Studie

Wortwahl auf Facebook kann auf Depressionen hinweisen

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Eine neue Studie zeigt: Veränderungen in den Beiträgen von Facebook-Usern können Depressionen anzeigen und frühzeitig erkennen lassen.

Berlin.  Name, Alter, Wohnort und oft sogar den Beziehungsstatus – Facebook verrät so einiges über seine Nutzer, wenn diese bereit sind, ihre Daten preiszugeben. Doch nicht nur das: Die Facebook-Timeline kann auch auf Veränderungen hinweisen, die den Nutzern oft selbst noch nicht bewusst sind, wie eine neue Studie zeigt.

US-amerikanische Forscher fanden heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Wortwahl in Facebook-Postings und Depressionen gibt. Der Studie zufolge, die kürzlich im Fachmagazin „PNAS“ veröffentlicht wurde, unterscheidet sich die Wortwahl depressiver Menschen häufig von anderen Beiträgen.

Patienten in Pennsylvania untersucht

Für ihre Forschung untersuchten die Wissenschaftler rund 500.000 Facebook-Beiträge. Die Daten lieferten 683 Patienten, die wegen einer Erkrankung in der Notaufnahme der University of Pennsylvania behandelt wurden und damit einverstanden waren, dass ihre Postings auf dem sozialen Netzwerk ausgewertet werden.

Bei 114 dieser Patienten wurde im Vorfeld eine Depression diagnostiziert. Diese bestätigte sich den Forschern in ihren Untersuchungen – aufgrund ihrer Wortwahl auf Facebook.

Ich-Perspektive, Einsamkeit und Traurigkeit

„Wir fanden heraus, dass depressive User häufiger Pronomen in der ersten Person verwenden“, erklären die Forscher in ihrer Auswertung der Studie. Menschen mit Depressionen schreiben demnach vermehrt in der Ich-Perspektive und verwenden öfter Wörter wie „ich“, „mein“ oder „mich“.

Laut der Forscher ist das ein Zeichen dafür, dass diese Nutzer stark mit sich selbst beschäftigt sind. Andere Studien wiesen ebenfalls eine vermehrte Ich-Perspektive bei Depressionen nach, auch wenn die Forscher sich in diesen Untersuchungen auf private Texte konzentrierten.

Ein zweites Merkmal, das die Forscher aus Pennsylvania identifizierten, war, dass die Postings depressiver Facebook-Nutzer häufiger Wörter enthalten, die Einsamkeit oder Traurigkeit ausdrücken. „Tränen“, Schmerz“, „vermissen“ oder „allein“ zum Beispiel.

Körperliche Beschwerden und Feindseligkeit

Neben Hinweisen auf ein psychisches Krankheitsbild beschäftigten sich die Nutzer mit einer diagnostizierten Depression auch vermehrt mit körperlichen Beschwerden. Das macht die häufige Verwendung von Worten wie „Schmerz“, „krank“, „müde“ oder „Krankenhaus“ deutlich.

Darüber hinaus werden depressive User feindseliger in ihren Beiträgen. Mit Ausdrücken wie „pfui“ oder „smh“ (Abkürzung für shaking my head, also Kopfschütteln) oder der klaren Nennung von „Hass“ machen sie ihrem Ärger über die Welt und andere Luft.

Algorithmus zur Erkennung von Depressionen

Die Forscher der University of Pennsylvania nutzen all diese Forschungsergebnisse, um einen Algorithmus zu programmieren, der Beiträge auf Facebook erkennen soll, die auf eine naheliegende oder bestehende Depression hinweisen.

In Tests zeigte sich der Algorithmus erfolgreich und funktionierte ebenso gut wie herkömmliche Screening-Selbsttests. Die Methode soll darüber hinaus Depressionen bis zu drei Monate früher erkennen lassen als medizinische Tests, weil anhand der Auswertungen unmittelbarer auf frühe Anzeichen reagiert werden kann – und im besten Fall auch früh geholfen. (alka)

Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.