Klimawandel

Hitzewellen im Meer lösen Massensterben bei Seevögeln aus

Forscher warnen vor den Folgen des Klimawandels für die Meere.

Forscher warnen vor den Folgen des Klimawandels für die Meere.

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Folgen des Klimawandels sind in den Meeren immer deutlicher spürbar. Nun drohen den Ozeanen Hitzewellen. Mit verheerenden Konsequenzen.

Berlin. Die Weltmeere leiden besonders unter den Folgen des Klimawandels. Was auf den ersten Blick nicht erkennbar ist: Eine Menge der schädlichen CO2-Emissionen werden in den Meeren gebunden, Ozeane sind die größten Kohlendioxid-Speicher der Erde. Forscher schätzen außerdem, dass die Wassermassen etwa 90 Prozent der Wärme absorbiert haben, die durch den Treibhauseffekt zurückgehalten wird. Die restliche Wärme, also nur ein kleiner Teil der globalen Erwärmung, reicht aus, um Gletscher und Polarkappen schmelzen zu lassen.

Die Folgen des Klimawandels sind in den Meeren immer deutlicher spürbar. Wissenschaftler um Kevin Trenberth vom National Center for Atmospheric Research der USA und Cheng Lijing von Chinas Akademie der Wissenschaften (CAS) haben errechnet, dass die Weltmeere im vergangenen Jahr so warm wie nie zuvor seit Beginn der globalen Erfassung waren. Nun warnt eine andere Studie: Mit dem Klimawandel können todbringenden Hitzewellen im Meer häufiger werden.

Klimawandel in den Meeren – Es droht ein Massensterben von Vögeln

Zehntausende tote Vögel waren zwischen Mitte 2015 und Anfang 2016 an der US-Westküste und in Alaska an die Küsten gespült worden. Forscher haben nun den Grund für das Massensterben unter den Trottellummen ausgemacht: Nahrungsmangel infolge hoher Meerestemperaturen.

Von 2014 bis 2016 habe es im Pazifik vor der Küste eine große Ansammlung ungewöhnlich warmen Meereswassers gegeben, die den Spitznamen „Blob“ (etwa: Klecks) verpasst bekam, berichten die Forscher im Fachmagazin „PLOS ONE“.

Forscher warnen: Große Teile des Great Barrier Reefs könnten absterben
Forscher warnen- Große Teile des Great Barrier Reefs könnten absterben

Das Team um John Piatt vom Alaska Science Center des U.S. Geological Survey in Anchorage ermittelte mit zahlreichen Quellen das Ausmaß des Massensterbens im Detail. Erfasst wurde zudem die Fortpflanzungsrate in den Brutkolonien der schwarz-weißen Seevögel.

Demnach wurden während des Massensterbens mehr als 60.000 sterbende oder schon tote Trottellummen an die Küste gespült. Insgesamt seien in der Region wahrscheinlich rund eine Million der Vögel gestorben. In Alaska habe die Zahl gefundener Kadaver bis zu 1000 Mal höher gelegen als üblich. Noch nie sei eine größere Zahl von Kolonien erfasst worden, in denen es zwischen 2015 und 2017 keinen Nachwuchs gab.

Meereshitzewellen verringern Qualität des Planktons

Die Meereshitzewelle habe die Menge und Qualität des Planktons vermindert, in der Folge sei die Zahl davon lebender Fische gesunken, die wiederum Beute der Trottellummen seien. Zudem sei der Stoffwechsel von Fischen im wärmeren Wasser hochtouriger gelaufen – Raubfische hätten aufgrund des daraufhin größeren Energieumsatz mehr Beute benötigt und so die Zahl verfügbarer Fische für die Seevögel noch zusätzlich vermindert.

Auch andere Lebewesen seien betroffen gewesen, erklärte Kevin Trenberth vom National Center for Atmospheric Research der USA. Unter anderem seien rund 100 Millionen Kabeljaue gestorben und auch Wale hätten unter dem „Blob“ gelitten.

Durch die Erderwärmung bedingte Meereshitzewellen gab es demnach auch schon in der Tasmanischen See und in anderen Regionen. „Diese Auswirkungen des Klimawandels haben bedeutende Konsequenzen“, so Trenberth. Das vor Alaska und der US-Westküste beobachtete Massensterben könne ein Vorgeschmack dessen sein, was mit den im Zuge des Klimawandels steigenden Meerwassertemperaturen drohe, befürchten die Forscher um Piatt.

Vergangene zehn Jahre brachten höchste Meerestemperaturen seit den 1950ern

Die Wissenschaftler um Trenberth und Cheng Lijing von Chinas Akademie der Wissenschaften (CAS) hatten errechnet, dass die Weltmeere im vergangenen Jahr so warm wie nie zuvor seit Beginn der globalen Erfassung waren. Die Erwärmung der Ozeane durch den Klimawandel beschleunige sich zudem, warnten sie im Fachmagazin „Advances in Atmospheric Sciences“. Die vergangenen zehn Jahre brachten demnach die höchsten Temperaturen der Meere seit den 1950er Jahren, wobei die jüngsten fünf Jahre die jeweils wärmsten waren.

Die Meerestemperatur bis in zwei Kilometer Tiefe habe im vergangenen Jahr um etwa 0,075 Grad über dem Durchschnitt von 1981 bis 2010 gelegen, heißt es in dem Beitrag. Die enorme Menge an Energie in Form von Wärme, die der Mensch über den Klimawandel in den vergangenen 25 Jahren in die Ozeane gebracht habe, entspreche 3,6 Milliarden Atombombenexplosionen vom Ausmaß wie im japanischen Hiroshima.

Klimawandel und die Folgen – Mehr zum Thema

Laut Forschern waren die Temperaturen noch nie so hoch wie im Jahr 2019. Um gegen die Erderwärmung vorzugehen, planen EU-Politiker unter anderem teureres Essen und weniger Fleisch. Experten hatten zuletzt auch davor gewarnt, dass Online-Surfen ein Klimakiller ist.

(pol/dpa)