Literatur-Podcast

Wenn dir ein Republikaner in der Wahlnacht eine reinhaut

Lesedauer: 2 Minuten
Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz besprechen im Literatur-Podcast Next Book Please aktuelle Bestseller.

Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz besprechen im Literatur-Podcast Next Book Please aktuelle Bestseller.

Foto: HA

Was lesen? Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz über aktuelle Bestseller, die es in sich haben.

Hamburg. Ein Altmeister, eine Altmeisterin, ein Newcomer: Die neue Folge des Literaturpodcasts wartet wie immer mit einer interessanten Mischung auf. Den Anfang macht Richard Fords Erzählungsband „Irische Passagiere“, dessen Geschichten mal mehr, mal weniger mit Irland zu tun haben. Es geht um meist mittelalte Menschen, die in gesicherten Verhältnissen leben, von Schicksalsschlägen betroffen sind oder ganz allgemein Verlusten. Da ist in einer der Erzählungen zum Beispiel der Expat Jimmy Green, der auf einer Wahlparty im Paris des Jahres 1992 seine Würde verliert.

Obwohl er ganz unschuldig ist. Weil Clinton die US-Präsidentenwahl gewinnt, haut ihm ein Republikaner eine rein. Einfach so. Amerikanische Toughness, viele Jahre, bevor das Land erst recht am Zerbersten ist. Außerdem gibt es die bei Ford nicht untypischen Behauptungssätze. Sind die eigentlich tiefsinnig oder tun nur so, als ob sie dies wären? Auch darum geht es diesmal in Next Book Please.

Literatur-Podcast:Ein rabenschwarzes Buch und harte Kost

Außerdem um den neuen Roman der 1948 in Schwyz geborenen Gertrud Leutenegger. Podcaster Rainer Moritz begleitet die Karriere der Schweizerin seit Beginn von deren Karriere. Auch „Späte Gäste“ kann er viel abgewinnen, während Thomas Andre mit der Überpoetisierung des Geschehens manchmal seine Probleme hat. Positiv bewerten beide Leser den Einbruch der Flüchtlings-Gegenwart in die versponnen-somnambule Atmosphäre des Romans.

Eigenwillig ist auch das Debüt des 1983 in Linz geborenen Österreichers Stephan Roiss. „Triceratops“ stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und erzählt von einer Familie, deren Mitglieder unter psychischen Erkrankungen leiden. An die fortwährende Irritierung, dass der zunächst kindliche, später jugendliche Ich-Erzähler unaufhörlich im „wir“ erzählt und nicht als „ich“, gewöhnt man sich als Leser. Dieser Kniff gesellt sich neben die harten Schnitte und Szenenwechsel dieses rabenschwarzen Buchs – eine Entdeckung, aber wahrlich harte Kost.

( HA )