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Steuererklärung für Rentner - wie spart man Steuern?

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Mehr als fünf Millionen Ruheständler müssen eine Steuererklärung machen. Wann Sie mit Nachforderungen rechnen müssen.

Berlin. Seitdem es 2005 zur großen Reform kam, müssen Rentner Steuern zahlen. Bis zum Jahr 2040 sollen sogar 100 Prozent der Rente versteuert werden. Doch schon jetzt ist jede Rentenerhöhung zu 100 Prozent steuerpflichtig. Das heißt, dass jeder steuernzahlender Rentner jedes Jahr mehr bezahlt.

Vor allem in diesem Jahr könnten weitaus mehr davon betroffen sein. Denn durch die gestiegenen Rentenzahlungen übersteigen mehr Rentner den Freibetrag. Sie sind ab 9000 Euro zur Steuererklärung verpflichtet. Prinzipiell gilt das für alle Rentenarten, also auch wegen Erwerbsunfähigkeit. Schätzungen zufolge müssen fünf Millionen Rentner in diesem Jahr eine Steuererklärung abgeben.

Davon müssen nach Schätzungen des Finanzministerium 4,4 Millionen Steuern zahlen. Das sind mehr als 150.000 als noch im vergangenen Jahr. Vergleicht man die Zahlen mit 2005, als Rentner steuerpflichtig wurden, ist die Entwicklung noch deutlicher zu sehen: Heute sind fast doppelt so viele Rentner wie noch 2005 steuerpflichtig.

Steuererklärung für Rentner: Finanzämter prüfen Vereinfachung

Allerdings gibt es in einigen Bundesländern bereits Überlegungen, die Steuererklärung für Rentner so zu vereinfachen, dass sie deutlich reduzierter ist als für andere. Die Idee klingt logisch: Stehen Rentner nicht im Berufsleben, haben sie deutlich weniger Einkünfte vorzuweisen als andere Arbeitnehmer. Demzufolge kann auch die Steuererklärung an sich kleiner ausfallen. Allerdings gibt es noch viele Fragen, die offen bleiben.

Die Bundesländer testen derzeit in einem Pilotprojekt, deutlich vereinfachte Formulare für Rentner einzuführen. Doch es ist Vorsicht geboten. Denn einfacher wird es trotzdem nicht: Die sperrigen Begriffserklärungen auf den Formularen bleiben trotzdem erhalten.

Wer die Steuererklärung abgeben will, musste vorher Dutzende Unterlage und Formulare abgeben. Das könnte sich zukünftig ändern: Konkret heißt das, dass Rentner nicht mehr alle Unterlagen abgeben müssen und sich auf den Austausch zwischen Behörden verlassen können. Einen noch radikaleren Weg testet man in Mecklenburg-Vorpommern: Hier können Rentner auch komplett auf die Steuererklärung verzichten, wie Sender n-tv berichtet.

Sie müssten dann lediglich ein Formblatt zur Amtsveranlagung unterschreiben, das sie vorher ausfüllen müssen. "Es geht auch ohne Steuererklärung", heißt es in einer Werbung des Bundeslandes dazu. Doch die Sache hat einen Haken: Fraglich sei etwa, wer bei einem Fehler verantwortlich ist.

Steuererklärung: Pflicht für Millionen Rentner

Eine Steuererklärung abgeben, das müssen in diesem Jahr Millionen Rentner, weil sie durch gestiegene Einkommen zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sind. Doch in einigen Bundesländern werden die Formulare für einige Rentner deutlich einfacher.

Trotz der Vereinfachung bleibt es kompliziert: Denn auch das vereinfachte Formular muss erstmal ausgefüllt werden. Und nicht immer sind jedem die Begriffserklärungen in der Steuererklärung klar. Deshalb raten Experten, sich viel Zeit für die Steuererklärung zu nehmen. Wenn man gar nicht weiterkommt, sollte man bei der Lohnsteuerhilfe um Rat fragen.

Rentnern droht Steuererklärung – Das Wichtigste in Kürze:

  • Viele Rentner erhalten in diesem Jahr eine höhere Rente
  • Das führt dazu, dass viele von ihnen eine Steuererklärung machen müssen
  • Gleichzeitig bedeutet das aber nicht, dass sie auch Steuern nachzahlen müssen
  • Eine vereinfachte Form könnte alles ändern

Das von mehreren Bundesländern unterstützte Pilotprojekt "Erklärung zur Veranlagung von Alterseinkünften" umfasst im Wesentlichen zwei Seiten. Schon jetzt können Rentner in Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen diese Erklärung nutzen.

Wie funktioniert das Pilotprojekt? Bereits bekannte Einkünfte werden direkt an das Finanzamt gemeldet. Das betrifft vor allem die folgenden Einkünfte:

  • Rentenzahlung der Rentenversicherung
  • Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge

Das Problem: Nicht alle Rentner können dieses vereinfachte Formular nutzen. Wer einen Job hat, Geld aus Vermietung bekommt oder etwa Solarzellen betreibt, um den Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen, kann die vereinfachte Steuererklärung für Rentner nicht nutzen.

Doch warum sind Rentner überhaupt zur Steuererklärung verpflichtet? Durch den den Rentenanstieg rutschen viele Ältere über die Einkommensgrenze. Allerdings bedeutet das nicht, dass alle Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen. Und schon gar nicht, dass sie tatsächlich auch Steuern zahlen müssen. Trotzdem gilt es genau hinzuschauen und seine Unterlagen zu prüfen.

Welche Ausgaben können Rentner überhaupt absetzen? Und ab wann sind Rentner zur Steuererklärung verpflichtet?

  • Übersteigt das Einkommen bei einem Single die Grenze von 9000 Euro und
  • 18.000 bei Verheirateten, sind sie zur Steuerklärung verpflichtet.

Insgesamt sind fünf Millionen Rentner zur Steuererklärung verpflichtet. Sie könnten einen Brief vom Finanzamt bekommen. Gleichsam wächst dadurch die Sorge vor Steuernachzahlungen.

Wohl nur die wenigsten Rentner denken im Frühling daran, ihre Steuererklärung zu machen. Dabei könnte sich das in vielen Fällen sogar für sie lohnen - wenn sie vom Finanzamt nicht sowieso schon in die Pflicht genommen worden, weil die Renten so stark angestiegen sind.

Grund dafür ist die Rentenanhebung zur Jahresmitte. Dadurch könnten viele um eine Steuererklärung nicht mehr drum herumkommen, weil sie somit über eine Einkommensgrenze rutschen. Sind Rentner dazu verpflichtet,werden sie im Normalfall von ihrem Finanzamt angeschrieben.

Das könnte passieren, wenn man über eine gewisse Einkommensgrenze steigt. Die Sorge ist also nicht ganz unbegründet. Gleichzeitig heißt eine Steuererklärung aber auch nicht, dass man auch tatsächlich Steuern nachzahlen muss. Ob man nachzahlen muss, hängt im Wesentlichen davon ab, ob die die Rentenerhöhungen so hoch waren, dass sie über den Freibetrag steigen.

Höhere Renten sorgen für Pflicht

An Steuern dachte Helga G. nicht, als sie das Finanzamt aufsuchte. Sie wollte ihre Nichtveranlagungsbescheinigung für Zinseinkünfte verlängern. „Die brauchen Sie jetzt nicht mehr“, sagte die Finanzbeamtin nach Durchsicht der Unterlagen. „Denn Sie müssen eine Steuererklärung abgeben.“

Immer mehr Rentner sind davon betroffen.

  • Zum 1. Juli erhalten 21 Millionen Rentner in Deutschland deutlich höhere Renten.
  • In den alten Bundesländern steigen die Bezüge um 3,18 Prozent.

Doch wer sich von der Erhöhung das eine oder andere Extra gönnen möchte, sollte auch daran denken, dass mit jeder Rentenerhöhung die Gefahr steigt, dass man als Rentner Steuern zahlen muss. Steuererklärung: Diese typischen Fehler kosten viel Geld.

Steuererklärung für Rentner: Wie viele sind betroffen?

Fünf Millionen Rentner sind inzwischen davon betroffen. Mit der Rentenerhöhung in diesem Jahr werden nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums weitere 48.000 Senioren steuerpflichtig. Tendenz steigend. Allerdings wirkt sich das erst im nächsten Jahr aus, wenn die Steuererklärung für 2019 fällig wird. Aber auch im Jahr 2018 gab es eine kräftige Rentenerhöhung.

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Sind Rentner zur Steuererklärung verpflichtet?

Bereits seit 2005 wird Jahr für Jahr ein immer größerer Anteil der Renten besteuert. Abhängig ist das vom Jahr, in dem der Rentenbezug beginnt. War vor 13 Jahren noch die Hälfte der damals bezogenen Rente steuerfrei, so müssen in diesem Jahr bereits 78 Prozent der staatlichen Altersbezüge versteuert werden.

Jahr für Jahr steigt der Prozentsatz des steuerpflichtigen Teils der Rente für die jeweiligen Neurentner um zwei Prozentpunkte. Bei einem Rentenbeginn im Jahr 2020 liegt er somit bei 80 Prozent der Jahresbruttorente.

Wann müssen Rentner eine Steuererklärung machen?

Danach erhöht er sich für Neurentner jeweils nur noch um einen Prozentpunkt. Alle Renten, die im Jahr 2040 oder später beginnen, müssen dann zu 100 Prozent versteuert werden. Der Rentenfreibetrag bleibt lebenslang unverändert. „Allerdings bezieht sich der steuerfreie Anteil nicht auf die jeweils aktuelle Rente, sondern wird anhand der Rente im ersten vollen Bezugsjahr ermittelt“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine. Die wichtigsten Fragen bei der Steuererklärung für Rentner.

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  • Ein Beispiel: Olaf M. ging im September 2018 in Rente. In diesem Jahr bezieht er jeden Monat 1250 Euro. Macht insgesamt 15.000 Euro. Davon sind 3600 Euro (24 Prozent) steuerfrei. Das ist sein lebenslanger Rentenfreibetrag.

Bei Renten, die schon vor 2005 gezahlt wurden, ermittelt man den Rentenfreibetrag auf Basis der gesetzlichen Altersbezüge im Jahr 2005. Die Hälfte davon ist steuerfrei. Am Ende muss Steuern bezahlen, wer mit seinen steuerpflichtigen Einkünften über dem Grundfreibetrag von 9000 Euro (2018) liegt.

Wie hoch ist der Grundfreibetrag für Rentner?

Da es aber eine Reihe von Abzugsmöglichkeiten gibt und nur ein Teil der Rente besteuert wird, kann die Rente auch deutlich über dem Grundfreibetrag liegen, ohne dass Steuern fällig werden. Zusammen veranlagte Ehepaare haben einen Grundfreibetrag von 18.000 Euro.

Aber viele Senioren beziehen auch Betriebsrenten oder Pensionen, private Rentenversicherungen, Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte. Dann wird die Steuererklärung noch komplexer. „Die Finanzverwaltung hat einen immer besseren Überblick über die Einkünfte der Rentner“, sagt Rauhöft. Das erkläre, dass die Rentner vom Finanzamt zur Abgabe einer Steuererklärung aufgefordert werden.

Die Rentenversicherung stellt Rentnern auf Wunsch kostenlose Bescheinigungen aus, die beim Ausfüllen der Steuervordrucke helfen. Diese Papiere enthalten alle relevanten Beträge mit Hinweisen, in welchen Zeilen dieser Vordrucke die Werte eingetragen werden müssen. Dennoch ist es zumindest für die erste Steuererklärung ratsam, einen Lohnsteuerhilfeverein oder einen Steuerberater aufzusuchen.

Ausgaben können vom Rentnereinkommen abgezogen werden

Die Abgabe einer Steuererklärung bedeutet nicht, dass automatisch auch Steuern fällig werden. Aber viele Neurentner, die gut verdient haben, kommen um Steuern nicht herum. Allerdings kann auch eine Reihe von Ausgaben vom Rentnereinkommen abgezogen werden. Dazu zählen vor allem die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Auch Sonderausgaben wie Kirchensteuern oder Spenden können die Steuerlast senken.

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Gleiches gilt für weitere Versicherungen wie eine Unfallversicherung. „Wenn Sie Haushaltshilfen oder Pflegedienste beschäftigen, können Sie diese Kosten ebenfalls absetzen“, sagt Rauhöft. Einen großen Posten können Gesundheitsausgaben bilden, allerdings müssen auch Rentner eine zumutbare Eigenbelastung tragen. Wichtig also: Alle Belege für Brille, Zahnersatz, Medikamente, Kuren oder Gehhilfen sollten das Jahr über gesammelt werden.

Steuerlich am günstigsten sind Renten von privaten Versicherungen

Richtig kompliziert wird es, wenn noch andere Renten bezogen werden, denn sie werden unterschiedlich besteuert. Eine Riester-Rente ist voll steuerpflichtig. Bei der Rürup-Rente gelten dagegen wieder die Regeln der gesetzlichen Rente. Eine Betriebsrente gilt als nachträglicher Arbeitslohn und wird voll besteuert. Dafür gibt es aber eine Entlastung in Form eines Versorgungsfreibetrags. Wie hoch der ausfällt, richtet sich nach dem Renteneintrittsjahr.

Steuerlich am günstigsten sind Renten von privaten Versicherungen. Solche Bezüge werden mit dem sogenannten Ertragsanteil besteuert, der vom Alter bei Rentenbeginn abhängt. Wer mit 65 Jahren in den Ruhestand geht, muss 18 Prozent seiner Privatrente versteuern. „Einkünfte wie Zinsen, Mieten oder Bruttolöhne können um den Altersentlastungsbetrag gemindert werden“, sagt Rauhöft. Das heißt, Rentner können einen Teil ihrer zusätzlichen Einnahmen behalten, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen.

Im Schnitt 136 Euro, wenn es nur Renteneinkünfte gibt

Für Renten und Pensionen kann er aber nicht in Anspruch genommen werden. Auch für den Altersentlastungsbetrag gilt: Jeder Rentenjahrgang hat einen eigenen. Neben haushaltsnahen Dienstleistungen wie Gartenpflege oder Fensterputzen kann der Arbeitslohn von Handwerkerrechnungen direkt von der Steuerschuld abgezogen werden. Pro Jahr sind das 20 Prozent des Arbeitslohns, maximal 1200 Euro. Insgesamt zahlen die deutschen Rentner so viele Steuern wie nie zuvor.

Zu den begünstigten Handwerkerarbeiten gehören Malerarbeiten oder die Wartung der Heizungsanlage. Es gibt also auch für Rentner viele Möglichkeiten, die Steuerlast zu senken. Aber wegen der vielen jahrgangsbezogenen Freibeträge ist die Rentenbesteuerung komplizierter als die Steuererklärung für einen Arbeitnehmer.

Steuererklärung kostet meist viel Arbeit

Für die 85-jährige Helga G. war die Steuer überschaubar. 68 Euro musste sie bezahlen. Damit liegt sie unter dem Durchschnitt. Denn wer wie sie nur Renteneinkünfte hat, zahlt im Mittel 136 Euro Steuern im Jahr. Rentner mit weiteren Einkünften liegen dagegen bei 378 Euro Jahressteuer.

Auch in diesem Jahr gibt es wieder einige Änderungen bei der Steuererklärung. Auch wenn sie meist mit viel Arbeit verbunden ist, kann es sich lohnen, eine Steuererklärung anzufertigen.

So holt man sich die Steuer von Finanzamt zurück.