Verbrauchertest

Stiftung Warentest: Billiges Mineralwasser ist gut

Prickelt so schön: Mineralwasser mit Kohlensäure ist bei den Deutschen immer noch der beliebteste Durstlöscher.

Prickelt so schön: Mineralwasser mit Kohlensäure ist bei den Deutschen immer noch der beliebteste Durstlöscher.

Foto: ayala_studio / Getty Images

Die Stiftung Warentest hat 30 Mineralwasser mit Kohlensäure getestet. Es gibt nur wenige Ausreißer, aber ein paar Überraschungen.

Berlin.  Es gibt sie mit und ohne oder mit wenig Kohlensäure, im Gehalt an Mineralien variierend, natriumarm oder auch aus besonderen Abfüllungen, die bioenergetische Wirkung versprechen. Alles in allem also eine riesige Vielfalt. Im vergangenen Jahr füllten die deutschen Mineralbrunnen insgesamt 11,3 Milliarden Liter Wasser ab, heißt es in der Bilanz des Verbands Deutscher Mineralbrunnen (VDM).

Gut 150 Liter trinkt jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr, das entspricht gut zwei Gläsern am Tag – in heißen Sommern mehr als sonst. Auch wenn die Lust auf stille Wasser stetig steigt, ist der Durstlöscher in Kombination mit Kohlensäure nach wie vor am beliebtesten – das belebt und erfrischt so schön.

Qualität der meisten Mineralwasser stimmt

Die Stiftung Warentest hat für seine Juli-Ausgabe jetzt 30 Mineralwasser getestet, die am stärksten sprudeln – die Sorte Classic. Diese sind mit technisch hergestellter Kohlensäure versetzt. Das Fazit der Tester: Die Qualität der meisten Mineralwasser stimmt, viele davon kommen aus dem Discounter und sind sehr günstig. Neben 17 mit „gut“ bewerteten Produkten schnitten elf mit „befriedigend“ ab.

Lediglich zwei der Mineralwasser erhielten die Note „ausreichend“ – und damit die schlechteste Bewertung: Im Wasser von Berg Quelle entdeckten die Prüfer Keime, die Immunschwachen zusetzen können. Kauflands K-Classic aus der Urstromquelle fiel ihnen durch einen deutlichen Plastikgeschmack auf.

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Viele gute Produkte kosten nur 13 Cent pro Liter

Bewertet wurden unter anderem der Geschmack, die mikrobiologische Qualität, der Anteil kritischer Stoffe sowie Verpackung und Deklaration. Bei den Top Fünf des Tests handelt es sich um Aqua Culinaris von Aldi Süd (1,8), Naturalis Vitalbrunnen von Netto (1,9), Naturalis Quintus-Quelle von Netto (2,0), Ja! aus der Waldquelle von Rewe und Classic von Adelholzener (2,1).

Viele der gut bewerteten Discount-Produkte kosten nur 13 Cent pro Liter, sie sind allerdings nicht bundesweit erhältlich, sondern quellnah. Denn Discounter und Supermärkte führen unter demselben Markennamen Wasser aus unterschiedlichen Quellen, erklärt die Stiftung.

Leicht erhöhter Gehalte kritischer Stoffe wie Arsen

So wurde Kauflands K-Classic aus der Fonsana-Quelle als „gut“ bewertet, das aus der Urstromquelle nur mit „ausreichend“. Man habe nicht das Wasser aus jeder Quelle prüfen können, sondern nur exemplarisch für einige Großräume ausgewählt, erklärt die Stiftung. Die Traditionsmarke Adelholzener Classic gibt es dagegen bundesweit für 61 Cent pro Liter.

In mehreren Wassern ermittelten die Prüfer leicht erhöhte Gehalte kritischer Stoffe wie Arsen, Nickel oder Uran aus der Natur sowie Abbauprodukte von Pestiziden. Die Autoren betonen aber, dass sämtliche dieser Stoffe deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten lägen und gesundheitlich völlig unkritisch seien. „Ursprünglich rein“ seien viele Wasser dennoch nicht mehr. Rückstände aus der Landwirtschaft und Haushalten stellten die Reinheit infrage.

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Mikroplastik spielte beim Test keine Rolle

Bei vielen Produkten führt der Begriff Mineralwasser in die Irre: 17 Classic-Wasser enthielten nur wenig Mineralien, 14 davon sogar weniger als vielerorts das Leitungswasser. Seit der EU-Reform von 1980 müssen Mineralwasser keinen Mindestgehalt an Mineralstoffen haben. Apollinaris, Gerolsteiner, Markgrafen und Frische Brise dagegen sind mineralstoffreich, ihre Quellen sprudeln in Mittelgebirgsregionen, wo der Boden reich an Kalzium und Sulfaten ist. Eine erhöhte Menge an Natrium und Chlorid, also der Salzzufuhr, haben die Prüfer bei keinem der getesteten Produkte festgestellt.

Ihrer Einschätzung nach weisen auch die Verpackungen keine gesundheitlichen Risiken auf, auch wenn in jedem Wasser aus Plastikflaschen geringe Mengen Acetaldehyd nachgewiesen wurden, das zur Herstellung der PET-Flaschen genutzt wird. Schon geringste Rückstände des Stoffes könnten für einen fremdartigen Geschmack sorgen. Dieser stieß den Testern bei Kauflands K-Classic besonders auf. Das Thema Mikroplastik wurde bewusst nicht in den Test mit einbezogen. Denn ob die der Gesundheit schade, sei derzeit noch nicht abzuschätzen, begründet die Stiftung.

Erhöhte Keimzahl für Babys bedenklich

Intensiv geprüft wurde das Wasser aber auf Keime. Die Mineral- und Tafelwasserverordnung schreibt vor, welche Keime – ausgeschlossen sind Krankheitserreger – tolerierbar sind. Ausgerechnet im Mineralwasser Classic von Berg Quelle entdeckten die Tester etwas erhöhte Gehalte an Stäbchen-Bakterien, die etwa für Krebs- und Aids-Patienten, sehr alte Menschen oder Babys bedenklich seien. Dabei wirbt Berg Quelle mit dem Prädikat „für die Zubereitung von Babynahrung geeignet“.