Volkstrauertag

Emmanuel Macron fordert in Berlin neues Kapitel für Europa

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron spricht im Bundestag bei der Zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron spricht im Bundestag bei der Zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag.

Foto: Gregor Fischer / dpa

In einer Rede bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Bundestag rief Macron dazu auf, Europa krisenfester zu machen.

Berlin.  „Es lebe Frankreich. Es lebe die Bundesrepublik. Es lebe die deutsch-französische Freundschaft. Es lebe Europa“ – mit diesen Worten beendete der französische Präsident Emmanuel Macron am Sonntag eine emotionale Rede zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag. Darin hatte Emmanuel Macron Deutschland außerdem zu einer Kraftanstrengung aufgerufen, um Europa in Zeiten eines neuen Nationalismus krisenfester zu machen.

„Heute müssen wir ein neues Kapitel aufschlagen“, sagte Macron am Sonntag in seiner Rede. „Das schulden wir Europa.“ Auch der Klimawandel, Handelskonflikte und andere Herausforderungen müssten gemeistert werden. „Wir wünschen uns alle eine faire Weltordnung.“ Macron bedankte sich, dass er an diesem Tag im Bundestag reden dürfe; das sei ein großes Signal der Versöhnung. „Unsere Gemeinsamkeiten sind stärker als unsere Unterschiede.

Macron mahnt, die Geschichte nicht zu vergessen

Vor seiner Rede hatte der französische Präsident bei einer Begegnung mit Jugendlichen aus ganz Europa gemeinsam mit Frank-Walter Steinmeier an die Jugend Europas appelliert, für ein weltoffenes friedliches Europa zu kämpfen. „Wir befinden uns an einem sehr wichtigen Zeitpunkt unserer Geschichte“, sagte Emmanuel Macron am Sonntag bei einer Begegnung mit Jugendlichen aus ganz Europa in Berlin. „Eine Jugend kann nur die Zukunft aufbauen, wenn sie die Vergangenheit kennt.“ Sonst gebe es das Risiko, Fehler zu wiederholen.

500 junge Menschen aus 48 Ländern in Europa, Afrika und dem Nahen Osten haben in den vergangenen Tagen zum Thema „Youth for Peace - 100 Jahre Erster Weltkrieg, 100 Ideen für den Frieden“ darüber diskutiert, wie der Frieden in einer unruhigeren Welt gesichert werden und wie der Zusammenhalt gestärkt werden kann.

Vergangene Wochen waren Macron und Bundeskanzlerin Merkel auch gemeinsam an Schauplätzen und Gedenkstätten des Krieges in Frankreich.

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Frankreich Hand in Hand mit Deutschland

Der Volkstrauertag wurde vor rund 100 Jahren, im Jahr 1919, eingeführt, um Solidarität mit den Hinterbliebenen der Opfer des Ersten Weltkriegs zu zeigen. Inzwischen gedenkt man aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Deutschland habe die „blutrünstigen Dämonen des Nationalismus“ überwunden, erklärte Emmanuel Macron in seiner Rede im Deutschen Bundestag weiter.

Der französische Präsident zeigte sich stolz, „dass Frankreich eine Rolle bei dieser Wiederauferstehung gespielt hat“. Man habe daran gearbeitet, ein europäisches Projekt aufzubauen und sich die Hand zu reichen. Macron zitierte in dem Kontext Goethe mit dem Worten: „Und so, über Gräber vorwärts.“

Europa müsse eigenständiger werden

Darüber hinaus sprach Emmanuel Macron sich für eine größere Eigenständigkeit Europas aus, um sich in der Welt behaupten zu können. „Europa und darin das deutsch-französische Paar hat die Pflicht, die Welt nicht ins Chaos abgleiten zu lassen“, sagte er bei seiner Rede im Deutschen Bundestag. „Deswegen muss Europa stärker werden, deswegen muss es eigenständiger werden.“

Europa müsse mehr Verantwortung für seine Verteidigung und seine Sicherheit übernehmen, es brauche eine größere europäische Souveränität. „Dieser Kampf ist nicht gewonnen, dieser Kampf wird nie gewonnen sein“, sagte Macron.

Macron will die Europäische Union vor allem unabhängiger von der langjährigen Schutzmacht USA machen, der französische Staatschef ist ein Verfechter einer europäischen Armee. Im letzten Punkt erhielt er zuletzt Rückendeckung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). (dpa/alka)