchte das UKT für den Studienauftakt nach gesunden Personen zwischen 18 und 60 Jahren aus Tübingen und Umgebung. Voraussichtlich im Spätsommer soll die neue Testphase mit erweiterten Altersgrenzen starten, heißt es in einer Pressemitteilung. Seit dem 18. Juni werden die ersten von rund 100 Freiwilligen getestet.

Wie wird der Corona-Impfstoff an Menschen getestet?

Die Entwicklung für einen Covid-19-Impfstoff ist einer Erklärung des VFA zufolge in sieben Teile gegliedert, von denen einige parallel ablaufen. Das Testverfahren mit freiwilligen Probanden und Probandinnen macht dabei nur einen Teil des Entwicklungsverfahrens aus, ist aber wiederum in drei Phasen geteilt. In diesen Phasen wird der Impfstoff immer größeren Freiwilligen-Gruppen verabreicht. Darin werden zum Beispiel Verträglichkeit, Dosierung, Immunantwort und letztendlich die Zuverlässigkeit des Schutzes erprobt.

Bekommen Testpersonen für den Corona-Impfstoff Geld?

Ob es eine finanzielle Entschädigung für die Teilnahme an einer klinischen Studie gibt und wie hoch diese ist, hängt vom Projekt ab. Wichtig ist auch, mit welchem Aufwand die Studienteilnahme verbunden ist und wie lange die Studie dauert. In jedem Fall muss das Geld bei der Steueranmeldung angegeben werden.

Im Aufruf für die klinische Studie am UKE wird keine Entschädigung angegeben. Das UKT schreibt dagegen im Aufruf für die erste Phase, für die bis zu zwei Impftermine und bis zu zehn Kontrolltermine im Zeitraum von 13 Monaten gäbe es bis zu 1300 Euro Entschädigung. Geld sollte allerdings nicht die Motivation für eine Teilnahme an einer klinischen Studie sein: Denn es gibt auch ernstzunehmende Risiken.

Ist es gefährlich, Impfstoff-Tester zu werden?

Die Durchführung von klinischen Studien ist unter anderem durch das Arzneimittelgesetz streng reglementiert, Teilnehmern und Teilnehmerinnen steht eine intensive ärztliche Überwachung und Betreuung zur Verfügung. Zudem wird eine Probandenversicherung erstellt.

Auch die Verbraucherzentrale rät nicht pauschal von der Teilnahme an klinischen Studien ab. Dennoch können die Behandlungen auch Risiken vorweisen, heißt es dort: Auf keinen Fall sollten Patienten und Patientinnen an mehreren Studien gleichzeitig teilnehmen, das gesundheitliche Risiko wäre dabei sehr hoch. Zudem können die Verfahren schädlich sein oder bisher nicht bekannte Gefahren mit sich bringen. Und auch die enge ärztliche Überwachung könne für einige Personen belastbar oder einschränkend sein.

Über alle möglichen Risiken müssen die behandelnden Ärzte und Ärztinnen die Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen allerdings ohnehin aufklären. Wichtige Informationen erhalten Patienten und Patientinnen außerdem schriftlich. „Bei der Anwendung von Impfstoffen am Menschen gilt es, Risiken soweit wie möglich zu vermeiden – bei gleichzeitig optimierter Bearbeitung“, schreibt das PEI in einer Pressemitteilung zum Entwicklungsverfahren bei Covid-19-Impfstoffen.

Bis der Impfstoff für die gesamte Bevölkerung verfügbar ist, dürfte noch etwas Zeit vergehen – auch, weil die Testverfahren so gründlich sind.

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(reb)