Sex-Podcast

Wie aus wunden Punkten Wunderpunkte werden

Lesedauer: 5 Minuten
Hajo Schumacher und Katrin Hinrichs sprechen in ihrem neuen Podcast über Sex.

Hajo Schumacher und Katrin Hinrichs sprechen in ihrem neuen Podcast über Sex.

Foto: Roland Magunia

Sexualtherapeutin Katrin Hinrichs weiht Journalist Hajo Schumacher diesmal in die Geheimnisse des weiblichen Körpers ein.

Hamburg. Manche Männer finden, dass Frauen schwierig sind, auch beim sexuellen Höhepunkt. Nein, nicht schwierig, erklärt die Hamburger Sexualtherapeutin Katrin Hinrichs, sondern einfach nur anders. Aber leider fehle da vielfach das Wissen. Gut, dass Journalist Hajo Schumacher in der neuen Podcast-Folge für einen Freund fragt: Wie genau funktioniert der weibliche Körper, warum kommt es oft zu Schmerzen, was machen Männer ausdauernd verkehrt und wie lassen sich Orgasmusprobleme stressfrei lösen?

Sexualerzieherin Hinrichs antwortet geduldig und kompetent auch auf komplexere Fragen: Was hat es mit Grundfeuchte und Reibungsrezeptoren auf sich, warum können Männer keinen Orgasmus vortäuschen, warum sollten wir gelernte Fahrpläne aufgeben und mehr Bewegung wagen. Damit aus wunden Punkten Wunderpunkte werden.

Expertin rät zu mehr Ruhe und Sorgfalt

Hinrichs erzählt von einem Fall aus ihrer Praxis, der typisch sei: Eine Frau um die 40, Lehrerin, zwei Kinder, stellt nach 15 Jahren Ehe fest, dass sie sich nie um ihre eigene Sexualität gekümmert hat – Sex gab es bei ihr fast immer dann, wenn der Mann Lust hatte. „Manchmal passte das mit ihren eigenen Bedürfnissen überein, oft aber eben auch nicht“, sagt Hinrichs. Und anders als ihr Mann sei sie beim Geschlechtsverkehr längst nicht immer zum Orgasmus gekommen – eines der Probleme, das viele Frauen hätten: „Bei Frauen baut sich die Erregung oft viel langsamer auf als bei Männern, die brauchen mehr Zeit, um in Stimmung zu kommen.“ Soll heißen: Es reiche nicht, einmal die Brustwarze zu umspielen – „was die meisten Frauen sowieso nicht mögen“ – und dann der Frau „zwischen die Beine“ zu greifen. Das müsse alles mit viel mehr Ruhe und Sorgfalt passieren.

„Erst legt der Mann seine Hand auf das Geschlechtsteil seiner Frau, dann beginnt er vorsichtig, die Vulva anzufassen und zu massieren, dann macht er langsam weiter.“ Der Mann müsse die Vagina und damit die Lust im wahrsten Sinne des Wortes „aufwecken“ und gemeinsam mit der Frau das richtige Tempo dabei finden. „Ist es die Kunst, die unterschiedlichen Erregungsstufen anzugleichen?“, fragt Hajo Schumacher. Ja, sagt Katrin Hinrichs, tatsächlich könnten Frauen auch lernen, durch Bewegungen und Atmungen in einen „Genussmodus“ zu kommen – so sei es auch bei der oben genannten Patientin gewesen.

Ansprüche an Sex nicht immer kompatibel

Nach einigen Sitzungen bei der Sexualtherapeutin sei sie zu ihrem Mann gegangen, habe ihm von den „neuen Erkenntnissen“ berichtet und ihn gebeten, es beim Sex künftig langsamer angehen zu lassen. „Und was sagt der Mann? Dass er dazu keine Lust hat“, so Hinrichs. Soll heißen: Die Ansprüche, die die beiden Eheleute an Sex hatten, waren nicht kompatibel. Der eine will es schnell und hart, nur das erregt ihn, die andere möchte das genaue Gegenteil, weil sie sonst nicht in Stimmung kommt.

Und nun? „Jetzt kommt der Mann nächste Woche in meine Praxis, und ich erkläre ihm mal, was im Körper seiner Frau passiert, wenn sie Sex hat“, sagt Hinrichs. Wahrscheinlich sei das etwas, was er, wie viele Männer, nie gelernt habe: „Wo denn auch? In der Schule?“

Hajo Schumacher versteht das grundlegende Bedürfnis vieler Frauen, dass Sex gut vorbereitet sein will, dass „man nicht zu gestresst von der Arbeit sein darf, dass die Stimmung passen muss, dass alle geduscht sind und gut riechen“, fragt aber auch: „Macht guten Sex oft nicht gerade aus, dass die Begierde einen plötzlich überkommt, dass man seinen Partner und seinen Partnerin jetzt will, meinetwegen auch mitten in der Küche?“ Das stimme auch, sagt die Therapeutin, und es sei ideal, wenn es beim Sex einen Wechsel gebe: Mal schnell und überraschend, mal gut vorbereitet und langsam, die „Abwechslung macht den Unterschied“.

Orgasmus muss nicht, Orgasmus kann

Zum Schluss geht es um einen Mythos, mit dem Katrin Hinrichs aufräumen möchte: Dass „er es ihr immer besorgen muss und dass bei ihr irgendetwas falsch ist, wenn sie nicht zum Orgasmus kommt“. Wer sich diesen Druck mache, habe von Anfang ein Problem: „Orgasmus muss nicht, Orgasmus kann“, sagt Hinrichs, die ihren Klienten gern rät, einfach mal ein paar Wochen auf Penetrationssex zu verzichten. So war es etwa bei einer 22 Jahre alten Frau, die beim Sex mit ihrem Freund statt Lust nur noch Schmerzen verspürte. Die beiden hätten dann drei Wochen alles außer Geschlechtsverkehr miteinander gemacht, was dazu geführt habe, „dass die Frau beim Sex keine Angst mehr vor den Schmerzen haben musste“. Und, siehe da: Der Druck ließ nach – und damit ihre Verspannungen, die bis in die Vagina reichten. Nach den drei Wochen war die Lust zurück.