Entscheider treffen Haider

Starköchin Cornelia Poletto und das kleine Maggi-Geheimnis

Cornelia Poletto und Rüdiger Grube haben sich bei einer Talkshow in Hamburg kennengelernt.

Cornelia Poletto und Rüdiger Grube haben sich bei einer Talkshow in Hamburg kennengelernt.

Foto: imago

Im Podcast sprechen Poletto und ihr Mann Rüdiger Grube über ihren Ehestart, eine SMS von Merkel und Tricks in der privaten Küche.

Hamburg. Sie ist Deutschlands bekannteste Köchin, hat Restaurants in Hamburg und Shanghai. Er war jahrelang Chef der Deutschen Bahn, hat für Daimler Milliardengeschäfte abgewickelt und telefoniert nachts schon mal mit der Bundeskanzlerin. Seit fünf Jahren sind Cornelia Poletto und Rüdiger Grube verheiratet. Bei „Entscheider treffen Haider“ traten die beiden jetzt gemeinsam auf – live im großen Festsaal des Hotel Grand Elysée. Im Gespräch mit Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider ging es um die Frage, wie zwei schlechte Schüler solche Karrieren machen konnten, warum man Grube auch für einen Gynäkologen halten kann und wieso im Hause Poletto immer eine Flasche Maggi steht. Am schönsten ist aber die Geschichte, wie die beiden sich kennen- und lieben gelernt haben.

Das sagen Cornelia Poletto und Rüdiger Grube über …

… ihr Restaurant in Shanghai:

Poletto: „Als das Virus in China ausbrach und ich mein Restaurant in Shanghai schließen musste, war mir ganz klar: Corona kommt auch zu uns nach Deutschland, das wird dich auch in Hamburg betreffen. Wir haben versucht, das Beste daraus zu machen. Es war und ist eine Zeit, in der man sehr kreativ sein muss, und das ist uns ganz gut gelungen. In Shanghai ist fast schon wieder Normalität eingetreten, im Moment haben wir dort bessere Umsätze als im vergangenen Jahr um diese Zeit, es gibt auch wieder größere Veranstaltungen. Das Virus ist dort kaum noch wahrnehmbar.“

… ihr Restaurant in Hamburg:

Poletto: „Wir sind seit Juni jeden Tag ausgebucht, sowohl mittags als auch abends. Die Gäste haben große Lust rauszugehen und sich verwöhnen zu lassen, und sie unterstützen uns auch. Meine Mitarbeiter haben noch nie so viel Trinkgeld bekommen wie in dieser Zeit. Man merkt eine große Solidarität. Ich habe viele frustrierende Momente am Beginn der Krise erlebt, aber auch viele beglückende: Etwa, wenn die Menschen auf den Balkonen von Awo-Pflegeheimen geklatscht haben, als ich gekommen bin, um ihnen ein leckeres Poletto-Mittagessen zu liefern.“

… die Frage, wie er Bahnchef geworden ist:

Grube: „Angela Merkel schickte mir in der Nacht vom 31. März auf den 1. April 2009 eine SMS, dass sie mich dringend sprechen müsste und ob ich sie am nächsten Morgen anrufen könnte. Ich habe zurückgeschrieben: Sie können mich auch jetzt zurückrufen. Es dauerte keine zwei Sekunden, dann hatte ich sie am Apparat. Und am nächsten Tag hatte ich die herausfordernde Aufgabe als Bahnchef. Dabei hatte ich eine Woche zuvor ein anderes Angebot von der Bundesregierung bekommen: Ich sollte Opel-Chef werden.“

… sein Ausscheiden bei der Deutschen Bahn:

Grube: „Ich war damals natürlich nicht glücklich, dass ich mich in einer Aufsichtsratssitzung dazu entschieden habe, meine Arbeit als Vorstandschef der Deutschen Bahn zu beenden. Das war nicht mein Plan. Ich hatte die Zusage von Angela Merkel und Sigmar Gabriel, dass mein Vertrag um drei Jahre verlängert wird. Das galt in der Aufsichtsratssitzung auf einmal nicht mehr, sonst wäre ich heute noch Bahnchef und müsste gegen die Corona-Krise kämpfen. Und die Bahn hat die Chance, nach Corona einer der Gewinner im Verkehr zu sein. Dafür muss sie aber pünktlicher, sauberer und dienstleistungsorientierter werden. Niemand will mit schlecht gelauntem Personal in schmutzigen Zügen sitzen, die zu spät irgendwo ankommen.“

... ein Telefonat mit dem Vater von Heidi Klum:

Grube: „Ich habe in meiner Zeit als Bahnchef am Tag bis zu 3000 E-Mails bekommen, und ich habe jeden Tag fünf bis acht selbst beantwortet, und zwar, indem ich die Kunden, die sich über etwas beschwert haben, angerufen habe. Einmal war eine Mail von Heidi Klum dabei, zumindest dachte ich das. Aber der Brief war nicht von Heidi, sondern von ihrem Vater Günther. Er hat meinen Anruf erst für einen Marketing-Gag gehalten und dachte, ein Mitarbeiter der Bahn würde sich bei ihm unter meinem Namen melden. Nachdem er mir mehrere persönliche Fragen gestellt hatte, die ich natürlich alle beantworten konnte, wurde es noch ein nettes Gespräch. Und bevor ein falscher Eindruck entsteht: Das Gespräch hat nichts damit zu tun, dass Cornelia bei der Hochzeit von Heidi Klum im vergangenen Jahr kochen durfte. Dort war Günther ja gar nicht dabei.“

… den Auftrag, bei der Hochzeit von Heidi Klum zu kochen:

Poletto: „Eigentlich sollte ein italienischer Drei-Sterne-Koch das Menü zubereiten. Aber als immer mehr deutsche Gerichte wie Sauerkraut, Ente mit Rotkohl und Bienenstichtorte dazukamen, hat er kapituliert. Dann hat das Management bei uns angefragt, ohne dass wir wussten, um wen es geht. Am Ende ist das ganze Poletto-Team nach Capri gefahren, das war schon ein einmaliges Erlebnis. Denn wir mussten die meisten Speisen in Hamburg vorbereiten, weil die beiden ja auf einem alten Kriegsschiff geheiratet haben.“

… sein Angebot, Hamburger Wirtschaftssenator zu werden:

Grube: „Ja, man hat mich gefragt, ob ich Wirtschaftssenator werden möchte. Ich habe das abgelehnt, weil ich mich beruflich inzwischen neu orientiert hatte, unter anderem als Aufsichtsratsvorsitzender der HHLA. Ich arbeite heute ex­trem gern mit dem Senat in Hamburg zusammen, ich arbeite sowieso sehr gern.“

… die ungewöhnliche Karriere von Rüdiger Grube, der ein extrem schlechter Schüler war:

Poletto: „Rüdiger ist ein Menschenfänger. Mein Vater ist Gynäkologe gewesen, und mein Mann und ich waren einmal gemeinsam auf einem Kongress, auf dem mein Vater ausgezeichnet wurde. Und nach einer halben Stunde haben alle geglaubt, dass Rüdiger auch Gynäkologe ist. Wenn er das schon schafft, kann man sich vorstellen, dass er vieles schaffen kann.“

Grube: „Ich habe mich oft gefragt, warum ich, obwohl ich auf dem ersten Bildungsweg nur den Hauptschulabschluss geschafft habe, solch eine Karriere gemacht habe. Und diesen Schulabschluss habe ich auch nur bekommen, weil ich immer gern die Taschen der Lehrer getragen habe. Es gibt sicher viele intelligentere Leute als mich. Aber mir sind von meinen Eltern diese Werte mitgegeben worden, die sich immer auszahlen: Bodenständigkeit, Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Leidenschaft, Authentizität und Disziplin. Und ich habe immer wie ein Wilder gearbeitet. Wenn man sich nicht selbst engagiert und bückt, dann wird es nichts. Sie müssen für ihre Sache brennen und diese Leidenschaft ausstrahlen.“

Poletto: „Was erfolgreiche Menschen ausmacht ist, auch mal eine Herausforderung anzunehmen, die man sich eigentlich gar nicht zutraut. Ich war auch schlecht in der Schule, aber aus den Strebern, die neben mir gesessen haben, ist nicht so richtig was geworden. Es reicht nicht, nur zu lernen und aufzupassen, man braucht eine Persönlichkeit und muss manchmal auch ein bisschen frech sein.“

Grube: „Man muss Dinge einfach annehmen, auch wenn man nicht weiß, ob man ihnen gewachsen ist. Irgendwie bekommt man es dann schon hin. Man muss sich selbst etwas zutrauen, ohne überheblich zu sein.“

Poletto: „Wobei ich in meinem Beruf schon kochen können sollte. Rüdigers Fähigkeiten sind andere.“

… ihr Kennenlernen:

Grube: „Wir haben uns bei einer Talkshow in Hamburg kennengelernt, zu der ich eigentlich gar nicht wollte, weil ich nicht wusste, worüber ich gemeinsam mit einer Sterne-Köchin sprechen sollte.“

Poletto: „Es war im Hotel Stadt Hamburg. Ich fand Rüdiger ganz sympathisch, aber mehr auch eigentlich nicht …“

Grube: „Cornelia hat sich vorher erkundigt, wer außer ihr kommt. Und als sie dann hörte, dass der Bahnchef dabei ist, sagte sie zu ihrer Pressefrau: Aber das ist doch immer noch der Hartmut Mehdorn? Das war für mich die größte Beleidigung.“

Poletto: „Ich muss zugeben, dass ich nicht wusste, wer Rüdiger Grube ist. Aber seine Lebensgeschichte hat mich sehr beeindruckt. Hinterher haben wir noch ein Glas Wein getrunken. Dann hat er mir seine Handynummer aufgeschrieben, und ich dachte: Super, hast du mal wieder einen guten Gast gewonnen. Man freut sich ja über liquide Gäste.“

Grube: „Ich bin nach Berlin zurückgefahren, und habe mich gefragt: Hat die eigentlich einen Partner? Und wie kann man das am besten rausbekommen? Indem man spät in der Nacht eine SMS schreibt. Wer um Mitternacht noch eine SMS beantwortet, hat niemanden, mit dem er zusammenlebt. Und es hat keine Minute gedauert, bis ich eine SMS zurückbekam.“

Poletto: „Die allerdings nicht von mir stammte. Als die SMS bei mir ankam, habe ich sie meiner Pressefrau gezeigt – und sie hat zurückgeschrieben.“

Grube: „Ich bin also voll veräppelt worden – und trotzdem am nächsten Wochenende zu Cornelia nach Hamburg gefahren.“

Poletto: „Ich war schon aufgeregt, als Rüdiger dann in mein Restaurant gekommen ist, wusste aber nicht, dass er als Bahnchef Sicherheitskräfte hat. Einer von denen lungerte schon den ganzen Tag vor meinem Restaurant herum, und ich habe mich gefragt: Wieso braucht man als Ober-Schaffner denn Bodyguards? Ich habe nicht gewusst, dass das so ein wichtiger Mann ist. Aber ich habe auch schnell gemerkt, dass es gar nicht so einen großen Unterschied macht, ob man die Deutsche Bahn führt oder ein Restaurant. Die Themen sind häufig sehr ähnlich.“

Grube: „Wobei man als jemand, der ein großes Unternehmen geführt hat, nicht den Fehler machen darf, das auf eine kleine Firma übertragen zu wollen. Davor kann ich nur warnen. Wenn man das machen würde, würde die kleine Firma umkommen vor Bürokratie. Wenn meine Frau meint, dass sie meinen Rat braucht, spricht sie mich an. Demnächst werden wir uns auch ein Büro teilen.“

... das Kochen:

Poletto: „Rüdiger kann vieles, Kochen gehört nicht zu seinen ganz großen Stärken.“

Grube: „Ich habe von meiner Frau gelernt, dass man beim Kochen viel improvisieren muss. Und das habe ich dann zum Beispiel getan, als unsere Tochter sich Spaghetti mit Garnelen gewünscht hat. Ich habe einen Garnelensalat bei Lindner am Eppendorfer Baum gekauft, den zu Hause in ein Sieb getan und heißes Wasser drüberlaufen lassen – so wollte ich die Salatsauce wegbekommen. Dann noch ein bisschen Butter rein, das hilft ja immer. Aber unsere Tochter hat es nicht gegessen … Daraufhin habe ich meine Frau gebeten, mir sieben Gerichte beizubringen. Leider sind wir bei Gericht Nummer fünf hängen geblieben …“

Poletto: „Dabei ist es so einfach, nach Rezepten aus Kochbüchern zu kochen – die gelingen garantiert. Es klappt, Rüdiger, wenn du dich daran hältst.“

Grube: „Es ist wie Olympia: Wenn man keine Chance hat, der Beste zu sein, versucht man es gar nicht erst.“

… Kochbücher:

Poletto:„Mich macht es stolz, wenn ich mein Kochwissen über Kochbücher weitergeben kann. Erst vor wenigen Monaten ist ,Echt Poletto‘ erschienen. Ich selber koche aber in der Regel nach Gefühl. Das Einzige, was immer Rezepte braucht, sind Desserts. Ansonsten kann ich Gerichte in meinem Kopf zusammenstellen und weiß dann schon, wie sie schmecken.“

… Sodbrennen:

Grube: „Bevor ich meine Frau kennengelernt habe, habe ich eigentlich immer nach dem Essen Sodbrennen gehabt. Ich dachte, das gehört dazu. Erst als ich die Küche meiner Frau kennenlernte, war das weg. Es ist schon erstaunlich, was man mit gutem Essen für den Körper bewegen kann.“

… Maggi:

Poletto: „Meine Mutter hat immer eine Flasche Maggi im Küchenschrank. Als Rüdiger das erste Mal zu Besuch kam, musste ich ihn aus der Küche lotsen, damit er die nicht sieht. Ich habe übrigens auch immer Maggi im Kühlschrank, heute Morgen gab es ein, zwei Tropfen ins Rührei. Schmeckt einfach besser.“

... die Frage, warum Tim Mälzer sie noch nie in seine Kochshow „Kitchen impossible“ eingeladen hat:

Poletto: „Tim ist genauso wie Rüdiger. Der lädt mich nicht ein, weil er weiß, dass er verliert.“