Da ist Musik drin

Wie beliebt sind Geige, Trompete und Gitarre bei Kindern? Experten sagen, was beim Lernen zu beachten ist

Dass Kinder, die ein Instrument lernen, in vielfacher Hinsicht davon profitieren, zeigen die Erfahrungen von Musikpädagogen ebenso wie zahlreiche Studien und Erhebungen (s. Text oben). So fördert das Musizieren die Konzentrationsfähigkeit, das Gedächtnis und damit die Lernfähigkeit. Darüber hinaus werden die soziale Kompetenz, die Persönlichkeit und Kreativität gestärkt.

Gibt es spezielle kleine Instrumente?

Als ideales Einstiegsinstrument galt lange Zeit die Blockflöte. Heute hingegen ist die Blockflöte nicht mehr das einzige klassische Einstiegsinstrument für Kinder. „Das liegt daran, dass es seit einigen Jahren immer mehr an die Körpergröße der Kinder angepasste sogenannte kleinmensurierte Instrumente gibt. Kinder müssen daher nicht mehr grundsätzlich ein bestimmtes Alter und die damit einhergehenden körperlichen Voraussetzungen erreicht haben, um mit ihrem Wunschinstrument beginnen zu können“, sagt Claudia Wanner vom Verband deutscher Musikschulen (VdM). Im Fachhandel erhältlich sind zum Beispiel Geigen, Celli, Kontrabässe, Gitarren, Trompeten, Posaunen, Fagotte und Querflöten, die auch für jüngere Kinder geeignet sind.

Welches sind die beliebtesten Musikinstrumente?

Gemäß einer Erhebung des Verbands deutscher Musikschulen (VdM) sind über eine Million Kinder an einer Musikschule angemeldet. Das beliebteste Instrument ist das Klavier. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Gitarre und die Violine. Bei allen drei Instrumenten stieg die Schülerzahl zuletzt weiter an. Die Plätze vier und fünf belegen die Blockflöte und das Schlagzeug. Es folgen: Querflöte, Keyboard, Klarinette, Trompete und Saxofon. „Konstant beziehungsweise mit leichter Tendenz nach oben sind in den letzten Jahren die Schülerzahlen bei den Instrumenten Schlagzeug, Trompete, Klarinette und Saxofon“, berichtet Claudia Wanner. Erfreulich sei auch der leichte Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr bei seltener gespielten Orchesterinstrumenten wie Viola, Kontrabass, Fagott oder Horn. Trotzdem würden diese Instrumente zu selten gespielt, wodurch viele Ensemblekonstellationen nicht zustande kommen.

Was ist das geeignete Einstiegsalter?

Wann Kinder mit dem Instrumentalunterricht beginnen können, hängt grundsätzlich von ihrer individuellen körperlichen und geistigen Entwicklung, von ihrer Neigung und vom gewünschten Instrument ab. „Wenn ein Kind Klavier spielen möchte, sollte es zum Beispiel schon etwas lesen können, also die erste oder zweite Klasse besuchen. Doch die Praxis zeigt, dass einige Kinder auch mit vier Jahren sehr viel Spaß am Klavierspielen haben“, sagt Thomas Arp, Stadtbereichsleiter der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg. Ein Einstiegsalter von sechs bis acht Jahren empfiehlt er auch für die Violine, den Kontrabass, das Schlagzeug, die Gitarre, die Taschentrompete, das kleine Flügelhorn, die Oboe und das Akkordeon. „Mit der Keltischen Harfe können Kinder ebenfalls im Alter von sieben oder acht Jahren starten. Wollen sie Pedalharfe spielen, sollten sie jedoch möglichst ausgewachsen sein“, so Arp weiter. Ab der vierten, fünften Klasse, wenn Kinder etwa elf, zwölf Jahre alt sind, bietet es sich an, dass sie mit der Tuba, dem Saxofon oder der Posaune loslegen. „Grundsätzlich ist es ratsam, früh mit dem Instrumentalunterricht zu beginnen, zu spät ist es dafür jedoch nie“, sagt Thomas Arp. Seine Erfahrung zeigt, dass Kinder, die mit sieben Jahren ein Instrument lernen, mit zehn Jahren oftmals auf einem vergleichbaren Stand sein können wie ein Kind, das mit fünf die Musikkarriere gestartet hat. Außerdem zeige die Praxis, dass Kinder in der schwierigen Zeit der Pubertät ein größeres Durchhaltevermögen haben, wenn sie musikalisch bereits auf einem guten Stand sind.

Wie lassen sich Kinder an die Musik heranführen?

Musikalisches Talent lässt sich nicht erzwingen. Wenn die Eltern oder Lehrer zu viel Druck ausüben, kann es dazu kommen, dass sie dem Kind die Musik verleiden, geben Experten zu bedenken. Außerdem ist es wichtig, dass das Kind die Entscheidung für ein spezielles Instrument selbst fällt. Um den Nachwuchs früh an die Musik heranzuführen, bieten viele Musikschulen in Hamburg Kurse zur musikalischen Früherziehung an. In den Kursen wird viel gesungen, geklatscht und getanzt. Außerdem werden die Kinder an einfache Instrumente herangeführt – eine gute Gelegenheit, um das passende Instrument zu finden.

Wo gibt es Unterstützung – auch für sozial benachteiligte Kinder?

Viele Kinder erhalten jedoch nicht die Möglichkeit, sich über Musik auszudrücken oder früh ein Instrument zu lernen. Einer, der sich mit aller Kraft dafür einsetzt, dass Kinder singen und musizieren, ist der bekannte Hamburger Musiker Rolf Zuckowski. „Unser Land braucht starke Kinder, und Musik kann Kinder stärker machen. Doch es steht nicht gut um das aktive Musikleben vieler Kinder in unserem Land. Ein Grund dafür ist, dass die staatliche Bildung und Erziehung einen Musikunterricht nicht ausreichend leisten können. Wir Erwachsene sind gefordert, das zu ändern“, sagt Zuckowski. Mit seiner Erfahrung aus über 30-jähriger Konzerttätigkeit entschied er sich gemeinsam mit seiner Frau Monika sowie der Unterstützung seiner Verlegerin Dagmar Sikorski-Grossmann 2004, die Stiftung „Kinder brauchen Musik“ ins Leben zu rufen.

Die Stiftung verfolgt das Ziel, dass Kinder – gerade auch aus sozial benachteiligten Verhältnissen – die Möglichkeit erhalten, die besonderen Kräfte des Singens und Musizierens für sich zu entdecken. Das Hauptaugenmerk des wachsenden Teams liegt seit Ende 2006 in der Durchführung und Weiterentwicklung der „Klassenreise zur Musik“. Für dieses Projekt werden Kinder dritter Grundschulklassen zu einer Klassenreise eingeladen, auf der sie in Zusammenarbeit mit Künstlern eine Woche intensiv musizieren, singen und tanzen können.

Weitere Infos im Internet unter: www.hamburg.de/jugendmusikschule / www.musikschulen.de ; www.kinderbrauchenmusik.de