Strategien für die Vermögensplanung

Die Zinsen werden immer niedriger. Mehr Risiko bei der Geldanlage ist gefragt. Experten raten zu Mischfonds, Anleihen und 20 Prozent Aktienanteil

Die Euro-Krise verläuft unspektakulär. Anders als prophezeit gibt es weder große Bankenzusammenbrüche mit Dominoeffekt noch Staatsbankrotte. Dennoch wird das Vermögen der Bürger Jahr für Jahr reduziert. Wegen der niedrigen Zinsen müssen die Deutschen kräftige Einbußen hinnehmen. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zehrt einen immer größeren Teil der Ersparnisse in Deutschland auf. Nicht nur, dass die Ersparnisse kaum noch wachsen – sie verlieren real an Wert. „Die Niedrigzinspolitik führt zu einer realen Entwertung von Vermögen, wenn die laufende Verzinsung von Geldanlagen unterhalb der Inflationsrate liegt“, sagt Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. Nur wer mehr Risiko bei der Geldanlage eingeht, kann auf einen Ausgleich hoffen.

Warum sind die Zinsen so niedrig?

Die kurzfristigen Zinsen werden von der Europäischen Zentralbank bestimmt. EZB-Präsident Mario Draghi warnt seit Monaten vor den Gefahren zu geringer Inflation für die Konjunktur im Euro-Raum. Das Ziel liegt bei knapp zwei Prozent, die Preissteigerung in der Euro-Zone beträgt aber nur 0,5 Prozent. Niedrige Zinsen sollen die Kreditvergabe der Banken insbesondere in den südlichen Ländern wieder ankurbeln. Dazu wurde der Leitzins der EZB, zu dem sich die Banken Geld leihen können, auf 0,15 Prozent gesenkt. Seit der Einführung des Euro war Geld noch nie so billig.

Wie wirkt sich das auf die Sparzinsen aus?

Als Folge dieser Zinsentscheidung vom Juni sind die Konditionen weiter gesunken. Durchschnittlich 0,24 Prozent an Zinsen zahlen die Banken noch für ein Tagesgeld von 5000 Euro, ermittelte das Verbraucherportal Verivox. Über 200 Banken überweisen ihren Kunden überhaupt keine Zinsen mehr. Durch die Niedrigzinspolitik der EZB verlieren die deutschen Sparer jährlich 15 Milliarden Euro an Zinseinnahmen, errechnete der Sparkassenverband. Bei vielen Banken liegen die Zinsen unter der aktuellen Inflationsrate in Deutschland von 0,80 Prozent – unabhängig davon, ob es sich um ein Tagesgeld, Festgeld oder ein Sparbuch handelt. „Die Banken können sich unverändert zu sehr niedrigen Zinsen bei der EZB Geld leihen“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. „Die Sparbriefzinsen zeigen keine Neigung, nach oben zu klettern.“

Wo gibt es noch höhere Zinsen?

Zinsen von rund zwei Prozent für einen Anlagezeitraum von drei Jahren gibt es nur noch bei wenigen Banken, zum Beispiel bei der Deniz Bank und der VTB Direktbank. Der höchsten Sätze für Tagesgeld liegen aktuell noch zwischen 1,50 und 1,40 Prozent, zum Beispiel bei der Bank Credit Agricole oder MoneYou. Für Tagesgeld gibt es maximal 1,25 Prozent Zinsen (Ikano Bank). Alle Angebote unterliegen der einheitlichen europäischen Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Person.

Wie lange werden die Zinsen noch so niedrig bleiben?

Eine Änderung der Niedrigzinspolitik ist nicht in Sicht. Denn die EZB hat angekündigt, die Zinsen noch längere Zeit niedrig zu halten. Gelegentliche Zinsanstiege haben sich immer wieder als nicht nachhaltig erwiesen. Auch die zehnjährige Bundesanleihe hat kürzlich mit einer Rendite von 1,11 Prozent ein neues Rekordtief erreicht. Wer für zehn Jahre sein Geld dem deutschen Staat leiht, bekommt also nur gut ein Prozent Zinsen pro Jahr.

Warum sind die Deutschen besonders stark von niedrigen Zinsen betroffen?

Das gesamte Geldvermögen der Deutschen umfasst 5,1 Billionen Euro. 40 Prozent davon – also rund zwei Billionen Euro – halten die Deutschen auf Giro-, Spar- und Festgeldkonten, die kaum oder gar nicht verzinst werden. Nur sechs Prozent des Geldvermögens sind in Aktien investiert, die eine höhere Rendite ermöglichen.

Wie kann ich die Strategie meiner Geldanlage verändern?

Eine alte Regel zur Geldanlage lautet: Nicht alle Eier in einen Korb. So wie es in der Regel nicht empfehlenswert ist, sein gesamtes Geld nur in niedrig verzinsten Anlageformen anzulegen, so sollten nicht plötzlich risikoreichere Anlagen das Übergewicht bekommen. „Zunächst sollte überprüft werden, ob mit vorhandenem Geld nicht ein Kredit abgelöst werden kann“, sagt Gabriele Schmitz von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Denn die Kreditzinsen sind höher als die Anlagezinsen.“ Eine Baufinanzierung kann zwar nicht so einfach vor Ablauf der Zinsbindung abgelöst werden, „aber hier sind meist jährliche Sondertilgungen bis zu einer bestimmten Grenze möglich“, sagt die Verbraucherschützerin.

Auch wer ständig tief im Dispo steckt, muss sich noch keine Gedanken um renditeträchtige Geldanlagen machen, sondern sollte zunächst sein Konto dauerhaft ausgleichen. Auf einem flexibel verfügbaren Konto wie einem Tagesgeldkonto sollten zwei bis drei Nettogehälter liegen, um unvorhergesehene Anschaffungen oder Reparaturen bezahlen zu können. Erst dann kann Geld, das in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht benötigt wird, für risikoreichere und schwankungsanfälligere Geldanlagen vorgesehen werden.

Welche Anlagen bieten sich dafür an?

Der Zinsfalle können Anleger nur entgehen, wenn sie mehr Risiko eingehen. Im Kern geht es um Aktienanlagen. Sie ermöglichen einerseits Kursgewinne, aber auch die jährlichen Dividenden leisten einen wichtigen Beitrag zum Anlageerfolg. Wer nicht direkt in einzelne Aktien investieren will, kann verschiedene Investmentfonds nutzen. Das Musterdepot wurde mit sogenannten ETF-Fonds bestückt. Sie bilden einen bestimmten Index nach und sind bei den Verwaltungsgebühren besonders günstig, weil sie ohne einen Fondsmanager auskommen. Die Gewichtung der einzelnen Anlagen wie Aktien oder Anleihen ermittelte die Bank Comdirect auf Basis des Anlagezeitraumes und der Risikobereitschaft. „Die Depots sorgen für eine gute Streuung des Investments“, sagt Thorsten Reitmeyer, Vorstandsvorsitzender von Comdirect. „Das Risiko-Rendite-Verhältnis der jeweiligen Anlagestruktur wurde durch das unabhängige Institut für Vermögensaufbau geprüft.“

Neben einer Umsetzung mit ETF-Fonds macht die Bank auch einen Vorschlag mit aktiv gemanagten Fonds. Zudem können erfahrene Anleger selbst geeignete Fonds auswählen. Die Anlagestrategie lässt sich sowohl mit einer Einmalanlage wie auch über einen Sparplan mit regelmäßigen Einzahlungen umsetzen. Einzelheiten unter www. comdirect.de (Jetzt besser Geld anlegen).

Lässt sich eine solche Anlagestrategie auch mit weniger Fonds umsetzen?

Eine weitere Möglichkeit, um am Aktienmarkt zu partizipieren, sind Mischfonds. Hier fließt nur ein Teil des Geldes in Aktien, der Rest in Anleihen. Der Sparer kann mit der Fondsauswahl wählen, wie hoch der Aktienanteil sein soll. Es gibt auch Mischfonds mit flexibler Strategie. Solange die Stimmung für Aktien gut ist, weiten die Fondsmanager diesen Anteil aus. Trübt sich die Lage ein, fahren sie ihn zurück. Das Konzept der Mischfonds kommt an: In den ersten fünf Monaten des Jahres investierten die deutschen Anleger 9,3 Milliarden Euro in diese Anlageform.

Kann der Anlageerfolg der vergangenen Jahre wiederholt werden?

Dafür gibt es keine Garantie. Das Ergebnis ist davon bestimmt, dass es in den vergangenen sechs Jahren am Aktienmarkt sehr gut lief und auch die Anleihen beständig zum Anlageerfolg (s. Tabelle) beitrugen. Zwar sind die Zinsen stark gefallen, gleichzeitig stiegen aber die Kurse der Anleihen und trugen so ebenfalls überdurchschnittlich zum Anlageerfolg der Musterdepots bei. Vor allem im Bereich der Anleihen ist eine Wiederholung dieser Entwicklung eher unwahrscheinlich.

Sind Aktien nicht schon zu stark gestiegen?

Durch die neuen Krisenherde in der Ukraine und im Nahen Osten ist die Gefahr eines Rückschlags gestiegen. Doch bei einem Depot mit geringem Risiko werden auch nur 20 Prozent des Geldes in den Aktienmarkt investiert, der Rest fließt in Anleihen, Immobilien und Rohstoffe. Der Aktienanteil kann auch über einen Fondssparplan aufgebaut werden. Das vorgesehene Geld wird so Monat für Monat investiert, bis die vorgesehene Summe erreicht ist. Dann wird der Sparplan gestoppt. Fallen die Kurse gerade, können mehr Anteile erworben werden. Steigende Kurse bringen weniger Anteile in das Depot. So entsteht ein Durchschnittskosteneffekt, und man entgeht der Gefahr, zu einem ungünstigen Zeitpunkt das gesamte Geld zu investieren. Wichtig ist dann noch, dass die Fonds mit reduziertem oder ganz ohne Ausgabeaufschlag erworben werden können.