"Probleme gibt es, wenn der Halter Bedürfnisse des Tiers nicht kennt"

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Manuela Keil

Über ihre Erfahrungen mit Problemhunden und den Wünschen der Halter berichtet Susanne David, Leiterin der Hundeschule des Hamburger Tierschutzvereins.

Hamburger Abendblatt:

Mit welchen Fragen haben Sie am häufigsten zu tun?

Susanne David:

Die meisten Hundehalter suchen Hilfe bei der Erziehung ihrer Hunde. Sie wollen den Hunden einen Grundgehorsam beibringen, wissen aber nicht wie. Bei Problemverhaltensberatung ist das häufigste Thema Aggression.

Wie helfen Sie? Und wie lange?

David:

Der Grunderziehungskurs dauert sechs Wochen. Es werden "Sitz", "Platz", "Bleib", Leinenführigkeit und das Abrufen trainiert. Bei Problemverhalten ist das ganz individuell. Das Training muss immer so gestaltet werden, dass Hund und Halter es auch umsetzen können und in kleinen Lernschritten zum Erfolg kommen. Die Dauer ist abhängig vom Halter, Hund und von dem Problem. Bei Problemverhalten, das sich über längere Zeit ritualisiert hat, sollte man schon mit einem Trainingszeitraum von sechs Monaten rechnen.

Wann müssen Sie passen?

David:

Wenn es sich bei einem Verhalten nicht um ein Verhaltensproblem, sondern um eine Verhaltensstörung handelt, empfehle ich einen Verhaltenstherapeutischen Tierarzt. Falls für ein Verhalten Schmerzen die Ursache sein können, muss der Hund natürlich auch tierärztlich untersucht werden.

Gibt es "schwierige" Rassen?

David:

Jede Rasse wurde einmal für einen bestimmten Zweck gezüchtet, d. h. zu Schwierigkeiten kommt es meistens dann, wenn der Halter sich nicht über die Bedürfnisse des Tiers klar ist. So wird ein Border Collie als reiner Familienhund über kurz oder lang Schwierigkeiten machen, sofern er nicht zusätzlich gefordert und gefördert wird. Kleine Terrier wie beispielsweise Jack Russell werden häufig als Schoßhunde gehalten. Es sind aber Terrier und somit Eins-a-Jagdhunde mit einem großen Bewegungsdrang, die schnell in erhöhte Erregungslagen kommen. Diese Hunde machen dann als Schoßhund schon so manchem Halter Schwierigkeiten. Genauso ist ein Bernhardiner oder Neufundländer nichts für Menschen, die ihren Hund gern überall mit hinnehmen möchten.