HSV – wir reden weiter

Wie Christian Titz in der Krise um die Zukunft kämpft

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"Der HSV gehört in die Bundesliga", findet Christian Titz (jetzt Rot-Weiss Essen).

"Der HSV gehört in die Bundesliga", findet Christian Titz (jetzt Rot-Weiss Essen).

Foto: Imago/MaBoSport

Der Trainer spricht im Podcast über seine HSV-Erinnerungen und die aktuelle Lage bei seinem neuen Club Rot-Weiss Essen.

Hamburg/Essen. Auf dem Tagesprogramm von Christian Titz stehen an diesem Donnerstag bis zu vier Stunden Training. Der Chefcoach des Regionalligisten Rot-Weiss Essen arbeitet derzeit genau wie die Proficlubs mit Kleingruppen. Und durch die Gruppenteilung kann das mitunter richtig lange dauern. „Die Einheiten sind länger als sonst“, sagt der 49-Jährige im täglichen Abendblatt-Podcast "HSV – wir reden weiter" und erinnert sich auch an seine Zeit bei den HSV-Profis im Frühjahr 2018, als Titz die Spieler nicht selten mehr als zwei Stunden auf dem Platz beschäftigte.

Nach der Einheit am Donnerstag wird sich Titz dann auch darüber informieren, was Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Videokonferenz mit den Ministerpräsidenten besprochen hat. Schließlich soll es in der Sitzung auch darum gehen, ob und wann es mit den Bundesligen weitergehen kann.

Dass die Saison in den Regionalligen noch zu Ende gespielt werden kann, ist derzeit unwahrscheinlich. Aber mit einem Auge guckt Titz natürlich auch noch auf den HSV. Zwischen 2015 und 2018 arbeitete er im Volkspark als Trainer der U 17, der U 21 und schließlich der Profis. „Natürlich verfolge ich den HSV. Ich hatte dort schöne Jahre“, sagt Titz.

Titz wünscht dem HSV den Aufstieg

Genau zwei Jahre ist es her, dass er seinen Höhepunkt beim HSV erlebte. Mit 3:1 gewannen die Hamburger am 32. Spieltag beim VfL Wolfsburg. Und der ganze Club träumte plötzlich wieder vom Klassenerhalt. „Wie wir aufgetreten sind, hatten wir wieder große Hoffnung“, erinnert sich Titz. Die Aufholjagd sollte aber nicht mehr reichen. Zwei Wochen später stieg der HSV erstmals aus der Bundesliga ab.

Titz durfte zwar weiterarbeiten, doch im Oktober wurde er freigestellt. Reue empfindet er heute keine: „Ich würde mich für den Verein, für die Menschen und die Stadt freuen, wenn er wieder in die Bundesliga zurückkehrt. Der HSV ist ein Club, der in die Bundesliga gehört.“

Seit dem vergangenen Sommer trainiert Titz wieder in der Regionalliga. Mit Essen hat er noch gute Chancen, in die 3. Liga aufzusteigen. Doch aktuell stehen der Trainer, sein Team sowie der ganze Club vor vielen Fragezeichen. Der Saison droht aufgrund der Coronakrise der vorzeitige Abbruch. Und insbesondere für den Traditionsclub aus Essen wäre das ein harter Schlag – sportlich und wirtschaftlich. Die Aufstiegschance wäre dahin. Bei einer Abstimmung der Vereine aus der Regionalliga West vor einer Woche war RWE daher der einzige Club, der für eine Fortsetzung der Saison gestimmt hat.

Essen hat die meisten Fans aller Regionalligisten

Doch wie genau die aussehen könnte, weiß keiner. Geisterspiele in der Regionalliga sind keine Option. Im Gegensatz zu den Proficlubs sind die Viertligisten nicht auf die Einnahmen aus der TV-Vermarktung angewiesen. Sie leben hauptsächlich von Sponsoren- und Zuschauereinnahmen.

RW Essen ist der Club mit dem höchsten Zuschauerschnitt aller deutschen Regionalligisten. Rund 11.000 Besucher kamen in dieser Saison zu den Heimspielen an die traditionsreiche Hafenstraße. „Die Menschen leben hier Fußball und lieben ihren Verein. Das ist eine Parallele zum HSV“, sagt Titz. Ohne Einnahmen wird Essen aber existenzielle Pro­bleme bekommen – trotz der Gehaltsverzichte, die Titz und sein Team in Kauf genommen haben.

Anders ist das beim HSV II. Das Regionalligateam von Trainer Hannes Drews ist von Zuschauereinnahmen nicht abhängig. Ein Saisonabbruch würde für die U 21 kein Pro­blem darstellen. Problematisch aber ist die Perspektive für die Nachwuchstrainer, die noch mindestens bis Ende Mai in Kurzarbeit geschickt wurden. Zumindest mit dem Training auf dem Platz könnte es in Kürze weitergehen, wenn die Pläne des Hamburger Fußballverbands umgesetzt werden.

Titz steht mit Essen vor ungewisser Zukunft

Christian Titz und sein Co-Trainer André Kilian können in Essen dagegen bereits seit Wochen wieder in Kleingruppen trainieren. Bei RWE sind im Gegensatz zu anderen Vereinen alle Spieler Berufsfußballer. Doch gerade deshalb steht der Club vor einer ungewissen Zukunft. Das gilt auch für Christian Titz selbst. Die Aufstiegschance wäre für seine persönliche Perspektive wichtig.

Um Clubs wie Essen im deutschen Fußball wieder größere Chancen zu ermöglichen, denkt Titz auch an die Möglichkeit einer zweigleisigen 3. Liga. „Davon würden wir profitieren“, sagt er. Ohnehin gehe es darum, im deutschen Fußball wieder eine größere Chancengleichheit herzustellen, auch wenn die Realität anders aussieht. „Den Clubs brechen monatelang die Einnahmen weg. Daher kann es passieren, dass es auf der Fußballlandkarte zu Veränderungen kommt“, sagt Titz. Der Trainer hofft auf schnelle Fakten für alle Vereine. Vielleicht ja schon am Donnerstag.