Reise

So wird das Wohnmobil zum Hightech-Camper aufgerüstet

Von außen gleicht das Wohnmobil Tausenden ähnlichen Fahrzeugen – doch im Inneren stecken etliche smarte Helfer.

Von außen gleicht das Wohnmobil Tausenden ähnlichen Fahrzeugen – doch im Inneren stecken etliche smarte Helfer.

Foto: Christian Kielmann

Spurwarner, Ausrichthilfe oder auch eine GPS-Diebstahlortung – beim Wohnmobil sind etliche Helfer und Annehmlichkeiten nachrüstbar.

Berlin.  Wohnmobile liegen im Trend: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 35 000 Reisemobile zugelassen – so viele wie noch nie zuvor. Doch während man in seinem rollenden Heim früher auf vieles verzichten musste, lassen sich die Fahrzeuge heute mit etlichen Extras nachträglich aufrüsten.

Vor allem in Sachen digitale Vernetzung hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Der Mobilfunkkonzern Vodafone hat ausprobiert, wie sehr sich Wohnmobile heute hochrüsten lassen. Er hat einen handelsüblichen Camper mit allerlei Technik ausgestattet, die auf dem Markt erhältlich ist. Wir haben ein paar Runden mit dem vernetzen Gefährt gedreht.

Strom und Klimaanlage

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Hightech-Wohnmobil nicht groß von jedem anderen: ein in Deutschland zugelassenes Reisemobil auf Basis des Fiat Ducato. Auf dem Dach thronen Solar-Paneele (Phaesun, 300 Watt inklusive Regelung, ca. 1250 Euro). Sie versorgen Mobil und digitale Gerätschaften mit Energie, wenn kein Stromanschluss in der Nähe ist. Eine smarte Regelung sorgt dafür, dass bei Energieüberschuss die Wohnmobilbatterie mit höherer Spannung geladen wird. Per Display gibt es Informationen über die aktuelle Leistung – und ob man sein Gefährt wegen Schattenwurf für mehr Leistung besser umparken sollte.

Im vernetzen Wohnmobil sind natürlich auch Heizung und Klimaanlage per App steuerbar. Möglich macht das die iNet Box von Marktführer Truma (Truma iNet Set, ca. 450 Euro). So lässt sich die Klimaanlage direkt vom Strand aus abfragen und regeln – damit man am Abend ein wohltemperiertes Wohnmobil vorfindet. Oder man stellt aus der Ferne sicher, dass es der mitgereiste Dackel auch wirklich lauschig hat. Ist man nur zehn, zwanzig Meter vom Wohnmobil entfernt, werden die Daten per Bluetooth zum Handy übertragen, ist man weiter weg, werden Anweisungen und Infos per SMS ausgetauscht. Der Vorteil: Man braucht für die iNet Box zwar eine zusätzliche SIM-Karte, aber keinen teuren Datentarif.

Hilfe beim Fahren

Natürlich kann man in sein Wohnmobil ein handelsübliches Navi einbauen. Doch spätestens, wenn man vor einer zu niedrigen Durchfahrt, einer zu engen Straße oder einer Brücke mit zu wenig Traglast steht, wünscht man sich einen Wegweiser, der genau weiß, wie groß und schwer der Camper ist, und die Route entsprechend plant. Die Königsklasse, hier etwa von Alpine (9-Zoll-Infotainment System, ca. 1800 Euro), bietet entsprechendes Kartenmaterial und kann darüber hinaus DVDs abspielen, als Display für die Rückfahrkamera dienen und bietet dank Android Auto und Apple CarPlay perfekten Zugriff aufs Smartphone.

Dafür, dass man auf langen Fahrten sicher unterwegs ist, sorgt das Mobileye-6er-Serie-System (inklusive Montage ca. 800 Euro). Eine spezielle Kamera überwacht den Bereich vor dem Fahrzeug. sie erkennt, wie weit vorausfahrende Fahrzeuge entfernt sind, ob man die Spur hält, und liest Tempolimits von Verkehrsschildern ab. Im Notfall warnt das System per Display und akustischem Warnsignal.

Sicherheit

Dank der Übernahme der Firma Cobra Automotive Technologies vor drei Jahren hat Vodafone jetzt auch Alarm- und Diebstahlsysteme im Portfolio, zum Beispiel speziell für Wohnmobile auf Basis des Fiat Ducato (Vodafone Cobra Can Bus Alarmanlage 4627, ca. 300 Euro). Die überwacht alle Türen sowie auf Wunsch den Innenraum. Bei einem Einbruchsversuch ertönt eine äußerst laute Sirene.

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Ist die Alarmanlage außerdem mit dem Diebstahlortungssystem (Vodafone Connex Guardian 2233, ca. 700 Euro) verbunden, wird eine Nachricht ans Smartphone des Besitzers geschickt. Sollte es einem Dieb dennoch gelingen, den Camper zu stehlen, während der Besitzer mit dem zugehörigen Funkschlüssel nicht in der Nähe ist, sendet das System automatisch einen Alarm und den Fahrzeugstandort per Mobilfunk an die nächste Sicherheitszentrale. Die prüft zunächst, ob es ein Fehlalarm ist. Falls nicht, unterstützt sie die örtliche Polizei mit den Standortdaten des Fahrzeugs bei der Verfolgung der Täter. Sollten diese den Camper zwischenzeitlich abstellen – etwa zum Tanken –, kann das Fahrzeug anschließend nicht mehr gestartet werden. Das System wird übrigens unter anderem auch von Porsche, Ferrari und Bentley eingesetzt.

Parken und ankommen

Einparken ist mit Campern eine Herausforderung, da der Rückspiegel in der Regel nur den Blick ins mobile Wohnzimmer zeigt. Hilfreich sind hier typische Ultraschallsensoren (Vodafone Cobra Parkmaster Front, ca 210 Euro; Heck ca. 200 Euro), die bei Hindernissen für Gepiepse sorgen. Noch besser geht es allerdings mit einer Rückkamera samt Spiegelmonitor (Caratec Safety Twin Cam, ca. 390 Euro, Caratec Spiegelmonitor, ca. 300 Euro). Die Doppelkamera zeigt auf dem Rückspiegelmonitor während der Fahrt das, was auch Autofahrer hier sehen würden: einen freien Blick nach hinten. Beim Einparken wechselt die Kamera automatisch auf das Weitwinkelbild der Rückfahrkamera und macht auch komplizierte Rückwärtsparkmanöver möglich.

Dafür, dass das Wohnmobil anschließend auch eben steht, sorgt ein Set aus Luftdruckkissen (Flat-Jack Camper Plus, pro Kissen ca. 120 Euro) unter den Reifen und die iOS-App iWomoSet (2,99 Euro). Während das iPhone als Wasserwaage im Wohnmobil liegt, kann man von außen die Füllung der Luftkissen anpassen, während man auf der Apple Watch den Fortschritt prüft.

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