Energieeffizienz

Dieses Haus beweist, dass klimaneutrales Bauen lohnt

Das Haus von Wolfram Trinius erzeugt 2,5 Mal mehr Energie als es selbst verbraucht und wurde mit dem internationalen Active-House-Award ausgezeichnet. 

Das Haus von Wolfram Trinius erzeugt 2,5 Mal mehr Energie als es selbst verbraucht und wurde mit dem internationalen Active-House-Award ausgezeichnet. 

Foto: Trinius

Wolfram Trinius hat sich in Hummelsbüttel ein Plus-Energiehaus gebaut. Damit will er andere Bauherren zum Nachmachen inspirieren.

Hamburg.  Wolfram Trinius ist einer der Initiatoren der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Sein Ingenieurbüro in Hamburg berät auf Wunsch auch Hersteller von Bauprodukten, Bauherren und Planungsteams im Bereich Energieeffizienz, Klimaneutralität und Nachhaltigkeit. Da war es für den 49-Jährigen selbstverständlich, bei seinem eigenen Bauvorhaben in Hummelsbüttel auf Ökologie und eine hohe Energieeffizienz Wert zu legen.

Das Problem war nur: Die sogenannte Phantomplanung des Bauträgers, der Firma Mollwitz, sah auf dem ins Auge gefassten Grundstück komplett anders aus. „Also habe ich mich mit dem damals zuständigen Architekten zusammengesetzt und mit ihm besprochen, wie ich mir das Gebäude- und Energiekonzept meines Hauses vorstelle“, erzählt der Bauherr.

Zum Glück sahen alle Parteien die Chancen, die sich damit ergaben – und so erstellte Trinius das Nachhaltigkeits- und Energiekonzept für sein Haus und stand dem Planungsteam zur Seite. Die Zusammenarbeit hat sich gelohnt: Herausgekommen ist ein energie- und klimaneutrales Einfamilienhaus mit 174 Quadratmeter Wohnfläche, das konsequent auf Energieeffizienz getrimmt ist und vollständig aus lokalen erneuerbaren Energiequellen versorgt wird.

Zwei Elektroautos wurden angeschafft

„In der Jahresbilanz wird etwa 2,5-mal mehr Energie erzeugt als das Haus selbst benötigt“, sagt Trinius. Das Gute daran: Wer so baut und denkt, achtet auch anderswo auf einen guten ökologischen Fußabdruck. Und so legten er und seine Lebenspartnerin sich zwei Elektro-Autos zu, „weil der Strom da ist und ja irgendwie weg muss“, wie der promovierte Ingenieur lächelnd anmerkt. Er freut sich, dass er damit auch einen Beitrag zur Minimierung von Schadstoffemissionen und Lärm in der Stadt leisten kann.

Für die Active House Alliance in Belgien Grund genug, das Haus mit dem internationalen Active House Award auszuzeichnen. „Der Bauherr wollte energieeffizientes und nachhaltiges Bauen umsetzen. Das Ergebnis ist so überzeugend, dass es von einer internationalen Jury mit dem Preis in der Kategorie ,realisierte Projekte‘ als Gewinner ausgezeichnet wurde“, begründet Generalsekretärin Lone Feifer die Entscheidung.

Für die Initiative ist damit auch der Dreiklang aus Energie, Umwelt und Wohnkomfort im besten Sinne erfüllt. „Denn ein Gebäude ist dann gut, wenn es die drei Themen erfolgreich zusammenführt“, heißt es bei Active House.

Von 2020 an gelten strengere Vorgaben

Der promovierte Bauingenieur hofft, dass sein Plus-Energiehaus viele Bauherren zur Nachahmung inspiriert. „Unsere planerischen Lösungen sind auf andere Bauvorhaben übertragbar – nichts ist dafür zu speziell. Ein solches Gebäude zu bauen ist nicht utopisch, sondern lässt sich heute problemlos umsetzen.“

Zumal von 2020 an laut einer EU-Direktive alle Neubauten „nahe Nullenergiegebäude“ sein sollen – die Definition, ab wann ein Gebäude „nahe“ Null ist, liegt jedoch bislang noch nicht vor.

Wer denkt: Toll, aber das hat doch sicherlich auch seinen Preis, der täuscht sich. „Ohne Grundstück und Planungskosten, aber inklusive des Energiesystems lagen die Baukosten bei 3.120 Euro pro Quadratmeter“, sagt Trinius. Die Bauzeit beziffert er auf etwa zehn Monate.

Strom aus Fotovoltaik und Geothermie

„Alle bauphysikalisch relevanten Details haben wir bei diesem Projekt optimiert. Angefangen von der besten Tageslichtausrichtung der Räume, über die Dämmwerte der Außenbauteile und die Energieversorgung aus regenerativen Quellen – hier Fotovoltaik und Geothermie – bis hin zur Auswahl emissions- und schadstoffarmer Baustoffe.“

Auch konnten alle Lösungen mit den üblichen technischen Ansätzen der beteiligten ausführenden Gewerke umgesetzt werden. Für den Bauingenieur und den Architekten Kai Steppan steht damit fest: Der Ansatz lässt sich problemlos auf andere Bauvorhaben übertragen. „Interessierte dürfen sich gern an uns wenden“, sagt Trinius (www.trinius.de).

Offenbar ist der Bedarf auch da, denn die Nachfrage bei der IFB Hamburg zeigt: Noch sind Plusenergiehäuser die Ausnahme. „Etwa 60 Prozent unserer Kunden erreichen im Neubau einen Standard gemäß KfW-Effizienzhaus 55“, sagt Christian Bergmann, Leiter Privatkunden bei Hamburgs Förderbank. Darüber hinaus würden vor allem viele Eigentumswohnungen im Geschosswohnungsbau bereits mit der KfW-Effizienzklasse 40 errichtet werden. „Eine höhere Energieeffizienzklasse wie etwa beim Passivhaus oder besser ist jedoch noch selten“, bilanziert Bergmann.