Rohstoffe

Kerze als Umweltsünder: WWF fordert bessere Kennzeichnung

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Alina Reichardt
Paraffin und Palmöl zählen zu den meistverwendeten Rohstoffen für Kerzen. Für die Umwelt ist beides nicht ideal.

Paraffin und Palmöl zählen zu den meistverwendeten Rohstoffen für Kerzen. Für die Umwelt ist beides nicht ideal.

Foto: Maya23K / Getty Images/iStockphoto

In vielen Kerzen steckt Palmöl, für das Regenwald gerodet wurde, kritisiert der WWF. Für den Verbraucher ist das nicht ersichtlich.

Berlin.  Kerzen stecken im Adventskranz, am Christbaum, beleuchten festliche Tafeln – und viele tragen zur Abholzung des Regenwaldes bei, wie die Umweltorganisation WWF berichtet. Knapp 90.000 der 1,4 Millionen Tonnen des jährlich nach Deutschland importierten Palmöls werden für Kerzen verwendet. „Doch woher es stammt, erfahren Verbraucher nicht“, sagt WWF-Expertin Ilka Petersen.

Bei einer Befragung der führenden deutschen Produzenten hätten acht von zehn sich nicht dazu äußern wollen, ob das von ihnen verwendete Palmöl aus nachhaltigem Anbau stammt. „Der Anteil an Kerzen mit nachhaltigem Palmöl dürfte verschwindend gering sein“, gibt Stefan Thoman, Geschäftsführer des europäischen Kerzenverbandes ECA, zu. Die Umweltschützer fordern eine verbindliche Kennzeichnung für Kerzen.

Palmöl

Palmöl wird vor allem rund um den Äquator, im Wesentlichen in Indonesien und Malaysia angebaut. Für die Palmenplantagen mussten über die Jahre riesige Flächen Regenwald weichen. Dabei wurden unter anderem für die Bindung von Kohlenstoff wichtige Torfböden zerstört, was den Palmölanbau zu einem Klimaproblem macht. Arten wie Orang-Utan oder Sumatra-Tiger verlieren durch die Plantagen ihren Lebensraum. Zudem wachsen die Palmen als anfällige Monokultur, die vom Pestizideinsatz abhängig ist.

Paradiesvögel in Gefahr
Paradiesvögel in Gefahr

Für Palmöl mit einer Zertifizierung des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) darf kein weiterer Regenwald gerodet werden. Ist das Öl zusätzlich Bio-zertifiziert, entfallen auch Pestizide. Dass trotzdem der Großteil der deutschen Kerzenhersteller nicht nachhaltiges Palmöl verwendet, liegt auch am gesetzlichen Rahmen, glaubt Petersen. „Auf Kerzen muss nicht einmal draufstehen, welcher Rohstoff verwendet wurde. Wenn der Kunde nicht weiß, dass ein Produkt Palmöl enthält, fragt er im Zweifelsfall auch nicht nach einer Zertifizierung.“

Verbandsgeschäftsführer Thoman bestätigt diesen Eindruck: „Es gibt keine Verpflichtung für diese Information. Wenn Kunden mehr wissen möchten, können sie sich an den Hersteller wenden.“

Paraffin

Einer der wichtigsten Rohstoffe für die Kerzenherstellung ist neben Pflanzenölen das auf Erdöl basierende Paraffin. „Dieser fossile Rohstoff ist aus der Perspektive des Umweltschutzes keine gute Lösung, nachhaltige Pflanzenöle sind die bessere Alternative“, sagt Petersen. Aus Kostengründen sei das aber für viele Hersteller keine Option, sagt Thoman: „Das sind teils gewaltige Preisunterschiede, und entsprechend teurer wären dann auch die Kerzen.“

Alternativen

Eine gute Wahl seien Kerzen aus Bienenwachs, erklärt Petersen. Hier stehe der Rohstoff oft explizit auf der Verpackung. Die Produkte seien etwas kostspieliger, denn Bienenwachs sei wertvoll, sagt Petersen. Die Kerzen machten nur etwa ein Prozent der europäischen Kerzenproduktion aus. „Aber es gibt sie häufig zum Beispiel auf Weihnachtsmärkten.“ Auch einen Hersteller aus der Befragung kann die WWF-Expertin empfehlen: „Die Gebrüder Müller Kerzenfabrik AG ist im grünen Bereich. Sie gibt nachvollziehbar an, 80 Prozent zertifizierte Ware zu verwenden.“