Sex-Podcast

Polyamorie: Wann drei einer zu viel sind – und wann nicht

Hajo Schumacher und Katrin Hinrichs sprechen in ihrem Podcast über Sex.

Hajo Schumacher und Katrin Hinrichs sprechen in ihrem Podcast über Sex.

Foto: Roland Magunia

Wie Paare, die sich auf eine offene Beziehung eingelassen haben, die damit verbundenen Probleme lösen.

Hamburg. Bei dem einen geht es um Rechtsmedizin und Kriminalfälle, bei dem anderen um unser aller Sexualleben. Immer im Wechsel finden Sie an dieser Stelle unter dem Rubrum „Sex&Crime“ das Beste aus zwei unserer erfolgreichsten Podcasts. Heute dran ist „Ich frage für einen Freund. Der Podcast für Erwachsene“ – mit Moderator Hajo Schumacher und der klinischen Sexualtherapeutin Katrin Hinrichs.


Katrin Hinrichs muss in ihrer Praxis viele Fragen beantworten, auch solche, die für Außenstehende eher schräg anmuten. Diese gehört mit Sicherheit dazu: „Viele wollen von mir wissen, was ich eigentlich von Polyamorie halten“, sagt die Sexualtherapeutin aus Eppendorf in der neuen Folge von „Ich frage für einen Freund“. Hinter dem Wort versteckt sich eine Form des (Liebes-)Lebens, bei der ein Mann oder eine Frau nicht nur eine, sondern mehrere Partner/Partnerinnen haben – und das auch nicht geheim halten. Im Gegenteil: Er oder sie kommuniziert das gegenüber allen Beteiligten offen.

Das einfachste Modell

„Jedes 20. Paar kommt auf die Idee, die Beziehung mal für andere zu öffnen“, sagt Hinrichs. Wobei die Entscheidung dazu meist von einem der beiden Partner durchgesetzt wird, die Sexualtherapeutin nennt ihn (oder sie) den Mehrwoller: „In einer Beziehung gibt es gar nicht so selten einen, der mit dem Sex eigentlich abgeschlossen hat, der seine Ruhe davor haben will und der auch ohne körperliche Kontakte zufrieden und glücklich ist. Wenn das für den anderen aber nicht gilt, stellt sich die Frage, was der denn nun macht.“

Und natürlich, was der Partner ihm erlaubt. Das einfachste Modell: Man einigt sich darauf, dass man zusammenbleiben will, weil man sich liebt, aber auch darauf, dass der Mehrwoller sexuell außerhalb der Beziehung aktiv werden darf. „Wie geht das: Eine Frau erlaubt ihrem Mann, sich einmal in der Woche oder einmal im Monat mit einer anderen Frau zu treffen, sogar mit ihr ins Bett zu gehen?“, fragt Hajo Schumacher. „Ja, und genau da beginnt das Problem. Denn erstens darf er sich natürlich nicht in diese andere Frau verlieben“, so Hinrichs. „Und zweitens stellt sich die Frage, ob die Frau damit klarkommt, wenn sie abends allein und in dem Wissen zu Hause sitzt, dass ihr Mann bei einer anderen ist.“

Paare lösen Probleme auf sehr unterschiedliche Weise

Wie lösen Paare, die sich auf eine offene Beziehung eingelassen haben, diese Probleme? Nun, auf sehr unterschiedliche Weise. Sie erlebe in ihrer Praxis Paare, in denen derjenige, der zu Hause geblieben ist, sich von dem Partner, der sich anderswo vergnügt hat, genau erzählen lässt, was er gemacht hat – „und das auch noch sehr interessant findet“, so Hinrichs: „Manchmal stellen die das dann sogar nach, manchmal braucht der Partner nur das Gefühl, dass er einen Rest von Kontrolle über das neue Liebesleben hat.“

Sie habe vor Kurzem sogar ein Paar erlebt, wo der Mann seiner Frau sogar beim Schickmachen vor einem Treffen mit einem anderen geholfen, und sie mit Abendessen und Sekt versorgt habe: „Daraus entstand bei ihm ein Lustgefühl.“ Dann gebe es Paare, bei denen der eine dem anderen zwar erlaube, außerhalb der Beziehung seinen Gelüsten nachzugehen, davon aber auf keinen Fall etwas wissen will. „Grundsätzlich gilt: Wie weit man eine andere Person in seine Beziehung lassen kann und was das für Folgen hat, kann man nur herausfinden, indem man es ausprobiert“, so Hinrichs. „Denn eigentlich sind drei per se einer zu viel.“

Ein gesundes Selbstbewusstsein ist wichtig

Dass es auch anders gehe, zeige das Beispiel einer Kollegin, also einer anderen Sexualtherapeutin, die sich einen Mann mit ihrer besten Freundin teile: „Das funktioniert seit zehn Jahren bestens, die drei wollen zusammen alt werden.“ So ein Dreiecksverhältnis setzte allerdings eine gewisse Reife und, natürlich, ein gesundes Selbstbewusstsein voraus. „Aber ich sage es auch ganz ehrlich“, so Hinrichs. „Die meisten Menschen halten solche Poly-Beziehungen nicht lange aus.“

Das Bedürfnis, die Sehnsucht danach, sei trotzdem da, auch bei jungen Leuten, die noch gar nicht so lange zusammen sind: „Es gibt eine große Gruppe von Menschen, die Polyamorie aktiv leben und zum Teil sogar ganz offen dazu stehen.“ Das ginge so weit, dass die Kinder und die Nachbarn von den anderen Verhältnissen wissen. Trotzdem würde Hinrichs allen Mehrwollern, die von einem oder mehreren weiteren (Sexual-)Partnern träumen, zu allergrößter Vorsicht raten, wenn sie ihrem ständigen Partner davon berichten: „Allein der Vorschlag, sich einmal der Polyamorie zuzuwenden, kann in einer Beziehung einen Tsunami auslösen.“