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Moos und Gräser wachsen auch an der Wand

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Hedda Möller

Zurück zur Natur setzt sich immer mehr als Einrichtungstrend durch. Das ist nicht nur gut für das Raumklima, Pflanzen im Raum sorgen auch dafür, dass Lärm geschluckt wird.

In ihrem Atelier in Eppendorf hat Innendesignerin Claudia Lucht ihre Schätze um sich geschart: Muster von Moospaneelen, versteinerte, von Lavamineralien veredelte Hölzer oder Quadrate von Wasserbüffelleder beflügeln ihre Kreativität in besonderem Maße. Aus diesen Naturmaterialien schafft die Inhaberin der Moodstuff Agency (www.moodstuff.com) ungewöhnliche Wandverkleidungen für Kunden mit Liebe zur Natur. Gerade erst hat eine Auftraggeberin angerufen, für die sie wenige Wochen zuvor im Schlafzimmer über dem Bett ein Moosbild installiert hatte. „Sie hat mir erzählt, dass sie noch nie in ihrem Leben so gut geschlafen hat. Kein Wunder, denn Moos ist der beste Garant für ein gutes Raumklima“, sagt Claudia Lucht.

Immer mehr Menschen bevorzugen unbehandelte Materialien

Natur ist die neue Wohnkultur: Nicht nur bei der Wahl ihrer Möbel achten immer mehr Verbraucher auf nachhaltige Materialien wie unbehandeltes Holz. Auch bei der Wandgestaltung setzt sich dieser Trend zu natürlichen, unbehandelten Materialien fort. Dazu zählen neben Moos- und Pflanzenbildern mit 3-D-Effekt vor allem Lederbespannungen sowie Verkleidungen aus veredeltem Holz oder Kork. „Mit solchen Wandverkleidungen schafft sich der Mensch eine Gegenwelt zur zunehmenden Technisierung aller Lebensbereiche“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Bereits auf der Internationalen Möbelmesse 2012 habe sich der Trend „Back to nature“ abgezeichnet und setze sich nun in vielen Bereichen fort.

Auch in der österreichischen Firma Freund GmbH (www.freundgmbh.com) sieht man in den grünen Wandverkleidungen einen Gegenpol zur schnelllebigen Hightech-Welt. „Moos ist ein Symbol für Ruhe, Stille und Dauerhaftigkeit. Pflanzen und die Farbe Grün verkörpern Frische, Natur und Kraft“, sagt Geschäftsführerin Nina Freund.

Nicht zuletzt spielen die positiven Auswirkungen auf Gesundheit und Raumklima eine zentrale Rolle bei der Entscheidung für natürliche Wandmaterialien. Nicht nur Moos, auch Leder oder Holz sind atmungsaktiv, können überschüssige Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen und bei Bedarf – bei zu trockener Raumluft – wieder abgeben. Da Moos an zu trockener Luft seine natürliche Feuchtigkeit verliert oder sich sogar verfärbt, stattete erst vor Kurzem ein Lebensmittel-Discounter seine Zentrale mit Mooswänden als natürlichen „Raumwächter“ aus.

Darüber hinaus ist eine grüne Wand auch ein „Schalldämpfer“. Besonders in großen, spärlich möblierten Wohnräumen oder Großraumbüros sorgt sie für eine bessere Akustik, indem sie zu hohe Töne absorbiert und abmildert. Gleichzeitig können natürliche Wandverkleidungen das Risiko allergischer Reaktionen mindern. Jedoch sollten sie keine gesundheitsschädlichen Stoffe enthalten. „Wichtig ist, sich nach der Herkunft und Verarbeitung der jeweiligen Materialien zu erkundigen“, sagt Ursula Geismann. Meist sorgten schon Bio-Zertifkate und Prüfsiegel verschiedener Institutionen für Transparenz.

Schon jetzt registrieren Anbieter natürlicher Wohnwände eine rasant steigende Nachfrage. „Wir verzeichnen ein Umsatzplus von 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, dabei ist der Markt noch nicht einmal im Ansatz erschlossen“, sagt Oliver Metz-Gebhardt vom Designportal Designers Home (www.designers-home.com).

Vorreiter im Bereich der Moosbilder und -wände in 3-D-Optik ist die Freund GmbH, seit 2009 auf die Herstellung von Moos- und Pflanzenbildern spezialisiert. Nach einem erprobten Verfahren wird das Moos hier gereinigt, konserviert und anschließend auf Trägerplatten aus Spanholz „aufkaschiert“. Die Bilder kommen, anders als erwartet, ganz ohne Licht, Bewässerung und Düngung aus. „Weil sie so pflegeleicht sind, gehören sie zu den beliebtesten Produkten aus unserem Sortiment“, sagt Nina Freund, Leiterin der Geschäftsstelle Berlin.

Gefertigt wird auf Wunsch nach Maß: Kunden geben ein Format vor, und die Wanddesigner erstellen fugenlose grüne Wände. Das Element Evergreen (50 x 50 cm) mit Befestigungsleisten und Moosrahmen ist beispielsweise ab 166 Euro erhältlich.

Angeboten werden auch Mooswände mit akustischem Mehrwert. Die Firma Designers Home nennt ihre Klangwand Greenwall; sie besteht in der äußeren Schicht aus einem Moos-Mosaik (50 x 50 cm) auf dünnen Korkplatten. Darunter versteckt sich ein unsichtbar unter Gipsverschalungen integriertes Klangsystem mit Verstärker und einem Blootooth-Empfänger.

Die Fertigung erfolgt auch hier individuell auf Wunsch. Claudia Lucht konzipiert ihre Mooswände mit Produkten dieser Firma. „Mich überzeugt vor allem, dass die Trägerplatte aus Kork besteht und damit noch näher an der Natur ist als etwa verleimtes Spanholz“, sagt die Inneneinrichterin.

Ein besonderer Blickfang sind die sogenannten Live-Picture-Pflanzenbilder der Freund GmbH. Wie Moos sind auch sie ein natürlicher Klimaregulator und brauchen, anders als befürchtet, nicht täglich gegossen zu werden. „Der Wasserspeicher muss nur alle sechs Wochen wieder gefüllt werden“, versichert Nina Freund. Der Preis für das technische Grundgerüst eines großen Bildes (112,5 x 75,5 x 10,5 cm) beträgt inklusive Rahmen und Wassertank etwa 916 Euro. Die Pflanzen schlagen extra zu Buche.

Auch Holz – Klassiker unter den natürlichen Wandverkleidungen – erfährt eine Renaissance. Claudia Lucht beispielsweise setzt auf sogenanntes versteinertes Holz der Firmen Bleu Nature (www.bleunature.com) und Indosgin (www.indosign.nl). Es stammt aus dem Erdreich und liegt seit Millionen von Jahren unter Lavaschichten verschüttet. „Diese Holzform ist so besonders, weil sie nicht künstlich hergestellt, sondern nur gefunden werden kann“, sagt Claudia Lucht. Vor allem in der Kombination mit Moos ließen sich besondere Akzente setzen.

Wandverkleidungen aus Holz in dreidimensionaler Optik schafft die niederländische Firma Wonderwall Studios (www.wonderwallstudios.com). Da die Wandpaneele aus unterschiedlichen Harthölzern bestehen, entsteht eine lebendige und naturnahe Optik. Oliver Metz-Gebhardt von Designers Home: „Die Hölzer sind nur mit Öl behandelt und wirken sich dadurch besonders gut auf das Raumklima aus.“

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