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Noise-Cancelling-Kopfhörer: Fünf Modelle im Vergleichs-Test

Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung sind besonders praktisch auf Reisen und im Büro: Sie mindern störende Nebengeräusche im Zug, im Flugzeug oder am Schreibtisch neben Kollegen.

Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung sind besonders praktisch auf Reisen und im Büro: Sie mindern störende Nebengeräusche im Zug, im Flugzeug oder am Schreibtisch neben Kollegen.

Foto: istock / iStock

Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung sind praktisch im Zug oder Flugzeug. Welcher Hersteller liegt vorne? Fünf Modelle im Vergleich.

Berlin. Die Urlaubszeit ist in greifbarer Nähe: Ein idealer Zeitpunkt, sich Gedanken über einen neuen Kopfhörer zu machen. Schließlich kann ein Modell mit Geräuschunterdrückung, genannt „Noise Cancelling“, darüber entscheiden, ob die gemeinsame Autofahrt an die Ostsee in einem Familienstreit endet oder nicht.

Denn mit einem Kopfhörer, der die Ohren umschließt, kann jeder im Auto hören was er möchte – oder eben nicht. Auch Flugzeuglärm wird leiser. IMTEST, das Testmagazin der FUNKE Mediengruppe, hat deshalb fünf Modelle von 40 bis 400 Euro getestet.

Geräusch-Unterdrückung: So funktioniert Active Noise Cancelling

Unter aktiver Geräuschunterdrückung (im Englischen ANC für Active Noise Cancellation) versteht man eine Technologie, die es erlaubt, unerwünschte Nebengeräusche herauszufiltern. Das kann etwa das typische Rumpeln während einer Zugfahrt sein, das permanente Rauschen im Flugzeug oder das Gemurmel der Kollegen im Büro.

Dazu wird, mit in dem Kopfhörer verbauten Mikrofonen, der vorhandene Schall gemessen und mit einem künstlich erzeugten, exakt umgekehrten Schall für das menschliche Ohr einfach unhörbar gemacht. Das Ergebnis ist vor allem beim Bose- und JBL-Kopfhörer verblüffend. Im Test simulierte Bahn-und Flugzeuggeräusche werden einfach ausgeschaltet und gegen eine himmlische Ruhe ersetzt.

Auch die Microsoft- und Teufel-Kopfhörer machen ihre Sache sehr ordentlich. Der Kopfhörer von AmazonBasics ist das einzige Modell im Test ohne aktive Geräuschunterdrückung, er kostet aber auch nur 43 Euro. Durch die großen und dick gepolsterten Ohrmuscheln umschließt er das Ohr optimal und kann so bauartbedingt auch einen Großteil der Geräusche abhalten.

Drücken, drehen, streichen: Die Bedienung der Kopfhörer variiert

Die Bedienung bei Kopfhörern ist seit jeher ein echter Knackpunkt. Die Musik starten und pausieren, ein Lied vor oder zurück springen oder die Geräuschunterdrückung kurz abschalten, weil der Schaffner vorbeikommt. Das alles natürlich ohne die Kopfhörer abzusetzen und ohne das verbundene Smartphone zu Hilfe zu nehmen.

Fast alle Modelle im Testfeld verfügen deshalb über Bedienelemente, die meist unterhalb der Ohrmuscheln angebracht sind und mit den Daumen erreicht und betätigt werden können. Genau das ist auch die Herausforderung. Denn bei drei Schaltern auf der einen und einem weiteren Schalter auf der anderen Ohrmuschel muss das quasi „blind“ erfolgen.

Die Frage, welcher Knopf noch mal zu welcher Funktion gehört, kommt daher häufiger auf. Kopfhörer wie der JBL Club One haben die Laut- und Leisetasten sogar doppelt belegt.

Kopfhörer mit Sprachsteuerung: Nicht immer praktisch

Deshalb setzen Hersteller wie Teufel beim Real Blue NC auf berührungsempfindliche Sensoren auf den Ohrmuscheln: Nach oben oder unten streichen, dreht die Musik lauter oder leiser. Nach links oder rechts wischen, und man springt ein Lied vor oder zurück. In der Mitte tippen, heißt abspielen und pausieren. Leider sind auch diese Sensoren im Test nicht immer zielgenau zu erwischen.

Die mit Abstand beste Bedienung haben die Microsoft Surface Headphones 2. Die Ohrmuscheln sind einfach drehbar. Links kann die Geräuschunterdrückung stufenlos angepasst werden, rechts die Lautstärke. Für das Pausieren genügt ein leichter Druck auf die rechte Ohrmuschel. Einfacher geht es nicht.

Die Bose NC Headphones 700 und der JBL Club One haben zudem noch Amazon Alexa und den Google Assistenten zur Sprachsteuerung eingebaut. Praktisch ist das beim Sport oder zu Hause – im Zug oder Flieger ist es für die anderen Passagiere aber eher nervig.

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Das Klangwunder kommt von JBL

Der klanglich beste Kopfhörer im Testfeld ist der JBL Club One, den sich vor allem Nutzer anhören sollten, die viel und gerne Musik hören. Die zugehörige App erlaubt zudem eine feine Anpassung von Höhen, Tiefen oder dem Bass.

Direkt dahinter liegen die Bose NC Headphones 700, mit einem sehr klaren, dynamischen Klangbild. Beim Klang ist der Teufel Real Blue NC noch einen Tick vor den Microsoft Kopfhörern, die in der Standardeinstellung zu dumpf klingen, aber genau wie der JBL individuell verbessert werden können. Der Amazon-Kopfhörer bleibt im Klang neutral und verzichtet auf zu viel Bass und Höhen.

Ausdauer und Tragekomfort der Kopfhörer überwiegend gut

Transatlantik-Flüge sind mit allen Testkandidaten möglich, die Akkulaufzeit lag zwischen mageren 16 Stunden beim Bose bis zu 23 Stunden beim JBL Club One. Schaltet man die Geräuschunterdrückung aus, kommt der JBL sogar auf 45 Stunden – ein Bestwert. Auch der Teufel ist hier mit 30 Stunden im guten Bereich. Etwas enttäuschend sind die 20 Stunden Akkulaufzeit beim Microsoft-Modell.

Drücken tut keiner der getesteten Kopfhörer. Dennoch gibt es Unterschiede beim Tragekomfort. Der Bose wiegt nur 260 Gramm, ist aber an den Ohrmuscheln und vor allem am Bügel für eine lange Nutzung zu dünn gepolstert. Der JBL wiegt sogar 382 Gramm, ist aber so weich gepolstert, dass das Mehr-Gewicht nicht stört. Bei der Materialqualität können vor allem die Microsoft-Kopfhörer punkten. Auch nach Stunden der Nutzung gab es keine heißen Ohren.

Fazit: Bose und JBL liegen im Test der ANC-Kopfhörer vorn

Den besten Klang und die beste Geräuschunterdrückung bieten Bose und JBL. Eine Top-Bedienung und sehr gute Eigenschaften auch im Büro-Einsatz bietet der Kopfhörer von Microsoft. Sparfüchse greifen zum unschlagbar günstigen Modell von AmazonBasics.

1. Platz: Produkt: JBL Club One (IMTEST Testsieger-Siegel 03/2020)

  • Preis: 349 Euro
  • Der Musik-Spezialist ist akustisch und haptisch sein Geld wert und leistet sich im Test keine echte Schwäche.
  • + Die Akkulaufzeit von bis zu 45 Stunden ist
  • - Die offen liegenden Kabel können sich leicht verfangen.
  • Ergebnis: gut 1,8

2. Platz: Produkt: Bose NC Headphones 700

  • Preis: 399,95 Euro
  • Ein sehr guter, fast filigraner Kopfhörer, der aber zu Hause und im Office besser aufgehoben ist als auf langen Reisen.
  • + Angenehm leicht, allein die Polsterung am Bügel könnte dicker sein.
  • - Lässt sich für die Reise leider nicht zusammenfalten.
  • Ergebnis: gut 1,9

3. Platz: Produkt: Surface Headphones 2

  • Preis: 279 Euro
  • Für den Preis ist Microsoft ein wirklich gutes Produkt gelungen, das sowohl für unterwegs und im Office gleichermaßen geeignet ist.
  • + Die beste Bedienung im Testfeld, dank innovativer Drehregler.
  • - Die Garantie von nur einem Jahr drückt die Note nach unten.
  • Ergebnis: gut 2,1

4. Platz: Produkt: Teufel Real Blue NC

  • Preis: 229 Euro
  • Leicht, angenehm zu tragen mit gutem Klang und gutem Noise Cancelling, das ganz einfach ein- und ausgeschaltet werden kann.
  • + Für die Reise sehr gut faltbar und trotzdem sehr stabil.
  • - Verzichtet auf eine App und damit auf eine individuelle Optimierung.
  • Ergebnis: gut 2,5

5. Platz: Produkt: AmazonBasics-Headset

  • Preis: 43 Euro
  • Ein Kopfhörer ohne Schnickschnack und echte Stärken. Für diesen Preis findet man aber definitiv nichts besseres.
  • + Große Ohrmuscheln schirmen das Ohr sehr gut ab.
  • - Minimalismus pur: Kein Noise Cancelling, keine App
  • Ergebnis: ausreichend 4,0

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