Tierschutz

Nach Protesten: Edeka stoppt Thunfisch-Vermarktung

Tierschutzorganisationen und der Oscar-Preisträger Richard O'Barry hatten die Supermarktkette wegen Delfinbeifängen scharf angegriffen.

Hagen. Nachdem die Tierschutz-Organisationen WDSF (Wal- und Delfinschutz-Forum) und SAVE Wildlife Conservation Fund zusammen mit dem Oscar-Preisträger Richard O’Barry die Lebensmittelkette Edeka wegen tödlicher Delfinbeifänge beim Thunfischfang scharf angegriffen hatten, reagiert das Unternehmen. Edeka teilte dem WDSF nun mit, dass sie auf die Vermarktung des kritisierten Dosen-Produkts zukünftig verzichten will und nach Alternativen sucht.

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller hatte die EDEKA-Zentrale damit konfrontiert, dass ab Mai 2012 Protestaktionen vor der Hauptzentrale in Hamburg im Beisein des Hollywoodstars Ric O’Barry und zusammen mit SAVE stattfinden würden. O’Barry war früher der Flipper-Trainer der gleichnamigen Fernsehserie und wurde nach Flippers Tod zum weltbekanntesten Delfinschützer. Nach offiziellen Angaben des internationalen Delfinschutz-Programms AIDCP starben im Jahr 2009 alleine 1.239 Delfine, unzählige Haie, Meeresschildkröte, Jungthunfische und andere Meeresbewohner durch den Thunfisch-Beifang. Das Fangschiff „Marta Lucia“ der Firma Seatech, dem Kooperationspartner von Edeka seit 2010, stand nach Angaben des Bayerischen Fernsehens im Jahr 2010 auf der schwarzen Liste der Thunfisch-Fänger wegen illegalem Fischfang.

+++Großer Schwund bei Thunfisch- und Makrelenbestände+++

+++Thunfisch in Japan für 566 000 Euro versteigert+++

In einem Antwortschreiben an das WDSF teilt Edeka-Sprecher Rolf Lange nun mit, dass aufgrund der Nachhaltigkeitsvorsorge zukünftig auf den Bezug des gefährdeten Gelbflossen-Thunfischs verzichtet werde, der für die Dosen-Thunfischfilets der Firma bisher verwendet wurde ( http://www.wdsf.eu/index.php/aktionen/edeka-delfinbeifang ) . Die Tierschützer kritisieren, dass das Unternehmen auch zukünftig Delfinbeifänge bei Alternativprodukten der Thunfischsorten in Kauf nehmen würde und die Thunfischdosen bisher mit irreführenden Hinweisen versehen hätte. So heißt es auf dem Dosenprodukt: „Weniger Beifang durch selektive Fangmethoden, umweltfreundlich, bestandserhaltend“.

Ortmüller: „Es ist zwar ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, die Thunfischdosen aus dem Verkauf zu nehmen. Edeka nimmt aber auch zukünftig die tödlichen Beifänge in Kauf und verdummt die Käufer, die denken sollen, alles sei in Ordnung. Auch im Hinblick auf eine mögliche Quecksilber-Belastung sollten alle Lebensmittelketten am besten alle Thunfisch-Produkte aus dem Verkauf nehmen. Das wäre vorbildlich.“

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.