"Vier Flaschen"

Weine, wie sie schon die alten Römer tranken

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Die unglaubliche Geschichte eines Weinguts, das auf 2800 Jahre Geschichte zurückgeht – selbst aber erst seit 13 Jahren existiert.

Hamburg. Die Weingüter, um die es bisher in unserer Reihe „Vier Flaschen“ ging, haben alle eine große Tradition – die vom Schloss Johannisberg, bei dem die Rieslinge alle nach Lackfarben benannt werden, reichte sogar bis ins neunte Jahrhundert. Der Mann, um den es heute gehen soll, hatte dagegen mit Weinen lange nur insofern zu tun, dass er sie gern trank. Anton Börner verdiente sein Geld als Eigentümer einer Haustechnik-Firma, wurde in Deutschland als Vorsitzender des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen bekannt, dessen Chef er auch im Moment wieder ist.

Das sind nicht die üblichen Voraussetzungen, um Winzer zu werden, „auch wenn mein Großvater und mein Vater beide große Weinkeller hatten, und Wein bei uns zu jedem Essen gehörte“, so Börner. Immerhin: Der Enkel beziehungsweise Sohn kam früh auf den Geschmack, und das Interesse an Weinen stieg, als er eine italienische Frau heiratete, deren Vater aus dem Piemont, einer sehr berühmten Weingegend, stammte. Mit den Jahren wuchs in der Familie der Wunsch, selbst in die Landwirtschaft zu gehen - und der führte Börner vor etwas mehr als zehn Jahren ins Latium, in die Nähe Roms.

Wein aus Latium? Hier gab es früher Massenprodukte

Latium? Das war sehr lange keine Gegend, die man mit guten Weinen verband, eher im Gegenteil: Hier wurden Massenprodukte produziert, zumindest im vergangenen Jahrhundert. „Aber davor war die Region 2800 Jahre lang für herausragende Weine benannt. Die ganzen Weine, die wir in Europa kennen, kommen aus unserem Gebiet, weil Wein zur Marschverpflegung der römischen Soldaten gehörte“, sagt Börner, der sich intensiv für Geschichte und Archäologie interessiert.

Und deshalb auch herausfand, dass der Faschismus in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts schuld daran war, dass im Latium statt sehr guten vor allem sehr günstige Weine produziert wurden. „Das habe ich im Rahmen meiner Studien entdeckt, und mir gesagt: Wenn man dort 2800 Jahre Top-Qualität hergestellt hat, muss das doch wieder gehen.“ Börner gab eine Analyse bei zwei Universitäten in Auftrag, die ihm bestätigten, dass es in der Gegend „eine einzigartige Kombination von Faktoren gibt, die den Weinanbau bevorzugen“.

Dazu gehören der vulkanische Boden, die Nähe zum Meer und zu Bergen und vor allem die Temperaturen: „In den heißesten Jahreszeiten haben wir eine Temperaturspreizung von 16 Grad: mittags ist es 36 Grad warm, nachts kühlt es runter auf 20 Grad“, so Börner. Das seien ideale Bedingungen für Weinstöcke, „und deshalb habe ich mich entschlossen, an die Renaissance der Weine aus der Zeit vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts anzuknüpfen.“

Blindverkostung: Omina Romana kann mit Top-Gewächsen mithalten

Börner kaufte mit seiner Familie 82 Hektar Fläche im Latium, rodete die dortigen Weinberge und pflanzte neue Weinstöcke an – das war 2007 und der Beginn des Weinguts Omina Romana (übersetzt: römische Vorzeichen). Schon vier Jahre später, 2011, konnten die ersten Weine produziert werden, ab 2015 erreichte Omina Romana die Qualität, die Börner sich erhofft hatte.

Das war auch die Zeit, in der Michael Kutej, neben Lars Haider und Axel Leonhard einer der Gastgeber der „Vier Flaschen“, zum ersten Mal von dem neuen Weingut hörte: „Damals war ich mit mehreren anderen Sommeliers zu einer Blindverkostung eingeladen, bei der es unter anderem die weltbesten Merlots gab – und eben einen von Omina Romana. Und der konnte, zur Überraschung aller, mit den Top-Marken mithalten.“ Börner erzählt, dass es gerade in Italien lange gedauert habe, bis man ihn, den deutschen Sanitärhändler, und seine Familie als Winzer ernstgenommen hat.

Was auch daran liegen kann, dass Omina Romana – für Italien untypisch – seine Basis-Rotweine mit Schraubverschlüssen anbietet: „Als wir das vor drei Jahren eingeführt haben, ist uns viel Unverständnis und Empörung entgegengeschlagen“, sagt Börner. Für ihn ist es eine „Naturverschwendung“, wenn man für Weine, die schnell getrunken werden sollen, einen echten Korken nimmt: „Das macht aus ökologischen Gesichtspunkten keinen Sinn und ist nicht zeitgemäß.“ Es gibt noch ein Argument für den Schraubverschluss: „In Restaurants arbeiten viele Kellner, die Schwierigkeiten beim Öffnen einer Flasche haben, die mit einem Korken verschlossen sind.“

Notfalls den Korken in die Flasche drücken

Selbst Kutej, der ja Inhaber der Hanse-Lounge in Hamburg ist, hat schon das gefürchtete „Duell Mann gegen Korken“ verloren. Was sagt man dann? „Am besten gar nichts. Man versucht zu retten, was zu retten ist. Notfalls muss man den Korken in die Flasche drücken und dann durch einen Filter gießen“, so Kutej. Dafür sei zum Beispiel ein herkömmlicher Kaffeefilter gut geeignet.

Bleibt die Frage, wie sie denn schmecken, diese Weine aus dem Latium? Vier wurden probiert, zwei weiße, zwei rote, dabei wurde eine eher unbekannte Rebsorte, Viognier, neu entdeckt – und eben jener Merlot, von dem Michael Kutej schon gesprochen hat. Was sagt der Kenner zu den Weißweinen? Das: „Ich habe normalerweise keine allzu hohe Meinung von italienischen Weißweinen, aber diese haben ihre Berechtigung“, so Kutej.

Und, ganz wichtig: Am 3. Dezember, 19 Uhr, gibt es wieder eine Ausgabe von „Vier Flaschen“, bei der Sie live dabei und mittrinken können. Diesmal geht es um spanische Rotweine. Interesse? E-Mail an chefredaktion@abendblatt.de genügt, wir melden uns dann bei Ihnen.