Entscheider treffen Haider

Kunsthallen-Direktor Alexander Klar: „Mein Traum ist …“

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Alexander Klar ist seit einem Jahr Chef der Kunsthalle.

Alexander Klar ist seit einem Jahr Chef der Kunsthalle.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia / Funke Foto Services

Im Podcast spricht der Chef der Hamburger Kunsthalle darüber, wie sich das Museum in Richtung Binnenalster vergrößern könnte.

Hamburg. Wie wird man eigentlich Direktor eines der wichtigsten deutschen Museen? Und was macht man dann daraus? Darüber hat Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider in der Reihe „Entscheider treffen Haider“ mit Alexander Klar gesprochen, der seit dem 1. August 2019 Chef der Hamburger Kunsthalle ist.


Das sagt Alexander Klar über …

… die Frage, wie man Direktor der Hamburger Kunsthalle wird:

„Das geht über Empfehlungen. Eines Tages rief dann für mich überraschend das Büro des Hamburger Kultursenators Carsten Brosda an und er fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, nach Hamburg zu kommen. Danach haben wir uns persönlich getroffen, was interessant war, weil Carsten Brosda nicht nur viel und gut reden, sondern auch sehr gut zuhören kann. Von Anfang an herrschte zwischen uns ein gutes Grundvertrauen. Am Ende gab es ein Bewerbungsgespräch vor einem größeren Gremium, bei dem ich dargestellt habe, wer ich bin, was ich kann und was ich will. Vorher hatte ich natürlich meine Frau gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, mit nach Hamburg zu kommen. Und sie hat den schönen Satz gesagt: Also, wenn du nach Hamburg willst, ich will nach Hamburg.“

… den Ruf der Kunsthalle:

„Der ist ganz unterschiedlich. Einerseits ist eines der besten Museen Deutschlands, andererseits galt es in den vergangenen Jahren auch schon als etwas gerockt. Die Kollegen, die ich gefragt habe, ob sie mir einen Wechsel nach Hamburg empfehlen würden, haben gesagt, dass sie ein Haus in diesen finanziellen Umständen eher nicht übernehmen würden. Der öffentliche Etat für die Kunsthalle ist in Hamburg fast erschreckend gering. Dafür gibt es hier einen Orbit von Stiftungen und Unterstützern, auf die man sich verlassen kann. Vielleicht ist deshalb die Grundfinanzierung durch die Behörde erst einmal sehr karg. Für jeden Wunsch, den wir haben, müssen wir Gelder von privat auftreiben. Auch das gehört zu meinen Aufgaben, und ist in Hamburg zum Glück einfacher als anderswo, weil es hier eine gute Förderinfrastruktur durch engagierte Stiftungen gibt und hier sehr viele wohlhabende Menschen leben, die zudem der Kunsthalle wohlgesonnen sind.“

… seine Pläne für die Kunsthalle:

„Ich bin im Akquise-Modus für ein neues Gebäude, weil die Kunsthalle eine Expansion dringend nötig hat, wenn sie im Konzert der besten deutschen Museen mitspielen will. Wir brauchen jenseits der vom Betrieb her notwendigen Erweiterung um Depotflächen und Sonderausstellungsbereich eine kluge, neue Architektur an der Binnenalster, damit das alte Zentrum Hamburgs interessant bleibt und nicht alle Menschen nur runter zur Elbphilharmonie und in die HafenCity laufen. Die Architektur eines Museums ist mindestens zu 50 Prozent für seinen Erfolg verantwortlich, was man in Bilbao, Abu Dhabi oder Oslo eindrücklich erleben kann. Da gehen die Leute hin, nicht weil sie wissen, was gezeigt wird, sondern weil sie das Gebäude sehen wollen. Mein Traum für die Kunsthalle wäre, wenn über der Kreuzung vor unserem Haus ein flacher Riegel Richtung Binnenalster schweben würde. Ich würde so gern den Verkehr elegant überschwingen, was übrigens auch nichts Weltrevolutionäres ist: In Los Angeles wird gerade ein neuer Flügel des Los Angeles County Museum of Art Museum über einen Highway hinüber gebaut. Das ist fantastisch, und ich bin mir sicher, ein ähnliches Projekt könnte auch die Hamburger begeistern. Dazu bräuchte es wahrscheinlich ein paar stimulierende Bilder, wie das aussehen könnte.“

… die ersten Fragen, die ihm in Hamburg gestellt wurden:

„Es sind zwei: Wie sind sie angekommen? Wo sind sie angekommen? Wenn ich auf die zweite Frage mit Blankenese antworte, gehen manche Augenbrauen hoch. Dabei haben wir die Wohnung im Treppenviertel vor allem bekommen, weil wir uns auf Anhieb mit unserem Vermieter sehr gut verstanden haben … Viele fragen mich dann: Wie sind die Leute denn so in Blankenese? Ich sage immer: ganz gemischt. Und neulich antwortete einer: Ja klar, reich und superreich.“

… sein Verzicht auf ein Auto:

„Wir haben gar kein Auto, meine Frau hat nicht einmal einen Führerschein. Ich miete ab und an ein Auto. Die 16 Kilometer von unserer Wohnung zur Kunsthalle fahre ich immer mit dem Fahrrad, an der Elbe entlang. Das Fahrradfahren am Morgen ist für mich vor allem ein Durchgehen der Dinge, die am Tag passieren. Wenn ich im Büro ankomme, bin ich also bestens vorbereitet. Ich glaube übrigens, dass das Auto in einer Stadt wie Hamburg ein vollkommen irrsinniges Verkehrsmittel ist. Mich stören vor allem die geparkten Autos, weil sie attraktiven Stadtraum verschwenden.“

… über die Kündigung seines Beamtenstatus:

„In Wiesbaden war ich als Museumsdirektor verbeamtet, und ich habe schon gute zwei Wochen darüber nachdenken müssen, ob ich diesen Status mit dem Wechsel nach Hamburg aufgebe. Diese Sicherheit ist ein tolles Gefühl, auch wenn ich nie ein Musterbeamter war und nicht die Mentalität eines Beamten hatte. Von meiner Haltung her habe ich das Gefühl, dass ich eher auf die Entrepeneur-Seite gehöre. Ich nehme gern mal Risiken in Kauf.“

… die Digitalisierung eines Museums:

„Wir sind dabei, eine digitale Kunsthalle aufzubauen, damit auch Menschen, die in Australien oder Neuseeland leben, sich einmal möglichst erhellend Caspar David Friedrichs „Wanderer“ ansehen können. Digitalisierung ist etwas, was dem Leben eine neue Dimension zuführt.“

… Audio-Guides:

„Ich sehe die kritisch. In Deutschland glaubt man an den Satz: Ich sehe nur, was ich weiß. Wenn ich mir meine beiden kleinen Söhne angucke, dann sage ich: Die wissen noch wenig, aber sehen ganz schön viel. Auf einem Audio-Guide erhält man als Museumsbesucher bestimmt hochwertige und wertvolle Informationen. Aber mir ist wichtiger, dass unsere Besucher über ein Bild ins Gespräch kommen oder darüber etwas schreiben, gern auch in den sozialen Medien.“