Obama erwartet langen Kampf gegen die Terrormiliz

Gemäßigte Rebellen fordern den Einsatz von Bodentruppen gegen den IS. Islamistische Kämpfer erbeuteten im Irak möglicherweise auch Chemiewaffen

Washington. Der US-Präsident schien zum Optimismus entschlossen. „Bislang haben wir wichtige Erfolge gesehen“, sagte Barack Obama beim Treffen mit führenden Militärs von 21 Verbündeten nahe Washington. Es ging um den Kampf gegen die Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) im Irak und in Syrien. „Den Vormarsch von IS auf Erbil gestoppt. Viele Zivilisten gerettet vor einem Massaker auf Mount Sinjar. Den Mossul-Staudamm zurückerobert. IS-Ziele und -Kämpfer in Irak und in Syrien zerstört“, bilanzierte Obama gegenüber den Militärs. Doch Obama gestand bei dem Treffen auch ein, dass es sich um einen langwierigen Einsatz handele. „Rasche Lösungen wird es nicht geben. Wir befinden uns noch am Anfang. Und wie bei jeder Militäraktion wird es Tage des Fortschritts und Perioden der Rückschläge geben.“

Vertreter der moderaten syrischen Opposition waren bei dem Treffen nicht zugegen. Sie hätten mutmaßlich Beispiele für die vom Präsidenten eingeräumten Rückschläge in ihrem Gepäck gehabt. Die von Washington versprochenen zusätzlichen Waffenlieferungen seien bislang nicht oder nur in sehr geringem Umfang bei ihnen eingetroffen, ist aus ihren Reihen zu hören. Eine Abstimmung mit den USA über Ziele der Luftschläge gebe es auch nicht. Die gemäßigten Rebellen würden über Bombardierungen in der Regel ebenso überrascht wie die IS-Dschihadisten. Vor allem aber die Konzentration auf Luftangriffe verhindere durchschlagende Erfolge im Kampf. „Kein Krieg kann nur aus der Luft gewonnen werden. Wir brauchen Bodeneinsätze“, sagt Major Ahmed Al Saud, Kommandant der als prowestlich eingestuften Rebellenorganisation 13. Division. „Das erfordert Unterstützung. Wenn wir die nicht haben, können wir nicht vor Ort kämpfen.“

Die Rebellen setzen nicht auf eine Grundausbildung durch amerikanische Offiziere in Stützpunkten in Saudi-Arabien oder der Türkei, sondern auf die rasche Ausstattung mit besseren Waffen und zusätzlicher Munition. Zudem haben viele von ihnen eine andere Erwartungshaltung als der Westen, der sie bislang eher durch Worte als Taten unterstützt: Sie waren angetreten, um das Regime von Baschar al-Assad zu stürzen. Doch nun sehen sie sich in eine Koalition gedrängt, die in der IS-Offensive die ungleich größere Gefahr sieht.

Die IS-Truppen haben offenbar auch Chemiewaffen erobert. Der irakische Uno-Botschafter gab an, die Dschihadisten hätten bereits im Juni eine stillgelegte Chemiewaffenanlage nordwestlich von Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht. Dort sollen 2500 Raketen gelagert worden sein, die zum Teil mit dem Nervengas Tabun und zum Teil mit Senfgas bestückt gewesen seien. Nach noch nicht offiziell bestätigten Berichten setzte IS bereits C-Waffen in den Kämpfen ein.

21 Luftangriffe haben die USA und ihre arabischen Verbündeten nach Angaben des Zentralkommandos Centcom am Montag und Dienstag gegen IS-Ziele allein im Umfeld der umkämpften syrischen Grenzstadt Kobane geflogen. Im Pentagon hieß es, man habe die Offensive der Milizen offensichtlich verlangsamt. Doch die Situation bleibe instabil.

Die Kämpfe in dieser Region werden belastet durch die Zurückhaltung der Türkei bei der Verteidigung und Sicherung der Grenzgebiete. Von Vertretern der rund 15 Millionen Kurden in der Türkei wird dies als Versuch Ankaras angesehen, einen Verzicht auf die kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen in der Region zu erpressen. In den vergangenen Tagen flog die türkische Luftwaffe zudem Attacken gegen Stellungen der terroristischen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Mit Washington fand Ankara bislang keine Einigung über die Nutzung von türkischen Militärstützpunkten für den Kampf gegen IS. Das US-Militär will in der Türkei auch Zentren zur Ausbildung von moderaten syrischen Rebellengruppen einrichten. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, versucht daher die Gemeinsamkeiten mit der Türkei zu betonen. Auch Ankara helfe bei der Linderung der humanitären Folgen der Massenflucht aus Syrien und dem Norden des Irak.