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Warum die Reederei Hurtigruten auf Hamburg setzt

Heiko Jensen ist Geschäftsführer Deutschland und Europavertriebschef der Reederei Hurtigruten.

Heiko Jensen ist Geschäftsführer Deutschland und Europavertriebschef der Reederei Hurtigruten.

Foto: PR/Kai Müller / Hurtigruten

Diese Frage und einige mehr beantwortet Heiko Jensen, Deutschland-Chef der Reederei, im neuen Abendblatt-Podcast „Seetag“

Hamburg. Im neuen Abendblatt-Podcast „Seetag“ spricht Heiko Jensen, in Hamburg ansässiger Deutschland-Geschäftsführer von Hurtigruten und zugleich Europa-Vertriebschef der Reederei, über künftige Schiffe, geplante Routen und Investitionen in eine umweltverträgliche Flotte.

Hamburger Abendblatt: Hurtigruten setzt verstärkt auf den Hamburger Hafen. Warum ist das Interesse der Norddeutschen so groß?

Jensen: Wir zielen mit Hamburg auf den ganzen Markt in Deutschland. Dieser Markt macht 50 Prozent unseres weltweiten Passagieraufkommens aus. Mit Hamburg haben wir einen regional und überregional beliebten Abfahrtshafen mit guter Erreichbarkeit.

Wie viele zu- und aussteigende Gäste haben Sie in der Saison in Hamburg?

Jensen: In diesem Jahr haben wir mit der „Roald Amundsen“ angefangen und hatten drei Abfahrten mit jeweils 500 Gästen, also 1500 Gäste insgesamt. Im kommenden Jahr werden wir mit der „Fridtjof Nansen“ sechs Abfahrten in Hamburg haben. 2021 ist dann die umgebaute „Maud“ mit zehn Abfahrten im Einsatz – macht dann zusammen schon 5000 Gäste ab Hamburg Richtung Norden.

Welchen Terminal brauchen Sie dafür?

Jensen: Da unsere Schiffe einen umweltfreundlichen Landstromanschluss haben, suchen und brauchen wir einen Terminal mit Landstrom – wie in Altona. Hier sind wir auf den Hafen Hamburg angewiesen, der die Terminals verteilt.

Wie international sind die Gäste?

Jensen: Wir haben im Schnitt rund 50 Prozent deutsche Gäste. Bei den Abfahrten ab Hamburg sind es 95 Prozent.

Welche Bordsprachen gibt es?

Jensen: Wir haben immer drei Sprachen – Norwegisch, Englisch, Deutsch. Es gibt daher auch immer deutschsprachige Vorträge.

Woher kommt das Personal an Bord?

Jensen: Bei den Postschiffen an der norwegischen Küste haben wir ausschließlich norwegisches Personal, das sieht auch der Staatsvertrag vor. Die Expeditionsleiter kommen aus Norwegen, der Schweiz und Deutschland.

Wenn man in Hamburg an Bord geht, wohin geht dann die Reise mit Hurtigruten genau?

Jensen: Nach Island und zum Nordkap, jeweils 14 Tage. Weitere Destinationen werden wir zunächst nicht anpeilen, weil die Nachfrage nach Norwegen sehr groß ist.

Warum sind diese Fahrten zu den Fjorden und weiter Richtung Norden so beliebt?

Wir sagen gerne: Wir legen dort an, wo andere nicht einmal vorbeifahren. Wir haben 34 Häfen, die wir bedienen, und 100 Fjorde. Das macht sonst keine andere Reederei.

Was sind die Unterschiede zwischen einer Postschiffreise, einer Kreuzfahrt und einer Expeditionsreise?

Jensen: Seit 126 Jahren sind unsere Postschiffe vor allem als Versorgungsschiffe an der norwegischen Küste unterwegs. Dafür gibt es einen Staatsvertrag.

Einige Schiffe aus dem Postschiffverkehr werden allerdings zu Expeditionsschiffen umgebaut. Warum?

Jensen: Wir haben seit zehn Jahren die „Fram“, ein Expeditionsschiff mit mehr als 200 Betten, das primär in der Arktis und Antarktis eingesetzt wird. Inzwischen haben wir die „Spitsbergen“ umgebaut, ein Schiff mit 90 Kabinen, das wir an der norwegischen Küste und auch als Expeditionsschiff einsetzen. Im Übrigen verpflichtet uns der Staatsvertrag, den Verkehr auf der Postschiffroute an 365 Tagen im Jahr zu gewährleisten.

Auch bei schweren Stürmen?

Jensen: Wenn Sie unsere Kapitäne fragen, würden sie sagen: Wir könnten fahren. Aber wir fahren lieber nicht, und zwar aus Rücksicht auf die Passagiere. Tatsächlich gibt es nur wenige Ausfälle.

Wie viele Schiffe hat Hurtigruten insgesamt?

Jensen: Wir haben elf Schiffe auf der Postschiffroute und aktuell drei Expeditionsschiffe. Im nächsten Jahr kommt ein weiteres Expeditionsschiff hinzu.

Ihre Zielgruppe sind die „Babyboomer“, also die Generation der zwischen 1946 und 1964 Geborenen. Wie stellen Sie sich auf deren Bedürfnisse ein?

Jensen: Es gibt eine starke Nachfrage zum individuellen Reisen – abseits des Overtourism. Viele unserer Kunden kennen die populären Highlights und möchten sich nun im kleineren Kreis auf ausgewählten Reisen weiterbilden. Da bieten Expeditionsschiffe mit maximal 500 Gästen gute Möglichkeiten. Abseits der üblichen Pfade kann Neuland erkundet werden. Statt in Besitz zu investieren, geht es unseren Gästen um Erlebnisse und Weiterbildung.

Reden wir über das Thema Umwelt. Sie verfolgen in Ihrer Flotte eine Doppelstrategie. Die Postschiffe werden künftig mit Flüssiggas LNG betrieben, die Expeditionsschiffe mit Marinediesel. Zudem kommen zusätzlich Batterien zum Einsatz. Was planen Sie für die Zukunft?

Jensen: Wir verzichten bereits seit mehr als zehn Jahren auf Schweröl. Mit den beiden Neubauten verfügen wir nun auch über Schiffe mit Hybridantrieb.

Der reicht aber nicht, um stundenlang elek­trisch herumzufahren.

Jensen: Der Effekt dieses Batteriebetriebs ist, dass dadurch der Verbrauch in Spitzenzeiten um bis zu 20 Prozent reduziert werden kann. Wir müssen dann keine zweite Maschine, wie bei konventionellen Schiffen üblich, einschalten.

Warum kein Gas bei den Expeditionsschiffen?

Jensen: Flüssiggas wie bei den Postschiffen macht bei Expeditionsschiffen keinen Sinn, weil es dafür weltweit nur sehr wenige Tankstellen gibt.

Und was ist mit dem Klimaschutz? LNG ist ja auch ein fossiler Brennstoff.

Jensen: Bei den Postschiffen wollen wir immer mehr Biogas verwenden.

Das wäre dann ja klimaneutral. Woher kommt Ihr Biogas?

Jensen: Das wird in Norwegen von einem jungen, aufstrebenden Unternehmen produziert. Wir haben mit ihm einen Achtjahresvertrag abgeschlossen.

Und woraus wird dieses nicht-fossile Biogas hergestellt?

Jensen:Zum großen Teil aus Fischabfällen.