Wenn Meisterwerke umziehen

Der sichere Transport beginnt bereits bei der Verpackung. Spezielle Dienstleister sind für die Beförderung zuständig

Ob alte Gemälde, Standuhren, Skulpturen, Porzellan, Kristall-Lüster oder Kommoden: Für den Transport von wertvollen, oftmals auch empfindlichen und sperrigen Antiquitäten ist es empfehlenswert, sich einem Umzugsprofi anzuvertrauen.

„Der Transport von Antiquitäten und Kunstgegenständen ist eine sehr sensible Angelegenheit. Gehen diese unterwegs kaputt, ist der Schaden groß und überdies meistens auch unwiederbringlich“, sagt Christiana Stahl-Kerle vom Auktionshaus Stahl. Wenn es um den Versand edler und zerbrechlicher Stücke geht, vertraut sie ausschließlich externen Logistik-Dienstleistern, die ihr Handwerk verstehen. „Der sichere Transport beginnt schon bei der richtigen Verpackung“, sagt Christiana Stahl-Kerle. „Zudem ist es bei Antiquitäten wichtig, dass die Ware ausreichend versichert ist.“

Die große Bandbreite an Antiquitäten macht Sensibilität und verschiedene Dienstleistungen erforderlich. Dazu gehört neben dem eigentlichen Transport auch das adäquate Ein- und Auspacken der Stücke. Von der einfachen Schutzverpackung bis zur stoßgesicherten, gegebenenfalls feuerhemmenden Klimaverpackung stehen mehrere Varianten zur Auswahl. Empfindliche, leicht zerbrechliche oderungewöhnlich geformte Gegenstände sind in maßgefertigten, stoß- und vibrationsmindernden Kisten besonders sicher. Die stabilen Kisten haben normalerweise eine Holz- oder Plastikschale und innen eine weiche Schicht.

Antiquitäten und Kunstgegenstände können durch Hitze oder Kälteeinflüsse schnell beschädigt werden. Das traurige Ergebnis: Vermoderung und Schimmelbefall, Wasser- und Stockflecken oder verbogene Bilderrahmen. Daher sollte man bei der Auswahl eines Dienstleisters darauf achten, dass dieser über speziell ausgestattete Lieferwagen und Lagerräume verfügt.

Zum aktuellen Stand der Technik zählen Lkw, in denen die Hitze- oder Kältezufuhr so geregelt wird, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf einem konstanten Niveau bleiben. Spezielle Federungssysteme und Luftkissen in den Wagen federn etwaige Erschütterungen ab und schützen so die Ladung. Klimastabile und videoüberwachte Kunstdepots, in denen eine Temperatur von 21 Grad und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit gewährleistet ist, bietet zum Beispiel das Unternehmen Hasenkamp an. Über viel Erfahrung im Umgang mit Kunstschätzen verfügt auch DB Schenker. Die Museumslogistiker des Logistik-Dienstleisters haben gerade dafür gesorgt, dass der berühmte Heller-Altar und andere Werke von Albrecht Dürer pünktlich und sicher für eine Sonderausstellung ins Städel Museum gekommen sind. Die rund 180 Meisterwerke wurden in Klimakisten und klimatisierten, luftgefederten Lkw von mehreren Standorten in Europa und den USA nach Frankfurt gebracht.

„Kaum ein Transportgut verlangt so viel Expertenwissen, technisches Können und Fingerspitzengefühl wie die Kunst“, sagt Nicole Keusen, die für die Museumslogistik von Schenker Deutschland verantwortlich zeichnet. Sollen sehr wertvolle Antiquitäten oder Kunstgegenstände umgezogen und transportiert werden, ist es ratsam, eine zusätzliche Transportversicherung abzuschließen. Für Umzugsgüter im Wert von etwa 100.000 Euro kostet diese ungefähr 1000 Euro.

Wer die Dienstleistungen einer auf Antiquitäten- und Kunsttransporte spezialisierten Spedition in Anspruch nehmen will, sollte dem Vertragspartner möglichst vollständige Informationen mit Angaben zu Handhabung und Größe der zu transportierenden Gegenstände zukommen lassen. Das ist wichtig, damit die passenden Verpackungssysteme, das Handling und der logistische Ablauf einschließlich Transport und Lagerung geplant werden können. Der Mehraufwand lohnt sich den Experten zufolge in jedem Fall, schließlich hängt der Wert eines Kunstwerkes maßgeblich von seinem Erhaltungszustand ab.

Qualifizierte Dienstleister erkennt man daran, dass sie umfassend beraten und ausführliche Erstgespräche anbieten, die neben der Leistungsdefinition auch der Kostenoptimierung dienen. Das entsprechende Angebot sollte sämtliche Versicherungs- und Haftungsbedingungen enthalten.

Vor der endgültigen Vertragsunterzeichnung ist grundsätzlich auf eine genaue Leistungsbeschreibung zu achten. Ebenso wichtig ist eine korrekte, nachprüfbare Rechnung. Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Möbelspedition und Logistik (AMÖ) sind dazu verpflichtet, ausnahmslos Fachpersonal und umweltverträgliche Verpackungsmaterialien einzusetzen. „Außerdem haben wir nur Fahrzeuge im Einsatz, die für die Beförderung der Ladung besonders ausgerüstet sind und dem derzeitigen Sicherheitsstandard entsprechen“, sagt Christian Henkel vom AMÖ.

Vorsicht ist geboten, wenn Dienstleister zum Beispiel über Flugblätter oder Anzeigen mit billigen Pauschalangeboten werben oder lediglich eine mobile Telefonnummer angeben. Viele dieser Unternehmen arbeiten illegal, setzen ungelerntes Personal ein und sind nicht versichert – was schnell sehr teuer werden kann. Und hat ein Kunstwerk erst einmal durch den Transport Schaden erlitten, ist es zu spät zum Jammern.

Hilfe bei der Suche nach einem seriösen Fachbetrieb gibt es im Internet auf der Seite www.umzug.org. Anfang 2014 wird über eine neue Detailsuche auch die gezielte Suche nach Kunst- und Museumslogistikern möglich sein.