Entscheider treffen Haider

Prof. Dr. Volker Steinkraus: „Eitle Menschen leben länger“

Lesedauer: 7 Minuten
Prof. Dr. Volker Steinkraus ist Hautarzt und Gründer des Dermatologikums in Hamburg. Nun ist er im Podcast "Entscheider treffen Haider" zu Gast.

Prof. Dr. Volker Steinkraus ist Hautarzt und Gründer des Dermatologikums in Hamburg. Nun ist er im Podcast "Entscheider treffen Haider" zu Gast.

Foto: Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider spricht mit dem Mediziner über die Liebe zur Haut – und die Frage, was wirklich jung hält.

Hamburg. Mit Volker Steinkraus ist heute ein Mann bei „Entscheider treffen Haider“ zu Gast, bei dem sich jeden Tag Hunderte Hamburger ausziehen … Der Mediziner hat aus einer kleinen Hautarzt-Praxis am Stephansplatz das Dermatologikum gemacht, für das heute 200 Menschen arbeiten und das Ableger in mehreren großen Städten hat. Das Gespräch mit Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider im Podcast.

Das sagt Volker Steinkraus über…

…die Frage, wie viele Patienten ein Hautarzt pro Tag behandelt:

„Etwa 40! Wenn man von früh bis spät arbeitet, können es auch mal 60 Patienten sein. Ins Dermatologikum kommen etwa 500 Patienten pro Tag. Circa 50 Prozent sind privat versichert, 50 Prozent kommen über zuweisende Ärzte oder für eine Zweitmeinung. Die Kosten für eine hautärztliche Beratung sind ja meist auch überschaubar, sie liegen irgendwo zwischen 80 und 120 Euro für eine sehr eingehende und sorgfältige rundum Hautberatung und Vorsorge, die viele sich alle zwei Jahre gönnen. In den ersten Jahren des Dermatologikums waren es tatsächlich sehr lange Tage mit Operationen, die manchmal erst abends um 20 Uhr begannen. Es war ja wichtig, die Strukturen aufzubauen und in Schwung kommen.“

…die Terminvergabe:

„Wenn jemand am Mittwochnachmittag ein Problem hat, dann muss er auch am Mittwochnachmittag einen Termin bekommen. Ich glaube, dass eine schnelle, flexible Terminvergabe für einen Arzt heute existenziell ist. Deshalb geht die Sprechstunde bei uns von 7.30 Uhr bis 19.30 Uhr, ohne Mittagspause, wir machen auch Hausbesuche, wenn es sein muss. Wichtig ist, dass Termine möglichst exakt eingehalten werden. Denn 90 Prozent aller Beschwerden von Patienten drehen sich um unnötige Wartezeiten. Die wollen wir vermeiden.“

… die alte Oberpostdirektion, in der das Dermatologikum seinen Sitz hat:

„Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich habe den Mietvertrag für den Stephansplatz im März 1997 unterschrieben, fünf Monate später haben wir eröffnet. Das Haus vermietete sich zu unserem Glück zu Beginn nur schleppend, sodass wir schnell weitere Flächen dazunehmen konnte. Ich habe mit 700 Quadratmetern angefangen, heute haben wir 4500 Quadratmeter. Die Miete ist an so einem Innenstadt-Standort natürlich hoch. Aber in so einem schönen Haus mit exzellenter Erreichbarkeit behandelt zu werden, ist für die Akzeptanz bei den Patienten nicht unwichtig. Dermatologen haben meist auch ein hohes Empfinden für Licht, Farben und Formensprachen. All diese Empfindungen werden maximal durch unseren Standort bedient. “

…das Verhältnis zu herkömmlichen Hautarztpraxen:

„Wir haben zu den umliegenden Dermatologen ein sehr gutes nachbarschaftliches Verhältnis, es existieren Patientenströme hin und her, und viele senden ihre Laborproben zu uns. Es gibt so viele Menschen, die Fragen zur Haut haben, die z.T. ja auch sehr komplex sind (Haut als Spiegel der Seele). Dermatologen sind grundsätzlich sehr gut ausgelastet.“

…seine Geschäftstüchtigkeit:

„Ich bin in einer sehr geschäftstüchtigen Familie groß geworden, da ging es von früh bis spät um unser Unternehmen, das Kaufhaus Dittmer in Hanstedt. Wir Kinder waren auf dem Internat in Holstein, die Eltern haben nur gearbeitet. Ich habe noch mit 40 Mitschülern in einem Raum geschlafen, habe aber trotzdem beste Erinnerungen an diese Zeit. Das alles war für meine Entwicklung natürlich prägend. Ich hatte die großartigsten Eltern der Welt, die mich und auch meinen beruflichen Lebensweg immer mit großer Freude begleitet haben.“

…den Verkauf des Dermatologikums im Jahr 2016 an einen Investor:

„Das Unternehmen ist so schnell so groß geworden, dass es nicht mehr von einer oder wenigen Personen geführt werden konnte – zumal, wenn diese Personen, also meine Partner oder ich, uns vor allem um die medizinischen Belange kümmern mussten. Außerdem mussten meine Partner und ich uns überlegen, was aus dem Dermatologikum wird, wenn wir eines Tages ausscheiden. Diesen Generationswechsel wollten wir lieber zu früh als zu spät einleiten. Wir hatten viele Angebote und Gespräche und haben uns am Ende für ECM aus Frankfurt entschieden, ein Unternehmen, das uns mit viel Umsicht steuert und ansonsten in Ruhe machen lässt. Ich arbeite heute genauso wie vor vier Jahren, obwohl ich nur noch Angestellter bin. Und wir haben neue Standorte in Zürich und Bremen eröffnet. Das hätten wir allein sicher nicht geschafft.“

…Hanstedt, das er noch reizvoller als Hamburg findet:

„Mich hat die Heide, in der ich aufgewachsen bin, nie losgelassen, ich liebe sie zu allen Jahreszeiten. Zwischendurch habe ich auch mal in Hamburg gelebt, war im Saarland, in Warendorf und eine Zeit auch in den USA, aber am wohlsten fühle ich mich in der Nordheide, wo ich heimisch bin. Auch, weil neben der Haut Pferde mein Leben sind, und ich dort in der Nähe von Luhmühlen als Züchter arbeiten kann. Ich habe drei Zuchtstuten, mit denen ich versuche, gute Vielseitigkeitspferde zu züchten.“

…die Hierarchie bei Ärzten:

„Früher haben Hautärzte primär Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Tripper behandelt, entsprechend war ihr Ansehen, die kamen kurz hinter dem Badearzt. Heute ist die Haut in der Wahrnehmung ein wichtiges immunologisches Organ, übrigens das größte, das wir haben. Die Dermatologie ist ein sehr breites Feld, das man entweder liebt oder hasst. Mich hat es immer fasziniert, weil ich es toll fand, auch ohne große Apparaturen eine Diagnose stellen zu können.“

…die Frage, was jung hält:

„Ich stehe jeden Morgen um sechs Uhr auf und gehe dann eine Stunde stramm mit meinem Hund durch den Wald spazieren, sodass ich ins Schwitzen komme. Viel Bewegung ist die beste Medizin. Danach gibt es einen Ingwertee mit Zitrone und einem Löffel Honig. Mehr mache ich eigentlich nicht, um fit zu bleiben. Das Entscheidende ist wahrscheinlich, viel Spaß an der eigenen Arbeit zu haben.“

…eitle Menschen, die länger leben:

„Das ist in der Tat so. Eitel heißt ja nicht nur, dass man auf den Sitz seiner Haare achtet, sondern, dass man insgesamt etwas besser auf sich aufpasst. Menschen, die sich nicht gehen lassen, die auf ihr Körpergewicht achten, moderat Sport treiben und regelmäßig schlafen, werden älter als andere, davon bin ich überzeugt. Man hat sicher selbst großen Einfluss darauf, ob man gesund bleibt.“