Smartphones

Lohnen sich Handy-Reparaturen? Was Verbraucher wissen müssen

Viel Technik in wenig Gehäuse: Handyreparaturen sind kompliziert.

Viel Technik in wenig Gehäuse: Handyreparaturen sind kompliziert.

Foto: Maximkostenko / Getty Images/iStockphoto

Bei den neuen Smartphones können Glasschäden teuer werden. Internetportale helfen Verbrauchern, preisgünstige Werkstätten zu finden.

Berlin.  Apples neues iPhone X ist mit mehr als 1100 Euro nicht nur das teuerste Smartphone in Großserie, der US-Konzern ruft auch für Reparaturen stolze Preise auf. Muss das Display ausgetauscht werden, verlangt die hauseigene Werkstatt mehr als 320 Euro. Für jeden „sonstigen Schaden“ werden laut Apple 611 Euro fällig.

Auch bei Samsungs Top-Smartphones aus der Galaxy-S-Serie kann der Bildschirmaustausch mehr als 300 Euro kosten. Doch wieso haben sich Smartphone­reparaturen – zumindest bei den Displays – so verteuert? Den Grund sieht Stefan Kirchner vom Telekommunikationsportal „Teltarif“ in der Bauform: „Immer kompakter werdende Gehäuse bei mehr Display sehe ich kritisch. Dadurch wird es eng im Gehäuse, wo noch der Akku Platz finden muss.“

„Russisch Roulette“ beim Öffnen von Smartphones

Wer sich beim Kauf die Frage stellt, wie gut sich ein Smartphone reparieren lässt, müsste eigentlich die Finger von aktuellen Spitzenmodellen lassen: „Bei diesen wird gern viel Kleber verwendet, in Kombination mit sehr empfindlichen Kabelverbindungen. Das macht schon das Öffnen der Geräte zu einem Russisch Roulette“, sagt Kirchner.

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Die Smartphonehersteller reparieren entweder in eigenen Werkstätten oder verweisen wie Samsung auf autorisierte Werkstätten, die Originalteile verwenden. W-Support und Phone Service Center sind zwei der Samsung-Partner, die aber auch Geräte anderer Marken reparieren.

Verschiedene Anbieter – verschiedene Leistungen

Auch viele Elektronikmärkte wie Media Markt und Saturn reparieren vor Ort. Dort werden für Bildschirme von Top-Smartphones wie dem Samsung Galaxy S8 ebenfalls rund 300 Euro fällig. Bei älteren Modellen kommen Verbraucher günstiger weg. Ein neues Display für ein Galaxy S4 etwa kostet nur rund 100 Euro.

Andere Anbieter arbeiten als Versandwerkstätten mit wenigen oder gar keinen Filialen und lassen sich defekte Smartphones per Paket zuschicken – zum Beispiel Letsfix oder Handyreparatur 123. Es gibt zudem Dienstleister wie Reparando, die beim Kunden vor Ort reparieren – ein Service, der etwas mehr kostet. Internetportale wie Clickrepair.de oder Handyreparaturvergleich.de vergleichen Dienstleister und ihre Preise. Dort gibt man Modell und Schaden an und bekommt per Tastendruck aufgelistet, wer für wie viel Geld repariert.

Apple beliefert nur wenige Dienstleister mit Ersatzteilen

Es besteht immer die Gefahr, dass alle Daten auf dem Smartphone bei der Reparatur gelöscht werden, warnt die Stiftung Warentest. Daher sollte man seine Daten vorher auf dem Rechner sichern – und die Sim- sowie eine etwaige Speicherkarte herausnehmen. Mitunter kann man die Datenrettung für einen Aufpreis auch hinzubuchen.

Anders als etwa Samsung, Huawei oder auch LG beliefert Apple nur wenige Dienstleister mit Ersatzteilen, weiß Stefan Kirchner. Die meisten Werkstätten müssten daher bei iPhone-Reparaturen auf Ersatzteile zurückgreifen, die entweder nachgebaut seien oder aus ausgemusterten Apple-Telefonen stammten. Deren Qualität könne also schlechter sein, warnt der Experte.

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Misstrauen bei allzu billigen Angeboten

Kirchner rät, jede unbekannte Werkstatt vor Auftragserteilung genau unter die Lupe zu nehmen: „Eine seriöse Werkstatt hat Mitarbeiter, die sich Zeit nehmen, die eine kostenfreie Abschätzung der Reparaturkosten machen und eine Garantie auf die Reparatur geben.“

Misstrauisch werden sollte man bei einer dreckigen Werkstatt und allzu preiswerten Angeboten. Denn schon Originalersatzteile seien kein Schnäppchen. Und: „Wenn mit billigen Ersatzteilen gearbeitet wird, hat man meist nicht lange Spaß am reparierten Gerät.“ Am besten stelle die Werkstatt Transparenz her.

Fingerfertige können selber basteln

Die meisten Hersteller schreiben in ihre Garantiebedingungen, dass Garantieansprüche verloren gehen können, wenn der Kunde in nicht autorisierten Werkstätten reparieren lässt. Laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist das zulässig: „Den Umfang dieser freiwilligen Leistungen können die Hersteller selbst festlegen. So kann eine Herstellergarantie zum Beispiel viele Schadensfälle gänzlich ausschließen. In anderen Fällen kann sie aber auch ein Vorteil gegenüber der gesetzlichen Gewährleistung sein.“ Ein Studium der Garantiebedingungen könne sich also lohnen.

Für Bastler gibt es im Internet auch Reparatursets. Ersatzdisplays für das iPhone 7 Plus oder das Samsung Galaxy S7 kosten etwa beim Anbieter iFixit jeweils rund 150 Euro. Die Reparaturanleitung gibt es online gratis dazu. Auch Fixxoo oder iDoc verkaufen Reparatursets und bieten Tutorials.

Selbstreparatur kann Garantie gefährden

Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht Onlineanleitungen zur Handyreparatur kritisch. Für handwerklich begabte Menschen sei das zwar eine gute Alternative, allerdings sei das Innenleben der Smartphones meist so filigran, dass man schnell mal etwas kaputt mache. Wer noch Garantie auf dem Handy habe, riskiere diese außerdem durch eine Selbstreparatur.